BKA-Chef für härtere Strafen für rechtsextreme Feindeslisten

Neonazis in Hannover bei einer Demonstration gegen Journalisten, die kritisch über die rechte Szene berichtet haben. Die Demonstration der rechtsextremen NPD hatte einen bundesweiten Aufruf zu Gegendemonstrationen und dem Schutz der Pressefreiheit ausgelöst.

Neonazis in Hannover bei einer Demonstration gegen Journalisten, die kritisch über die rechte Szene berichtet haben. Die Demonstration der rechtsextremen NPD hatte einen bundesweiten Aufruf zu Gegendemonstrationen und dem Schutz der Pressefreiheit ausgelöst.

Berlin. Der Chef des Bundeskriminalamts, Holger Münch, fordert eine Strafverschärfung für die Veröffentlichung sogenannter Feindeslisten. "Wer Listen vermeintlicher "politischer Gegner" veröffentlicht – verbunden mit Drohungen wie "Wir kriegen Euch alle" – der tut dies mit dem Ziel, Menschen einzuschüchtern und Angst zu verbreiten", sagte Münch der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Wir glauben deshalb, dass das Verfassen solcher Listen nicht nur ein datenschutzrechtlicher Verstoß sein, sondern unter Strafe gestellt werden sollte."

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In den vergangenen Jahren tauchten immer wieder mutmaßlich von Rechtsextremisten verfasste Listen vermeintlicher politischer Gegner auf. So war bei einer Anti-Terror-Razzia in Mecklenburg-Vorpommern 2017 eine Liste mit etwa 25.000 Namen gefunden worden. Manche Listen kursieren im Internet. Berichte gab es unter anderem über eine Liste mit der Überschrift "Wir kriegen Euch alle".

Renner fordert entschlosseneres Vorgehen der Behörden

Die Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Parteivorsitzende der Linken, Martina Renner, glaubt nicht, dass Münchs Vorstoß das Problem lösen würde. "Wir brauchen kein neues Gesetz, sondern entschlosseneres Vorgehen der Behörden auf Grundlage der geltenden Gesetze", sagte sie der dpa. "Wenn Neonazis Feindeslisten anlegen und veröffentlichen, ist das nicht nur ein datenschutzrechtliches Problem. Diese Listen sollen bedrohen, nötigen und Angriffe vorbereiten."

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Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) sagte der dpa: "Häufig werden diese Listen mit massiven Drohungen verbunden. Einschüchterungsversuche jedweder Art dürfen wir nicht zulassen." Zu dem konkreten Vorschlag, schon die Veröffentlichung von Listen angeblicher Gegner strafbar zu machen, äußerte sich Lambrecht nicht direkt. Sie verwies aber auf ihre eigenen Vorschläge, die Regelungen zur Bedrohung im Strafgesetzbuch zu verschärfen.

"Künftig sollen nicht nur Drohungen mit einem Verbrechen wie etwa Mord erfasst werden, sondern beispielsweise auch Drohungen mit Körperverletzungen gegen die bedrohte Person und ihre Familie", erklärte sie. Zudem sollten bei Bedrohungen im Netz höhere Freiheitsstrafen möglich sein.

RND/dpa

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