Deutliche Ansage an EU

„Das ist nicht unser Krieg“: Ungarns Botschafter verteidigt Ukraine-Kurs seines Landes

Der Diplomat Péter Györkös ist seit 2015 ungarischer Botschafter in Deutschland, er gilt als enger Vertrauter von Regierungschef Viktor Orbán

Der Diplomat Péter Györkös ist seit 2015 ungarischer Botschafter in Deutschland, er gilt als enger Vertrauter von Regierungschef Viktor Orbán

Der ungarische Botschafter in Deutschland, Péter Györkös, hat die Haltung seines Landes zu Russland und dem Krieg in der Ukraine verteidigt. In einem Interview mit der Zeitung die „Welt“ sagte Györkös: „Wir werden seit 2014 verdächtigt, nicht im europäischen Team zu spielen – ich kann Ihnen sagen, dass wir fest in der EU und Nato verankert waren und es auch heute sind.“

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+++ Alle Entwicklungen zum Krieg in der Ukraine im Liveblog +++

Allerdings werde Ungarn alles tun, um einen direkten Krieg mit Russland auf ungarischem Territorium zu vermeiden: „Die Russen sind im Krieg gnadenlos und zerstörerisch. Das ist schrecklich, aber das ist nicht unser Krieg.“ Anders als Polen oder die Baltischen Staaten komme Ungarn zu einer anderen Einschätzung der Situation: „Wir gehen nicht davon aus, dass Russland uns angreifen wird.“ Niemand solle Ungarn zu seinem Verhältnis zu Russland belehren.

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Zu dem Streit um das Energieembargo gegen Russland, sagte der Botschafter, dass Ungarn alle bisherigen Sanktionen mittrage, allerdings mehr Zeit und Geld brauche, um sich von Russland abzukoppeln: „Geografisch ist Ungarn nun mal dort, wo es ist, und wir sind abhängiger von russischen Rohstoffen als andere.“ Grundsätzlich dürften die Sanktionen Ungarn und der EU nicht mehr schaden als dem Aggressor, erklärte Györkös. Radikale Sanktionen seien mit Ungarn deswegen nicht zu haben.

Der Vorschlag der EU-Kommissionspräsidentin sei mit Ungarn und weiteren EU-Staaten nicht abgestimmt gewesen, das sei inakzeptabel, so der Botschafter. „Ich bleibe dabei, dass die Vorschläge der Kommission dem Konsens der Staats- und Regierungschefs widersprachen.“

Botschafter: „Wir sind verpflichtet, diese Menschen zu schützen“

Kritisiert wird Ungarn auch dafür, Waffenlieferungen an die Ukraine über sein Territorium zu verhindern. Der Botschafter sagte im Interview: Russland habe früh klargemacht, dass Waffenlieferungen legitime militärische Ziele seien. „Auf der ukrainischen Seite der Grenze lebt eine ungarische Minderheit. Die Regierung ist laut Verfassung dazu verpflichtet, diese Menschen zu schützen.“ Würden Waffentransporte dort angegriffen werden, wären diese Menschen in Gefahr, „das können wir nicht zulassen – so einfach ist das“.

Gleichzeitig betonte der Botschafter den Umfang, in dem Ungarn die Ukraine bereits unterstütze: „Wir helfen der Ukraine, wir helfen den Menschen, die fliehen und Leid erfahren.“ Das Land habe viele Geflüchtete aufgenommen, liefere medizinische Güter und Lebensmittel bis in den Osten der Ukraine. Zudem biete Ungarn an, für die Ukraine als Tor zum Weltmarkt zu fungieren: „Ein Teil der Getreideernte könnte so exportiert werden“, so Györkös.

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Ungarn setze sich für die Freiheit, territoriale Integrität und Souveränität der Ukraine ein, so der Botschafter. Gleichzeitig betonte er: „Ich denke, ein Ende des Krieges kann nur über Verhandlungen herbeigeführt werden.“

RND/ao

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