Verhungerter Zweijähriger: Anklage fordert Bewährungsstrafe

Die Hand der angeklagten Jugendamtsmitarbeiter im Amtsgericht in Medebach.

Die Hand der angeklagten Jugendamtsmitarbeiter im Amtsgericht in Medebach.

Medebach. Im Prozess um einen verhungerten Jungen im sauerländischen Medebach hat die Staatsanwaltschaft eine Bewährngsstrafe für die angeklagte Mitarbeiterin des Jugendamtes gefordert. Der 29-Jährigen wird fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. „Die Angeklagte hat ihre Pflichten sträflich vernachlässigt“, sagte der Staatsanwalt am Donnerstag.

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Die Verteidigung forderte Freispruch. Seine Mandantin habe eine Unterernährung nicht zwingend erkennen müssen. Die Kinder zu entkleiden, habe nicht ernsthaft in Erwägung gezogen werden können. Es habe auch keinen Kontrollauftrag im rechtlichen Sinne gegeben.

Der kleine Anakin war vor drei Jahren aufgrund extremer Unterversorgung gestorben. Seine neun Monate alte Schwester konnte von Ärzten gerettet werden.

Drei Wochen bevor Ärzte die beiden Kinder zu Gesicht bekamen, war die Mitarbeiterin des Jugendamtes noch bei der Mutter von neun Kindern gewesen, offiziell wegen Auffälligkeiten des Ältesten in der Schule.

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Lage eskalierte im Februar 2014

Der Fall hat eine Vorgeschichte: Das Jugendamt Hochsauerlandkreis war vorgewarnt. Im Juni 2013 waren bei ihm Unterlagen der vorher für die Familie zuständigen Behörde aus dem Vogtlandkreis in Sachsen eingegangen. Die Mutter hatte sich vom oft aggressiven Vater getrennt und war mit den Kindern ins Sauerland gezogen. In dem Schreiben schilderten die Kollegen aus Sachsen die jahrelangen Probleme der Mutter und ihrer Kinder. Von Kindeswohlgefährdung und Unterernährung war die Rede.

Zunächst hatte sich eine Familienhebamme um die Familie gekümmert. Sie stellte fest, dass keine Gefährdung und keine Unterernährung vorliege. Dabei blieb es im Prinzip, regelmäßige Kontrollen gab es nicht mehr, auch nachdem im August 2013 die Jugendamtsmitarbeiterin die Betreuung übernommen hatte.

Im Februar 2014 eskalierte die Lage in der Familie. Die Mutter brachte ihren bis auf die Knochen abgemagerten Sohn mit einer Magen-Darm-Infektion in eine Klinik. Dort starb der Kleine einen Tag später. Das Mädchen konnten die Ärzte retten.

Auch die 39 Jahre alte Mutter stand schon in Medebach vor Gericht. Der Richter verwies die Sache aber vor einem Urteil an ein höheres Gericht, weil sich die Mutter einer vorsätzlichen Körperverletzung mit Todesfolge schuldig gemacht haben könnte. Damals sagte die Jugendamtsmitarbeiterin als Zeugin aus - und belastete sich selbst. Dieses Mal sind die Rollen vertauscht.

Vor den Plädoyers und der Urteilsverkündung hörte das Gericht noch zwei Zeugen. Eine Sozialarbeiterin als gesetzlicher Vertreter und die heutige Pflegemutter berichteten über die Entwicklung des Mädchens, nachdem es gerettet wurde. Die Sozialarbeiterin betonte, das Mädchen habe sich inzwischen erholt.

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Von dpa/RND/zys

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