2020: ein Jahr, das nicht nur Schlechtes brachte

Joe Biden, gewählter Präsident der USA, spricht bei einer Pressekonferenz, während im Hintergrund Kamala Harris, gewählte Vize-Präsidentin der USA, auf einem Bildschirm zugeschaltet ist.

Joe Biden, gewählter Präsident der USA, spricht bei einer Pressekonferenz, während im Hintergrund Kamala Harris, gewählte Vize-Präsidentin der USA, auf einem Bildschirm zugeschaltet ist.

Am Ausgang eines Jahres wird Bilanz gezogen; das ist nahezu unvermeidlich. Dabei scheint es beim Blick zurück auf das Jahr 2020 keinen Zweifel geben zu können. Es sei doch wegen der Corona-Pandemie ein annus horribilis gewesen, wird es allenthalben heißen – ein schreckliches Jahr.

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Aus der Perspektive vieler Menschen stimmt dies fraglos. Manche haben durch Corona nahe Angehörige verloren und konnten deren Sterben nicht einmal beiwohnen. Das wird als untilgbarer Schrecken in Erinnerung bleiben. Andere haben ihre wirtschaftliche Existenz eingebüßt oder fürchten darum. Eine laute Minderheit Rücksichtsloser hat unterdessen das Leiden der Betroffenen zu oft überschattet.

Endlich: Trumps Ende

Gleichwohl gab es 2020 mindestens drei echte und sogar ziemlich große Hoffnungsschimmer: die Abwahl Donald Trumps als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, die Entwicklung von gleich mehreren Corona-Impfstoffen sowie der Umstand, dass es gelang, einen harten Brexit zu verhindern.

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Zum einen hätte das Gegenteil eine verheerende Wirkung gehabt. Dies gilt insbesondere für eine Wiederwahl Trumps. Sie hätte an Demokratiefreunde und -feinde das Signal ausgesandt, dass man sich selbst als moralisch bankrotter Volltrottel länger als vier Jahre im Weißen Haus halten kann. Der Schaden für die USA und den Rest der Welt wäre irreparabel gewesen.

Ein harter Brexit hätte inmitten der Corona-Krise zusätzliche ökonomische Schockwellen nach sich gezogen und überdies den Bestand des Vereinigten Königreiches gefährdet. Ohne Impfstoffe stünden wir schließlich ziemlich hoffnungslos da – auch wenn diese bisher bloß sehr spärlich ihren Weg zu uns finden.

Es ist aber nicht nur das Schlimmste verhütet worden. Vielmehr keimt darin die Zuversicht auf kollektive Lernprozesse und dauerhafte Trendwenden. Trumps Scheitern ist womöglich der Anfang vom Ende jener Rechtsdrift, die die westliche Welt seit Jahren in Atem hält. Dass der britische Premier Boris Johnson an Grenzen stößt und am selbst herbeigeführten Brexit noch länger zu kauen haben dürfte, beweist ebenfalls: Auf dem Nationalismus ruht kein Segen.

Der Wissenschaft folgen

Die absehbare Bewältigung der Corona-Krise hat derweil Potenzial weit über Corona hinaus. Zwar war neben der Pandemie nicht minder erschreckend, dass ein kleinerer Teil der Deutschen darauf mit Verschwörungstheorien und Egomanie reagierte. Der größere Teil hat jedoch erkannt, dass es dem Gemeinwesen nutzt, sich den Problemen zu stellen und dabei der Wissenschaft zu folgen. Dies lässt sich bei der Bewältigung der Klimakrise gewiss nutzbar machen – zumal auch sie lediglich global gelingen wird.

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Den Wert des Jahres 2020 werden Historiker erst rückblickend erkennen können – vor allem, ob das Gute nachhaltig war. Aber dass in diesem Jahr bei Weitem nicht alles schlecht gewesen ist, das kann man heute schon mit Sicherheit sagen.

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