Zahl steigt zu den Sommerferien

Arbeitslos trotz Fachkräftemangel: 7630 Lehrkräfte im Juni ohne Job

Jedes Jahr sind in den Sommerferien tausende Lehrkräfte arbeitslos (Symbolbild).

Jedes Jahr sind in den Sommerferien tausende Lehrkräfte arbeitslos (Symbolbild).

Berlin. 7630 Lehrkräfte waren der Bundesagentur für Arbeit zufolge im Juni arbeitslos. Das sind 555 mehr als noch im Mai und 437 mehr als im April. Zudem ist die Anzahl der Arbeitssuchenden zuletzt von rund 14.000 im März auf rund 20.000 im Juni kontinuierlich angestiegen.

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Die Zahlen sind angesichts der Sommerferien, die in einigen Bundesländern bereits begonnen haben, kaum überraschend. Schon seit Jahren verzeichnet die Arbeitsagentur eine vergleichsweise hohe Arbeitslosigkeit unter Lehrkräften in den Sommermonaten. „Regelmäßig mit Beginn der Sommerferien steigt der Arbeitslosenbestand stark an. Nach den Sommerferien kehrt er etwa auf den Ausgangsbestand vor den Sommerferien zurück, weil viele Lehrkräfte ihre Arbeitslosigkeit durch die Aufnahme einer Beschäftigung wieder beenden“, heißt es in einem Bericht der Arbeitsagentur über Arbeitslosigkeit von Lehrkräften.

Befristung trifft vor allem junge Lehrerinnen und Lehrer

Hintergrund ist, dass einige Arbeitsverträge angestellter Lehrkräfte mit dem Schuljahresende auslaufen und die Länder sie erst zum neuen Schuljahr wieder einstellen. Die Arbeitslosigkeit trifft also diejenigen mit befristeten Verträgen und damit auch häufig junge Lehrkräfte nach Abschluss des Referendariats. Auch das schreibt die Arbeitsagentur in ihrem Bericht.

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Aus Sicht des Präsidenten des Deutschen Lehrerverbands Heinz-Peter Meidinger besteht Handlungsbedarf. „Wir treten für eine Entfristung eines großen Teils dieser befristeten Arbeitsverträge ein und eine Umwandlung in verbeamtete Stellen“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Notfalls müsse man es in Kauf nehmen, dass dauerhaft angestellte Lehrkräfte anfänglich in einem begrenzten Umkreis mehrfach die Schule wechseln.

Heinz-Peter Meidinger ist Präsident des Deutschen Lehrerverbandes.

Heinz-Peter Meidinger ist Präsident des Deutschen Lehrerverbandes.

Ein Grund für die Vergabe befristeter Arbeitsverträge sei, dass nicht ausreichend Planstellen zur Verfügung stünden. „Als Deutscher Lehrerverband fordern wir eine Vertretungsreserve von 10 Prozent zusätzlich, um Unterrichtsausfall zu vermeiden. Auch diese Vertretungsreserve muss eine unbefristete Anstellung erhalten“, sagt Meidinger.

Lehrkräfte in Baden-Württemberg zuletzt besonders betroffen

Wie viele Lehrkräfte in diesem Jahr tatsächlich über die Sommerferien arbeitslos sein werden, wird sich erst in einigen Wochen zeigen. Denn noch haben nicht alle Bundesländer Ferien. Im Vorjahr waren der Arbeitsagentur zufolge vor allem Lehrkräfte in Baden-Württemberg, Hamburg, Bayern und Niedersachsen von der vorübergehenden Arbeitslosigkeit betroffen. In den genannten Bundesländern entfielen jeweils mehr als die Hälfte aller Arbeitslosenmeldungen von Lehrkräften zwischen Oktober 2020 und September 2021 auf die Sommerferien. In Baden-Württemberg waren es sogar 74 Prozent.

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Ähnliches deutet sich auch in diesem Jahr an. In Baden-Württemberg war die Anzahl der arbeitslosen Lehrerinnen und Lehrer im Juni zwar auf einem ähnlichen Niveau wie in den Vormonaten. Die Sommerferien beginnen dort allerdings auch erst Ende Juli. Die Anzahl der Arbeitssuchenden hat sich seit April jedoch mehr als verdoppelt und liegt nun bei 2352. Arbeitssuchend muss man sich spätestens drei Monate vor der drohenden Arbeitslosigkeit melden.

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