Kommt die Landshut zurück nach Deutschland?

Zurück ins Geschichtsbewusstsein: Wer die Lufthansa-Maschine „Landshut“ sucht, findet sie auf dem Flugzeugfriedhof im brasilianischen Fortaleza. Politiker und Historiker würden die Maschine am liebsten in Deutschland sehen.

Zurück ins Geschichtsbewusstsein: Wer die Lufthansa-Maschine „Landshut“ sucht, findet sie auf dem Flugzeugfriedhof im brasilianischen Fortaleza. Politiker und Historiker würden die Maschine am liebsten in Deutschland sehen.

Rio de Janeiro. Auf dem Flugzeugrücken wuchert Moos, die Cockpitfensterscheiben liegen unter einer dicken Schicht von Staub und Dreck. Das vielleicht berühmteste deutsche Flugzeug der Nachkriegszeit, die „Landshut“, verrottet auf dem brasilianischen Flugzeugfriedhof in Fortaleza vor sich hin. Es sind traurige Bilder, die Jürgen Vietor zu sehen bekommt. Der frühere Lufthansa-Pilot, der seit 20 Jahren in der Nähe von Hamburg lebt, hat für eine Dokumentation, die der Südwestfunk im Oktober ausstrahlen will, sein ehemaliges Flugzeug besucht. „Die ,Landshut’ ist in einem furchtbaren Zustand“, sagte Vietor in einem Interview, als er von den Dreharbeiten aus Brasilien zurückkehrte.

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40 Jahre Deutscher Herbst

Im Oktober jährt sich zum 40. Mal das mehrtägige Entführungsdrama, das im Jahr 1977 die 90 Passagiere und die Besatzung der „Landshut“, Deutschland und die ganze Welt in Atem hielt. Dann die große Erleichterung, als das deutsche Polizeikommando GSG 9 im somalischen Mogadischu die Geiseln befreite und drei der vier palästinensischen Entführer töte. Seitdem hat sich der Name des Flugzeugs in den Köpfen der Deutschen festgesetzt.

Im Herbst 1977 stürmte ein Kommando der GSG 9 die „Landshut“ in Mogadischu. Terroristen hatten die Maschine entführt.

Im Herbst 1977 stürmte ein Kommando der GSG 9 die „Landshut“ in Mogadischu. Terroristen hatten die Maschine entführt.

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Jetzt rückt auch das Schicksal des Flugzeugs wieder in das Blickfeld – auch weil die erste deutsche Begegnung mit dem internationalen Terrorismus in der Nachkriegszeit heutzutage wieder eine unheimliche Aktualität bekommt. Spätestens im Oktober, wenn all die Spielfilme und Dokumentationen wieder auf die Bildschirme zurückkehren, wird auch die Frage gestellt werden: Was ist eigentlich aus der „Landshut“ geworden? In Fortaleza gibt es die Antwort. Bis 2008 war das Flugzeug mit der Seriennummer 20254 und dem Luftfahrzeugkennzeichen D-ABCE im Dienst. Nach der Entführung flog die „Landshut“ bis 1985 sogar noch im regulären Liniendienst der Lufthansa. Ihre letzten Flüge absolvierte die die Maschine unter brasilianischer Flagge. Von 2002 bis Januar 2008 war sie als PT-MTB bei der brasilianischen TAF Linhas Aéreas in Dienst, ehe das Flugzeug nach 38 Betriebsjahren und etwa 60 000 Flügen in den Ruhestand ging. Seitdem verrottet das, was von dem einst stolzen Flieger übrig blieb auf dem „Cemitério de Aviões“, wie die Brasilianer den Flugzeugfriedhof nennen.

Geschichte der Lufthansa

Erschrocken reagierte nicht nur der ehemalige „Landshut“-Copilot Vietor auf den Zustand des Wracks. „Die Entführung der ,Landshut’ ist Teil der Geschichte der Lufthansa. Es ist wichtig, die Erinnerung an die Ereignisse von damals wachzuhalten“, sagt Lara Matuschek, Pressesprecherin der Lufthansa. Die Fluggesellschaft verfolge mit Interesse die Pläne des Auswärtigen Amtes, das Flugzeug wieder zurück nach Deutschland zu holen.

Weg von einem anonymen Friedhof für ausgemusterte Flugzeuge, mitten hinein ins Geschichtsbewusstsein der Deutschen, das wünschen sich auch viele Historiker und Politiker. Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) betonte jüngst, die „Landshut“ sei „eine lebendige Zeugin eines wichtigen Moments der Geschichte der jungen Bundesrepublik“. Zu konkreten Plänen zur Rückholung kann die Lufthansa derzeit aber nichts sagen, ebenso wenig wie das Auswärtige Amt oder das deutsche Konsulat in Fortaleza, die sich bedeckt halten. Denn eine Rückführung des Flugzeuges würde wohl Millionen verschlingen.

Eine letzte Reise

Vorerst bleibt der Flughafen Pinto Martins die aktuelle Heimat der „Landshut“. Inmitten einer Gruppe von anderen ausrangierten Wracks ist sie dort nur ein anonymes Flugzeug von vielen. Die Sitze sind ausgebaut, im Cockpit fehlen die Instrumente. Viele Fenster sind zugeklebt. Deswegen ist es auch ein Wettlauf mit der Zeit, denn je mehr das Wrack verrottet, desto schwieriger wird es sein, das Flugzeug auf seine letzte Reise von knapp 7500 Kilometern Luftlinie von Fortaleza über den Atlantik Richtung Frankfurt vorzubereiten.

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Von Tobias Käufer

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