Jetzt muss ein Plan her

Corona-Inzidenz unter 1000: Kommt jetzt die Kontaktnachverfolgung zurück?

Das Gesundheitsamt Vorpommern-Rügen wird die Corona-Infizierten ab sofort nicht per anrufen, sondern per SMS informieren.

Sollen Gesundheitsämter in Zukunft wieder flächendeckend Kontakte nachverfolgen (Symbolbild).

Den Gesundheitsämtern in Deutschland werden immer weniger Corona-Fälle gemeldet. Zuletzt ist die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Neuinfektionen auf etwa 700 gesunken. Damit liegt sie in einem Bereich, in dem die Gesundheitsämter vor wenigen Monaten noch die Kontakte von Infizierten verfolgen konnten. Während der hohen Inzidenzen setzte die Politik auf Eigenverantwortung. Infizierte müssen also ihre Kontaktpersonen selbst informieren.

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„Aus epidemiologischer Sicht bleibt die Kontaktnachverfolgung wichtig, um Corona-Ausbrüche einzudämmen“, stellte aber der Epidemiologe Hajo Zeeb vom Bremer Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie klar. Der Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Johannes Nießen, setzt dagegen weiter auf Eigenverantwortung. „Nach unseren bisherigen Erfahrungen funktioniert dies gut“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

„Neben der Möglichkeit einer ansteckenderen Virusvariante gilt es weiterhin, die vulnerablen Personengruppen durch Nachverfolgung zu schützen.“

Johannes Nießen,

Vorsitzender des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes

Ob es weiter bei der Eigenverantwortung bleibe, hänge zum einen von den weiteren Erfahrungen ab, so Nießen. „Zum anderen besteht die Gefahr einer pathogeneren Virusvariante, die möglicherweise auch wieder eine Kontaktnachverfolgung erforderlich machen könnte.“ Vor einer neuen Corona-Variante, die möglicherweise häufiger tödlich verläuft, hatte unter anderem Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) mehrfach gewarnt.

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Sorge: Schwere der Variante sollte über Kontaktnachverfolgung bestimmen

Der gesundheitspolitische Sprecher der Union, Tino Sorge, hält den Anspruch, jede einzelne Infektionskette zurückzuverfolgen, für nicht mehr zeitgemäß. „Für die Zukunft sollte primär anhand der Schwere einer Variante entschieden werden, ob die Kontaktnachverfolgung wieder eingeführt werden soll“, sagte der CDU-Politiker dem RND. Bei einer milden Variante wie Omikron sei eine flächendeckende Kontaktnachverfolgung nicht nötig.

Amtsärzte-Chef Nießen nannte noch einen weiteren Anlass für eine intensivere Kontaktverfolgung. „Neben der Möglichkeit einer ansteckenderen Virusvariante gilt es weiterhin, die vulnerablen Personengruppen durch Nachverfolgung zu schützen.“ Auch Sorge plädierte dafür, die Kontaktnachverfolgung auf besonders gefährdete Bereiche zu konzentrieren, wie Kliniken, Pflegheime und Unternehmen der kritischen Infrastruktur. Epidemiologe Zeeb hält dies für sinnvoll und erklärte: „Gesundheitsämter müssen zumindest Infektionsketten bei Ausbrüchen innerhalb von Kliniken und Pflegeeinrichtungen nachverfolgen.“

Man müsse sich aber fragen, wie sinnvolle Konsequenzen in Bereichen außerhalb des Gesundheitswesens aussehen, wo es keine Quarantäne mehr gibt. „Ich halte verpflichtende Tests für sinnvoll“, sagte Zeeb. „Die Gesundheitsämter sollten, sobald es wieder möglich ist, Kontakte nachverfolgen und PCR-Tests anordnen.“ So würden sich Infektionen aufdecken und Infektionsketten durchbrechen lassen.

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Zeeb erklärte: „Es wäre falsch, jetzt das Personal und die materiellen Ressourcen der Gesundheitsämter zu reduzieren.“ Nur weil die Inzidenzen sinken und die Gesundheitsämter nicht mehr am Limit arbeiten würden, sei die Pandemie nicht vorbei. „Die Gesundheitsämter sollten jetzt die kurze Atempause nutzen und sich besser für den Herbst und eine mögliche neue Corona-Welle aufstellen“, so der Experte. Auch CDU-Gesundheitspolitiker Sorge forderte, für den Fall einer neuen und besonders gefährlichen Variante sollten die Gesundheitsämter Strukturen vorhalten, um eine Kontaktnachverfolgung wieder einzuführen. „Generell sollte dann verstärkt auf digitale Lösungen gesetzt werden, um die Gesundheitsämter zu entlasten.“

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