BKA: Partnerschaftsgewalt gegen Frauen nimmt zu

Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamtes.

Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamtes.

Berlin. An jedem dritten Tag stirbt in Deutschland eine Frau durch Gewalt, die vom eigenen Partner oder Ex-Partner ausgeht. Das geht aus den Daten zur Partnerschaftsgewalt des Bundeskriminalamts (BKA) hervor, die BKA-Präsident Holger Münch gemeinsam mit der geschäftsführenden Bundesfamilienministerin Christine Lambrecht (SPD) am Dienstag in Berlin vorgestellt hat.

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Demnach ist die Zahl der Fälle von Partnerschaftsgewalt im vergangenen Jahr um 4,4 Prozent auf insgesamt 148.031 angezeigte Delikte gestiegen. 2019 lag die Zahl der Anzeigen von Gewalt innerhalb von Beziehungen laut BKA bei insgesamt 141.792. Insgesamt starben im vorigen Jahr 139 Frauen und 30 Männer durch die Hand des Partners. Ein Jahr zuvor waren es 117 Frauen und 32 Männer.

Hohe Dunkelziffer

Auch in der Gesamtzahl der Opfer überwiegen die Frauen mit großem Abstand. So erlebten im vergangenen Jahr laut Holger Münch insgesamt 119.164 Frauen Gewalt in der Beziehung. Am häufigsten komme es laut Holger Münch zum Straftatbestand der einfachen Körperverletzung. Dies sei in mehr als 60 Prozent aller angezeigten Delikte der Fall. Dem würden Nötigung, Bedrohung und Stalking folgen.

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Gleichzeitig sei davon auszugehen, dass die Zahl der nicht angezeigten Fälle sehr hoch sei, sagte Münch. Deshalb planen BKA, Frauenministerium und Innenministerium, eine gemeinsame Studie in Auftrag zu geben, die der Dunkelziffer nachgehen und realistischere Zahlen ergeben soll. Es gebe mehrere Gründe, die Frauen davon abhalten würden, eine Anzeige zu stellen oder sich an Beratungsstellen zu wenden: So sei Partnerschaftsgewalt noch immer ein Tabuthema in der Gesellschaft. Zudem bestehe oft eine finanzielle Abhängigkeit vom Täter sowie die Sorge, was mit gemeinsamen Kindern geschehe.

Lambrecht unterstrich, dass im Jahr 2020 statistisch jede Stunde durchschnittlich 13 Frauen Gewalt innerhalb der eigenen Beziehung erfuhren. „Wir müssen in der Gesellschaft mit dem Tabu brechen. Niemand muss sich Gewalt bieten lassen“, sagte Lambrecht. Es gebe viele Hilfsangebote.

Die Pandemie verschärft die Situation

Die Ursachen für Gewalt innerhalb einer Partnerschaft seien laut Holger Münch etwa eigene Gewalterfahrungen in der Jugend der Täter, ein veraltetes Rollenbild, aber auch Stress – welcher gerade in der Pandemie zugenommen habe.

Zwar seien während der beiden ersten Lockdowns nur leichte Anstiege von Gewalt innerhalb Partnerschaften erkennbar gewesen. Aber auch hier „ist die Dunkelziffer sehr hoch“, sagte BKA-Chef Münch, der von einer Zunahme der Fälle in den Lockdown-Phasen ausgeht: „Stress und Isolation begünstigen Gewalt.“ Als Beispiele nannte er Kurzarbeit oder Jobverlust durch die Pandemie.

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Allein das „Hilfetelefon Gewalt an Frauen“ habe während des ersten Lockdowns in insgesamt 51.400 Fällen beraten, sagte dessen Leiterin Petra Söchting: ein Anstieg um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch Plätze in Frauenhäusern zu bekommen sei während Corona erschwert – wegen Hygienekonzepten, Abstände, Kontaktbeschränkungen konnten weniger Betten angeboten werden.

Lambrecht verwies darauf, dass der Bund Neu- und Ausbau von Frauenhäusern jährlich mit 30 Millionen Euro fördere. Das Gewaltschutzgesetz ermögliche zudem ein Vorgehen gegen gewalttätige Männer. „Es muss nicht immer so sein“, so Lambrecht, „dass der Täter in der Wohnung bleibt und die Frau zusammen mit dem Kind ausziehen muss.“

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