US-Gefängnis San Quentin: Amerikas größter Todestrakt wird geschlossen

Der Todestrakt im Gefängnis San Quentin in Kalifornien. (Archivfoto)

Der Todestrakt im Gefängnis San Quentin in Kalifornien. (Archivfoto)

Sacramento. Im US-Staat Kalifornien soll der landesweit größte Todestrakt aufgelöst werden. Die verurteilten Insassen würden auf Anordnung von Gouverneur Gavin Newsom binnen zwei Jahren in andere Gefängnisse verlegt, sagte eine Sprecherin der Strafvollzugsbehörde, Vicky Waters, der Nachrichtenagentur AP. Ziel sei es, den Todestrakt im Staatsgefängnis San Quentin in eine „positive, heilsame Umgebung“ und in „etwas Innovatives“ zu verwandeln, das in der Rehabilitation verwurzelt sei.

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Newsom erklärte, die Maßnahme sei Ausdruck seines Widerstands gegen ein aus seiner Sicht zutiefst kaputtes System, „das mein Blut zum Kochen bringt“. Die Aussicht, im Todestrakt zu landen, habe mehr mit dem Reichtum und der Ethnie einer Person zu tun als mit deren Schuld oder Unschuld, sagte der Demokrat. „Wir reden über Gerechtigkeit, wir predigen Gerechtigkeit, aber als eine Nation praktizieren wir sie nicht in der Todeszelle.“

Das letzte Todesurteil in Kalifornien wurde 2006 vollstreckt. Er ist einer von 28 US-Staaten neben der Bundesregierung, die nach Angaben des Informationszentrums zu Todesstrafen noch Todestrakte haben. Vor drei Jahren rief Gouverneur Newsom ein Moratorium für Exekutionen aus und ließ die Hinrichtungskammer der Anstalt San Quentin nördlich von San Francisco schließen.

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Seine Regierung nutzte nun ein Schlupfloch in einem 2016 von den kalifornischen Wählern angenommenen Referendum, das eigentlich Exekutionen und entsprechende Strafverfahren beschleunigen soll. So findet sich in der Initiative eine Klausel, die die Verlegung von Insassen aus dem Todestrakt erlaubt.

Maßnahme stößt auch auf Kritik

Michael Rushford, ein Befürworter des Referendums und Präsident der Organisation Criminal Justice Legal Foundation, hielt der Regierung vor, insgeheim das Ziel zu verfolgen, „so viele dieser verurteilten Mörder wie möglich“ zu rehabilitieren. „Die verlegen verurteilte Mörder in Einrichtungen, die ihr Leben besser machen und ihnen mehr Annehmlichkeiten anbieten, während die Opfer noch immer den Tod ihrer Angehörigen betrauern.“ Er glaube nicht, dass Opfer glücklich über die Entscheidung der Regierung sein würden.

Bereits im Januar 2020 hatten Strafvollzugsbeamte in Kalifornien im Rahmen eines freiwilligen Pilotprogramms begonnen, 116 der 673 verurteilten männlichen Insassen in eines von sieben anderen Hochsicherheitsgefängnissen zu verlegen.

Vor zwei Jahren hatte der Staat Oregon in einem ähnlichen Schritt seine weitaus kleinere Gruppe von Häftlingen mit Todesurteil in andere Gefängnisse verlegt.

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RND/AP

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