Was kann der Schutzschild aus Israel?

Arrow 3: Wie Deutschland das Raketenabwehrsystem einsetzen will

Die vom israelischen Verteidigungsministerium herausgegebene Aufnahme zeigt den Start einer Rakete des Raketenabwehrsystems Arrow 3 (Archivbild).

Die vom israelischen Verteidigungsministerium herausgegebene Aufnahme zeigt den Start einer Rakete des Raketenabwehrsystems Arrow 3 (Archivbild).

Dass die Bundesregierung ein Raketen­abwehrsystem für Deutschland anschaffen will, ist bereits seit Monaten bekannt. Nun ist aber offenbar die Entscheidung für ein bestimmtes System gefallen: Arrow 3 aus Israel. Das berichtet das ARD-Hauptstadtstudio.

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Der Schutzschild soll eklatante Lücken in der Verteidigung Deutschlands, aber auch der Nato-Alliierten in Europa gegen Angriffe aus der Luft schließen. Gerade vor dem Hintergrund des russischen Kriegs in der Ukraine ist diese Notwendigkeit der Bundesregierung offenbar bewusst geworden. Auch mehr als sechs Monate nach dem Einmarsch der russischen Invasionstruppen geht tagtäglich ein Raketenhagel auf die Ukraine nieder.

Ein vom israelischen Verteidigungsministerium zur Verfügung gestelltes Foto zeigt eine Arrow-3-Abfangrakete, die von einem israelischen Militärstützpunkt an einem ungenannten Ort an der Mittelmeerküste startet. (Archivbild)

Ein vom israelischen Verteidigungsministerium zur Verfügung gestelltes Foto zeigt eine Arrow-3-Abfangrakete, die von einem israelischen Militärstützpunkt an einem ungenannten Ort an der Mittelmeerküste startet. (Archivbild)

Nun soll Arrow 3 für Deutschland angeschafft werden. Doch warum hat sich die Bundesregierung für diesen Schutzschild entschieden? Und was kann Arrow 3 überhaupt leisten? Ein Überblick.

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Was verspricht man sich von Arrow 3?

„Wir haben enorme Fähigkeitslücken bei der Abwehr von Mittelstrecken­raketen, und dafür bietet sich Arrow 3 sehr gut an“, sagte CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND) im April. Damals hatte es schon Medienberichte gegeben, dass Israel und die USA, die ebenfalls an der Entwicklung von Arrow 3 beteiligt waren, einem Verkauf an Deutschland grundsätzlich zustimmen.

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Nach einem Besuch in Israel Ende März zeigte sich auch die FDP-Verteidigungs­expertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann begeistert von Arrow 3. „Das System fängt Raketen in einer Höhe ab, in der Deutschland bisher nicht die Fähigkeit hat“, sagte die Vorsitzende des Verteidigungs­ausschusses im Bundestag damals dem RND. Sie unterstrich, dass ein Raketen­abwehrsystem nicht nur Deutschland nützen, sondern auch in die europäische Verteidigung und die der Nato-Partner eingebettet werden müsste – mit Arrow 3 sei das machbar. Der Schutzschild soll schon 2025 in Deutschland einsatzbereit sein.

Was kann das Raketen­abwehrsystem leisten?

In Israel ist Arrow 3 nur ein Teil eines ausgeklügelten Raketenschutzschirms, der aus insgesamt drei Systemen mit unterschiedlichen Aufgaben besteht. Gemeinhin bekannt ist der israelische Schutzschild unter dem Namen Iron Dome. Dabei übernimmt das erste, gleichnamige System vor allem die Abwehr von Kurzstreckenraketen und Mörsergranaten. Im Mai 2021 konnte der Iron Dome eindrucksvoll zur Schau stellen, wozu das System in der Lage ist: Damals feuerte die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas bis zu 200 Geschosse pro Stunde auf Israel ab. Hinzu kommen David’s Sling, das gegen ballistische Raketen mit einer Reichweite von bis zu 300 Kilometern sowie gegen Flugzeuge eingesetzt werden kann – und Arrow 3.

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Das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome wehrt im Mai 2021 aus dem nördlichen Gazastreifen abgefeuerte Raketen ab.

Das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome wehrt im Mai 2021 aus dem nördlichen Gazastreifen abgefeuerte Raketen ab.

Arrow 3 ist bereits die dritte Generation eines Raketen­abwehrsystems, das seit den 1980er-Jahren von den USA und Israel entwickelt wird. Seit 2017 ist die neueste Version in Israel einsatzbereit und kann deutliche Leistungs­steigerungen im Vergleich zu seinen Vorgängern vorweisen. Das System ist hochautomatisiert, erkennt Ziele frühzeitig, visiert sie an und feuert Abfangraketen ab. Israel will sich mit Arrow 3 vor allem vor Mittelstrecken­raketen schützen, wie sie etwa der Iran auf das Land abfeuern könnte.

Dabei soll Arrow 3 Ziele in einer Entfernung von bis zu 2400 Kilometern und 100 Kilometern Höhe treffen können – das System arbeitet also sogar in der Stratosphäre. Arrow 3 ist darauf ausgelegt, Ziele durch direkte Treffer auszuschalten. Sollte eine der Abwehrraketen dennoch ihr Ziel verfehlen, ist sie mit einem Näherungszünder ausgestattet, der bei nahen Vorbeiflügen auslöst und einen Splittersprengkopf explodieren lässt. Damit kann eine Arrow-3-Rakete bis zu 50 Meter entfernte Ziele effektiv bekämpfen.

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Um eine feindliche Rakete abzuwehren, wird von einem Radarsystem zunächst ein möglicher Treffpunkt berechnet. Nach dem Abschuss der Abwehrrakete kann diese mithilfe schwenkbarer Triebwerke jedoch ihre Richtung ändern, sodass auch gelenkte Geschosse getroffen werden können. Eine Rakete des Arrow-3-Systems soll bis zu neunfache Schallgeschwindigkeit erreichen können, schreibt der „Spiegel“ – ob das für die Abwehr russischer Hyperschallwaffen wie der Kinschal-Rakete ausreichen würde, ist nicht bekannt. Die Abschussbatterien von Arrow 3 können innerhalb von 30 Sekunden bis zu fünf Raketen abfeuern.

Wo ist Arrow 3 bereits im Einsatz?

Bisher ist Israel das einzige Land, das über das Raketen­abwehrsystem verfügt. In der Vergangenheit haben sich jedoch durchaus mehrere Länder um die Anschaffung von Arrow beworben. Darunter befanden sich Indien, die Türkei, das Vereinigte Königreich, Japan und Singapur. Stets jedoch scheiterte der Export aus Israel an politischen Gründen oder der Absage der USA. Deutschland wäre das erste Land, in das das Arrow-System exportiert werden darf.

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Welche Kosten würden auf Deutschland zukommen?

Laut einem Bericht der „Bild“ von Ende März kämen Kosten von rund 2 Milliarden Euro zustande, um das israelische System anzuschaffen. Angesichts der avisierten Einbindung in die europäische und die Nato-Verteidigung kamen jedoch bereits Zweifel an dieser Summe auf. Laut ersten Medienberichten will Deutschland auf dem Bundesgebiet drei Radarstationen aufbauen, die auch Polen, Rumänien und das Baltikum abdecken würden. Die Partnerstaaten müssten sich dann die Arrow-3-Raketen zulegen – Kostenpunkt: 3 Millionen Euro pro Stück. Hinzu kämen die nötigen Abschussbatterien.

„Das wäre nun wirklich ein Schnäppchen“, schreibt der Fachjournalist Thomas Wiegold in seinem Blog „Augen geradeaus!“. Deutschland habe zuletzt allein für 50 Abfangraketen des US-amerikanischen Patriot-Systems 400 Millionen US-Dollar ausgegeben – ohne Radar und Abschussvorrichtung. „Die 2 Milliarden für ein leistungsfähigeres System für ganz Deutschland klingen damit, äh, schon merkwürdig“, schreibt Wiegold. Selbst angesichts des Bundeswehr-Sondervermögens von 100 Milliarden Euro könnte die flächendeckende Anschaffung des Arrow-3-Systems also durchaus ein teures Unterfangen werden.

Wie könnte die Zukunft des Arrow-3-Systems aussehen?

Im Februar 2021 teilten die USA und Israel mit, bereits an der vierten Generation des Raketen­abwehrsystems zu arbeiten. Israel will damit seine noch im Einsatz befindlichen Arrow-2-Raketen austauschen.

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Arrow 4 soll nochmals deutlich an Leistung gewinnen – und eben eine mögliche Schwachstelle bei Angriffen mit Hyperschallwaffen abdecken. Diese fliegen nämlich nicht nur mit mehrfacher Schallgeschwindigkeit, sondern zudem auf schwer zu berechnenden schlingernden Kursen, um eine Verfolgung zu erschweren. Sollte die dritte Generation des Arrow-Systems also wie kolportiert im Jahr 2025 in Deutschland in den Einsatz gehen, wird die Bundesrepublik wohl noch immer Lücken in ihrer Raketenabwehr aufweisen.

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