Imker vor dem Ruin: Waldbrände in Griechenland vernichteten Tausende Bienenvölker

Imker im griechischen Florina bei der Arbeit (Archivfoto).

Imker im griechischen Florina bei der Arbeit (Archivfoto).

Athen. Über 100.000 Hektar Wald, Buschland und landwirtschaftliche Anbauflächen haben die Brände vernichtet, die in den beiden ersten Augustwochen in Griechenland wüteten. Rund 8500 Hektar verbrannten im Norden der Hauptstadt Athen. Auf der Halbinsel Peloponnes vernichteten die Flammen eine Fläche von fast 30.000 Hektar. Am schlimmsten traf es Euböa. Im Norden der zweitgrößten griechischen Insel sind 50.800 Hektar abgebrannt. Ein Drittel des gesamten Waldbestandes auf Euböa wurde vernichtet.

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Hunderte Familien haben nicht nur ihre Wohnhäuser und Gehöfte in den Feuerstürmen verloren, sondern auch ihre wirtschaftliche Existenz. Vor der Katastrophe kamen zwei Drittel des in Griechenland gewonnenen Pinienhonigs aus den Wäldern im Norden Euböas. Nach einer ersten Bestandsaufnahme der Landwirtschaftskasse ELGA haben die Brände über 9000 Bienenstöcke vernichtet. Vasilis Douras, der Präsident des griechischen Imkerverbandes, schätzt den Produktionsausfall auf bis zu 10.000 Tonnen Honig im Jahr. Und es geht nicht nur um den Ertrag der Imker: „Bienen geben uns mit der Bestäubung in der Landwirtschaft viel mehr Biodiversität als nur den Honig”, sagte Douras der griechischen Nachrichtenagentur ANA.

Jahrzehntelang keine Baumharzgewinnung

Manche Imker haben zwar einige Bienenvölker retten können, aber für die müssen sie nun andere Wälder suchen. Größere zusammenhängende Pinienwälder gibt es noch im Süden Euböas, auf der nordgriechischen Halbinsel Chalkidiki und auf der Ägäisinsel Thassos. Aber dort produzieren bereits andere Imker. „Es wird deshalb unmöglich sein, den Verlust auszugleichen”, sagt Verbandschef Douras.

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Vor dem Ruin stehen auch jene etwa 800 Familien, die ihren Lebensunterhalt mit der Gewinnung von Baumharz verdienten. Das zähflüssige, klebrige Harz wird zur Produktion von Farben, Kunststoffen, Arzneimitteln und Kosmetika benötigt. 80 Prozent der griechischen Harzproduktion kamen aus den Pinienwäldern im Norden Euböas. Fachleute schätzen, dass es rund 30 Jahre dauern wird, bis die abgebrannten Wälder wieder herangewachsen sind. Die Harzgewinnung kann frühestens in 20 bis 25 Jahren wieder beginnen. Die betroffenen Familien werden deshalb auf viele Jahre hinaus finanzielle Unterstützung des Staates benötigen – zumal die Brände in der Region auch die meisten Olivenhaine und Feigenbäume zerstört haben.

Auch an ein Wiederaufleben der Bienenzucht ist, wenn überhaupt, erst in einigen Jahrzehnten zu denken. Imkerpräsident Douras fordert deshalb vom Staat „echte Entschädigungen und nicht nur Almosen”. Die griechische Regierung hat für Staatshilfen im Zusammenhang mit den Feuerkatastrophen einen Nachtragshaushalt von 500 Millionen Euro angekündigt.

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