Junge wollte nicht mehr leben

Quaden Bayles: Vom Mobbingopfer zum Filmstar

Quaden Bayles durfte 2020 mit seinem Lieblingsrugbyteam aufs Feld laufen.

Quaden Bayles durfte 2020 mit seinem Lieblingsrugbyteam aufs Feld laufen.

Sydney. Quaden Bayles wird Filmstar. Der oscarprämierte Regisseur George Miller hat den indigenen Jungen, dessen Schicksal 2020 um die Welt ging, für eine kleine Rolle in dem „Mad Max“-Spin-off „Furiosa“ besetzt. Der elfjährige Australier, der mit einer als Achondroplasie bekannten Form des Zwergwuchses geboren wurde, trat bereits neben Idris Elba und Tilda Swinton in Millers Film „Three Thousand Years of Longing“ auf.

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„Es war gut für uns und es war gut für ihn“, sagte Miller im Interview mit der australischen Tageszeitung „Sydney Morning Herald“. „Und er hat so gute Arbeit geleistet, dass er eine kleine Rolle in ‚Furiosa‘ bekommen hat.“ Miller erklärte, dass er Bayles auf die große Leinwand bringen wollte, nachdem er das erschütternde Video gesehen hatte, das seine Mutter im Februar 2020 von ihm geteilt hatte.

Der Effekt von Mobbing

Das Video zeigte den Jungen schluchzend im Auto, nachdem er in der Schule schrecklich gemobbt worden war. „Gib mir ein Messer“, sagte der Junge darin unter Tränen. „Ich möchte mich umbringen. Ich möchte einfach nur sterben.“ Seine Mutter nahm den emotionalen Zusammenbruch ihres Sohnes zum Anlass, eine Botschaft gegen Mobbing aufzuzeichnen. „Das ist der Effekt, den Mobbing hat“, sagte sie in dem Video. „Könnt ihr das bitte alle euren Kindern, euren Familien und euren Freunden beibringen.“ Sie wisse sich anders nicht mehr zu helfen. Jeden Tage passiere etwas anderes: „Eine andere Episode, ein Mobbing, eine andere Verspottung, eine andere Beleidigung.“

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Die Resonanz auf das Video war enorm: Millionen Menschen weltweit schauten es an, Medien aus aller Welt berichteten darüber. Tausende Menschen schickten dem damals Neunjährigen und seiner Mutter Nachrichten, selbst einige bekannte Persönlichkeiten meldeten sich über soziale Medien zu Wort.

Unterstützung von Hollywoodstars

Der australische Schauspieler Hugh Jackman postete eine Videobotschaft für den Jungen auf sozialen Medien, in der er sagte: „Du hast in mir einen Freund.“ Quaden sei stärker, als er es sich vorstellen könne. Dann rief der Hollywoodstar die Menschen dazu auf, nett zueinander zu sein: „Mobbing ist nicht in Ordnung.“ Das Leben sei schon schwer genug. Außerdem erhielt der Junge eine Einladung seines Lieblingsrugbyteams. Er durfte zusammen mit einem rein aus indigenen Spielern aufgebauten Team auf den Platz auflaufen. Seine Mutter Yarraka Bayles sagte vor Reportern, diese Geste habe seine Träume erfüllt. „Er sagte, er erlebte erst den schlimmsten und dann den besten Tag seines Lebens.“

Der ebenfalls kleinwüchsige US-Komiker Brad Williams startete, nachdem er das Video sah, sogar eine GoFundMe-Seite, um Geld für den Aborigine-Jungen zu sammeln. Er wolle Quaden damit wissen lassen, dass Mobben nicht toleriert werde und dass er ein wundervoller Mensch sei, der es verdiene, sich zu freuen, sagte Williams. Die Spendenaktion brachte es auf fast eine halbe Million US-Dollar. Die Familie des Jungen entschied sich jedoch, die Summe nicht wie zunächst angedacht, für einen Trip nach Disneyland zu verwenden, sondern an Hilfsorganisationen für behinderte Menschen zu spenden.

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Vom Mobbing zum Cybermobbing

Besonders schlimm für die Familie war zudem, dass das Mobbing trotz oder gerade wegen der Medienaufmerksamkeit kein Ende nehmen sollte. Innerhalb weniger Tage nach der Veröffentlichung des Videos tauchten Lügengeschichten über das Kind im Internet auf, in denen behauptet wurde, der Junge sei gar nicht neun Jahre alt, sondern ein 18-jähriger Schauspieler und das Video sei gestellt gewesen. Die Internettrolle richteten sogar falsche Instagram-Seiten in seinem Namen ein.

Obwohl ältere Medienberichte, in denen seine Mutter über die Krankheit ihres Sohnes spricht, beweisen, dass Quadens Alter keine Lüge ist, verbreiteten sich die Behauptungen im Internet. Nachdem unzählige Trolle anfingen, Quaden und seine Mutter mit Nachrichten und Vorwürfen zu bombardieren, löschte Yarraka Bayles das Video im Internet.

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