Nach Gefechten

Waffenruhe zwischen Armenien und Aserbaidschan hält an - mehr als 200 tote Soldaten

Ein im eskalierten Konflikt zwischen Aserbaidschan und Armenien zerstörtes Gebäude (Archivbild).

Ein im eskalierten Konflikt zwischen Aserbaidschan und Armenien zerstörtes Gebäude (Archivbild).

Eriwan. Eine Waffenruhe zwischen Armenien und Aserbaidschan nach Gefechten mit insgesamt mehr als 200 getöteten Soldaten beider Länder hat am Freitag zunächst den zweiten Tag in Folge gehalten. Das armenische Verteidigungsministerium erklärte, die Situation an der Grenze mit Aserbaidschan sei seit Inkrafttreten des Waffenstillstands am Mittwochabend ruhig geblieben. Berichte über Verletzungen der Waffenruhe, der zwei Tage schwerer Kämpfe vorausgingen, gab es nicht. Es handelte sich um den größten Ausbruch von Feindseligkeiten innerhalb von fast zwei Jahren.

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Armenien und Aserbaidschan machten einander gegenseitig für den Beschuss verantwortlich. Die armenischen Behörden warfen Baku eine unprovozierte Aggression vor. Vertreter Aserbaidschans sagten dagegen, ihr Land habe auf armenische Angriffe reagiert.

Armenien meldet 135 tote Soldaten

Der armenische Ministerpräsident Nikol Paschinjan sagte am Freitag im Parlament, mindestens 135 Soldaten seines Landes seien bei den Kämpfen getötet worden. Das aserbaidschanische Verteidigungsministerium sprach von 77 getöteten eigenen Soldaten.

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Edward Asrjan, Chef des Generalstabs der armenischen Streitkräfte, sagte bei einem Treffen mit ausländischen Botschaftern in der Hauptstadt Eriwan, das aserbaidschanische Militär sei nahe dem Kurort Jermuk im Süden des Landes 7,5 Kilometer weit in armenisches Territorium vorgedrungen. In der Nähe des Dorfes Nerkin Hand in der Provinz Sjunik und des Dorfes Schorja in der Provinz Gegharkunik seien die feindlichen Soldaten ein bis zwei Kilometer weit vorgedrungen. Die aserbaidschanischen Streitkräfte seien noch immer in diesen Gebieten, sagte er.

Konflikt dauert seit Jahrzehnten an

Der Konflikt zwischen Aserbaidschan und Armenien um Berg-Karabach dauert seit Jahrzehnten an. Die Region gehört völkerrechtlich zu Aserbaidschan, wird aber seit dem Ende eines Separatistenkriegs im Jahr 1994 von armenischen Kräften kontrolliert, die von der Regierung in Eriwan unterstützt werden.

Während eines sechswöchigen Krieges im Jahr 2020, in dem mehr als 6600 Menschen getötet wurden, eroberte Aserbaidschan weite Teile der Region und umliegende Gebiete zurück, die seit Jahrzehnten von den von Armenien unterstützten Separatisten kontrolliert worden waren. Der Krieg endete mit einem von Russland vermittelten Waffenstillstand.

Nancy Pelosi will nach Armenien reisen

Die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, teilte mit, sie wolle am Wochenende Armenien besuchen. Sie werde dort am Samstag mit einer Delegation hinreisen, sagte Pelosi am Freitag zu Reportern in Berlin. Dieser soll die Abgeordnete Jackie Speier angehören, die armenische Wurzeln hat.

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Armeniens Botschafter warnt vor erneuter Eskalation

Aserbaidschans Präsident Ilham Aliyev verteidigte in einer Rede bei einem Treffen von Staatschefs in Usbekistan, darunter Kremlchef Wladimir Putin, das Vorgehen. Zugleich bekräftigte er das Ziel eines Friedensvertrags mit dem Nachbarn Armenien - „ohne Vorbedingungen“.

Armeniens Botschafter in Deutschland, Viktor Yengibaryan, warnte vor einer neuerlichen Eskalation der Lage. „Wir haben Angaben, dass Aserbaidschan sich auf neue Aggressionen vorbereitet“, sagte Yengibaryan dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Durch die aktiven Einsätze unsere internationalen Partner gibt es jetzt einen Waffenstillstand, jedoch kann die Lage jede Sekunde eskalieren.“

RND/AP und dpa

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