Waldbrände: Kann so eine Katastrophe auch in Deutschland passieren? Und wenn ja, wo?

Ein Feuerwehrmann löscht einen Brand im Rochlitzer Bergwald in Sachsen.

Ein Feuerwehrmann löscht einen Brand im Rochlitzer Bergwald in Sachsen.

Hannover. Seit inzwischen zwei Wochen wüten die Flammen: In Griechenland, in der Türkei, in Italien und anderen Regionen Südeuropas kämpfen die Feuerwehrleute unermüdlich gegen die Waldbrände.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die aktuellsten Schreckenszahlen: Rund 90.000 Hektar Wald sind bisher in Griechenland verbrannt, rund 51.000 allein auf der Insel Euböa. In Italien bedrohen die Feuer aktuell den Touristenort Campomarino – Hunderte Anwohnerinnen und Anwohner sowie Touristinnen und Touristen mussten evakuiert werden. In den betroffenen Regionen sind zahlreiche Hilfstrupps aus dem Ausland im Einsatz.

Vergleichsweise ruhig ist es derweil hierzulande. Noch. Denn das Ausmaß der Waldbrandkatastrophe wirft unweigerlich die Frage auf: Könnte sich eine Waldbrandkatastrophe in dem Ausmaß auch in Deutschland ereignen?

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Wie hoch ist das Risiko von Waldbränden in Deutschland?

Fest steht: Ein Problem mit Waldbränden hat auch die Bundesrepublik durchaus – zumindest dann, wenn es über lange Zeit hinweg trocken ist. Und: Das Risiko hat sich erhöht.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) nennt auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland vor allem die anhaltende Dürre und den Borkenkäferbefall in zahlreichen Wäldern als zunehmendes Risiko für Waldbrände. „Da die Brandlast der abgestorbenen Bäume deutlich höher ist als vorher im grünen Zustand, geht von diesen Bäumen auch ein erhebliches Waldbrandrisiko aus”, so eine Sprecherin.

„Die Waldbesitzer räumen daher auch aus diesem Grund diese Waldteile. Der Deutsche Wetterdienst erstellt Waldbrandwarnkarten und gibt entsprechende Hinweise an die Öffentlichkeit. Auch die Landesforstverwaltungen informieren regelmäßig über die Waldbrandgefahrenlage.”

Das Umweltbundesamt sagt für die kommenden Jahre in Deutschland ebenfalls ein steigendes Waldbrandrisiko voraus. Dies liege im Wesentlichen an erhöhten Temperaturen und rückläufigen Niederschlägen in den Frühjahrs-, Sommer- und Herbstmonaten.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Was sind die Ursachen für Waldbrände in Deutschland?

Im Mittelmeerraum diskutieren Expertinnen und Experten noch über die Ursachen der verheerenden Brandkatastrophe. Der Feuerökologe Johann Goldammer sagte beispielsweise dem Deutschlandfunk, das Phänomen der Landflucht führe dazu, dass traditionelle Methoden des Landbaus aufgegeben würden, weil die jüngere Bevölkerung in die Städte emigriere. So könnten sich Brände ausbreiten, wo früher Ackerbau und Nutztierhaltung betrieben wurden.

Ursprung der Waldbrände hingegen dürften vor allem Fahrlässigkeiten oder sogar Brandstiftung sein – ebenso wie der globale Klimawandel.

In Deutschland ist die Situation ähnlich: Hier entstehen Waldbrände laut Landwirtschaftsministerium vor allem durch Fahrlässigkeiten, wie etwa weggeworfene Zigaretten oder unachtsames Grillen. Auch gingen von den Autobahnen und Bahnlinien Feuergefahren aus, so die Sprecherin. Abgestellte Autos könnten durch den noch heißen Katalysator Bodenfeuer auslösen. Häufig sei aber auch Brandstiftung die Ursache für einen Waldbrand.

Welche Regionen gehören zu den Risikogebieten?

Das Landwirtschaftsministerium nennt auf Anfrage vor allem das Bundesland Brandenburg als besonders gefährdetes Gebiet für Waldbrände. In den Dürresommern 2018 und 2019 war das besonders gut zu beobachten. Zahlreiche Brände frästen sich durch die brandenburgischen Wälder, die Situation im Osten war wochenlang Thema in den Nachrichten.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Das Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde resümierte in seinem Jahresbericht 2018: „Die von Mai bis November anhaltende Trockenheit führte in Brandenburg zu einer katastrophalen Waldbrandsaison.” Insgesamt 491 Brände mit einer Gesamtfläche von 1663,7 Hektar gab es allein in Brandenburg. Auch das Jahr 2019 gilt als „Waldbrandrekordjahr”. Hier wurden 416 Brände registriert mit einer Fläche von 1352,7 Hektar. Deutschlandweit gab es im Dürrejahr 2018 1708 Waldbrände – der höchste Wert seit 15 Jahren. Insgesamt führten die Waldbrände 2018 zu einem geschätzten Schaden von rund 2,67 Millionen Euro.

Aber nicht nur Brandenburg ist gefährdet. Im Juni dieses Jahres beispielsweise rief der Deutsche Wetterdienst auch für Teile Mecklenburg-Vorpommerns, Niedersachsens und Sachsen-Anhalts die Waldbrand-Warnstufen 4 oder 5 aus. Laut Umweltbundesamt sind Teile Nordostdeutschlands, das östliche Nordwestdeutschland und das Oberrheinische Tiefland häufiger von Waldbränden betroffen als andere Regionen Deutschlands.

Im Jahr 2020 gab es laut Zahlen des Umweltbundesamtes die meisten Waldbrände in den Bundesländern Brandenburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Dabei wurden, wie bereits in den Vorjahren, in Brandenburg vor allem aufgrund der sandigen Böden und den vorherrschenden Kiefernwäldern erneut die meisten Brände und die größte Brandfläche registriert.

Besonders jüngere und lichte Nadelwälder mit dichtem Unterwuchs und üppiger Bodenvegetation seien stark waldbrandgefährdet. Zudem spielten die Holzeigenschaften, wie beispielsweise das Vorhandensein von Harzen oder ätherischen Ölen, eine gewisse Rolle bei der Gefährdung.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Vergleichbar mit der Katastrophe in Südeuropa ist das zwar noch nicht. Aber wäre so ein Ausmaß auch hier möglich?

Wäre eine Brandkatastrophe auch in Deutschland möglich?

Das Landwirtschaftsministerium beschwichtigt: „Die Gefahr von Feuerkatastrophen schätzen Fachleuten deutlich geringer ein als im Mittelmeerraum, weil unsere Wälder besser zugänglich sind und die Feuerwehren diese dann noch kleineren Feuer gut bekämpfen können”, so die Sprecherin gegenüber dem RND.

Die Förderprogramme des Bundes förderten „direkt und auch indirekt” die Gefahrenabwehr von Feuer.

Welche Maßnahmen schützen vor Feuerkatastrophen?

Und tatsächlich: Es gibt hierzulande eine ganze Reihe an Maßnahmen, die derartige Katastrophen wie in Südeuropa zumindest eingrenzen sollen. Ein aktuelles Beispiel: In Blankenfelde in Brandenburg gaben die Behörden im Juli einen neuen Waldweg frei. Dieser soll in Zukunft auch von schweren Feuerwehrfahrzeugen befahren werden können, um möglichst schnell an Brandherde zu kommen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Das Landwirtschaftsministerium nennt zudem die sogenannten „Waldbrandstreifen” entlang von Wegen als Schutzmaßnahme. Das sind rund zwei Meter breite vegetationsfreie Streifen, die ein Bodenfeuer nicht überspringen kann. Diese Maßnahme komme ebenfalls in Brandenburg zum Einsatz. Auch finden sich in Brandenburg Feuerwachttürme, auf denen Kameras installiert sind, die Feuer automatisch erkennen können.

Die Feuerwehren hätten zudem Löschfahrzeuge, die für das Löschen von Waldbränden geeignet seien, erklärt die Sprecherin. Zudem gebe es eine Zusammenarbeit zwischen den Bundesländern, zu denen auch gemeinsame Übungen gehörten. „Wichtig ist, dass Feuer möglichst frühzeitig als solche erkannt und das Feuer an die Feuerleitstelle gemeldet wird, die die Koordination der Feuerbekämpfung übernimmt. Da Waldbesucher oft Smartphones dabei haben, funktioniert die Meldung von Waldbränden relativ gut.”

Damit auch in trockenen Jahre ausreichend Löschwasser zur Verfügung stehe, seien Feuerlöschteiche angelegt und gepflegt worden, heißt es vom Ministerium. Zudem stünden Helikopter zur Verfügung, die Wasser in Außenlastbehältern tragen können. Diskutiert wird auch über die Anschaffung von Löschflugzeugen, die Deutschland bisher nicht hat.

Wie kann man die Wälder auf die steigende Gefahr vorbereiten?

All diese Schutzmaßnahmen helfen aber vor allem dann, wenn es schon brennt. Um die Waldbrandgefahr auch vorsorglich zu reduzieren, müssten unsere Wälder für die Zukunft neu gedacht werden. Das Landwirtschaftsministerium erklärt auf RND-Anfrage: „Die Waldbauern können durch den Aufbau gemischter Wälder das flächige Aufkommen von Gras verhindern.”

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Im Klartext heißt das: Mit der steigenden Waldbrandgefahr bräuchte es in Zukunft deutlich mehr Mischwälder statt Monokulturen, wie sie heute noch häufig in deutschen Wäldern vorzufinden sind. Die schützen übrigens langfristig nicht nur besser vor Waldbränden – sie sind auch resistenter gegen andere Wetterextreme, wie etwa Stürme.

Mehr aus Panorama

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen