Mehrere Abgeordnete entzogen Vertrauen

Nach sechs Wochen im Amt: Britische Premierministerin Liz Truss tritt zurück

Liz Truss, Premierministerin von Großbritannien, verlässt ihren Amtssitz in 10 Downing Street in London.

Liz Truss, Premierministerin von Großbritannien, verlässt ihren Amtssitz in 10 Downing Street in London.

London. Die britische Premierministerin Liz Truss hat nach nur sechs Wochen im Amt ihren Rücktritt verkündet. Das teilte Truss in einem kurzen Pressestatement am Donnerstagnachmittag vor dem Amtssitz in 10 Downing Street in London mit.

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Sie sei in einer Zeit großer ökonomischer und internationaler Instabilität Premierministerin geworden, erklärte Truss. „Ich wurde von der Konservativen Partei zur Premierministerin gewählt, um das zu ändern.“ Man habe eine Vision von einer Wirtschaft mit niedrigen Steuern und großem Wachstum vorgelegt, die die Vorteile der „Freiheiten“ nach dem Brexit nutzen wollte.

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„Ich erkenne aber, dass ich angesichts der Situation das Mandat nicht erfüllen kann, für das ich gewählt wurde“, erklärte Truss weiter. Deshalb habe sie mit König Charles III. gesprochen, um ihm mitzuteilen, dass sie als Vorsitzende der Konservativen Partei zurücktrete. Nach ihrem Treffen am Donnerstag mit dem Vorsitzenden des 1922-Komitees, Graham Brady, sei man übereingekommen, dass in der kommenden Woche ein neuer Vorsitzender gewählt werden solle. „Ich werde Premierministerin bleiben, bis ein Nachfolger gewählt wurde.“

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Kürzeste Amtszeit in der Geschichte Großbritanniens

Mehrere Abgeordnete hatten am Donnerstag Truss öffentlich das Vertrauen entzogen, nachdem tags zuvor die Innenministerin Suella Braverman zurückgetreten war und sich bei einer Abstimmung im Parlament chaotische Szenen abgespielt hatten. Die 47-jährige Nachfolgerin des skandalgeplagten Ex-Premier Boris Johnson war enorm unter Druck geraten, nachdem ihre Wirtschaftspolitik binnen weniger Tage ein beispielloses Chaos an den Finanzmärkten angerichtet hatte. Truss musste eine politische 180-Grad-Wende hinlegen.

Rund 24 Stunden vor ihrem Rücktritt hatte sie noch im britischen Unterhaus beteuert, nicht aufgeben zu wollen und „eine Kämpferin“ zu sein. Nun wies sie zwar auf die schwierigen ökonomischen Zeiten und die politische Instabilität auf dem ganzen Kontinent hin, räumte aber auch ein, unter den aktuellen Bedingungen ihre Vision des radikalen Wirtschaftswachstums nicht mehr umsetzen zu können.

Mit ihrem Rücktritt hatte Liz Truss die kürzeste Amtszeit eines Regierungschefs in der britischen Geschichte. Bisher hielt der konservative Premierminister George Canning diesen Rekord, der nach nur 119 Tagen im Amt 1827 verstarb.

RND/sic/dpa

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