Kommentar zu Boris Johnson

Ohne Einfluss, ohne Macht – ohne Würde

Der britische Premierminister Boris Johnson leitet eine Kabinettssitzung.

Der britische Premierminister Boris Johnson leitet eine Kabinettssitzung.

London. Boris Johnson überstand das Misstrauensvotum am Montagabend nur knapp. Und während der britische Premierminister noch verzweifelt versucht, dies als einen Sieg zu verkaufen, wird auch er wissen: Es steht nicht gut um ihn und seine politische Zukunft. Dabei handelte es sich bei dem Votum nicht um eine Revolte.

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Es war kein geplanter Putschversuch, sondern viel eher der Ausdruck eines zunehmenden Unwohlseins in den Reihen der Tories, geschürt von den Feierlichkeiten zu Ehren von Königin Elizabeth II., als der Premier vor der Weltöffentlichkeit ausgebuht wurde. Johnson hat nach und nach den Rückhalt in seiner eigenen Partei verloren. Es war ein langsamer Niedergang. Am Ende ist er nun das, was er nie sein wollte, ein Politiker im Amt, aber ohne Einfluss und Macht in der eigenen Partei, eine „lame duck“, eine lahme Ente.

Boris Johnson muss sich Misstrauensvotum stellen

Die Partygate-Affäre könnte nun doch ernsthafte Konsequenzen für Premierminister Boris Johnson haben.

Dass es so weit kommen konnte, hat er sich selbst zuzuschreiben. Johnson wurde 2019 von den Tories strategisch eingesetzt, um den Brexit durchzuboxen. Damals verhalf ihm seine skrupellose Art zum Sieg; wirklich vertraut hat man ihm in der konservativen Partei jedoch nicht. Schließlich galt er damals schon als Einzelkämpfer, der zwar charismatisch ist, es mit der Moral jedoch nicht so genau nimmt. Johnson hat im Verlauf seiner Amtszeit nicht nur keine Verbündeten gefunden, es ist ihm auch nie gelungen, sein schlechtes Image zu ändern. Im Gegenteil, er hat es durch die Skandale um Partys während des Lockdowns in der Downing Street 10 in Stein gemeißelt, unwiderruflich.

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Weil Johnson ist, wie er ist, wird er auch nach dieser politischen Schlappe immer noch nicht freiwillig seinen Hut nehmen, ganz gleich, wie viele Parteikolleginnen und ‑kollegen ihm dazu raten. Dabei scheint er nicht zu verstehen, dass es etwas Wichtigeres gibt als sein politisches Überleben: die Glaubwürdigkeit der Regierung und der Demokratie zum Beispiel. Der 57-Jährige hat sich in seinem Amt festgebissen, obwohl er damit sich selbst und seiner Partei schadet. Auch wenn er aktuell noch Premierminister ist, seine Würde hat er schon längst verloren.

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