Das Virus lässt die USA nicht los

Der Kampf geht weiter: In Providence (Rhode Island) entnimmt die medizinische Angestellte Maya Goode eine Abstrichprobe für einen Corona-Test. In vielen Bundesstaaten, vor allem in Neuengland und entlang der Großen Seen, sind die Inzidenzen in den letzten Tagen wieder sprunghaft gestiegen.

Der Kampf geht weiter: In Providence (Rhode Island) entnimmt die medizinische Angestellte Maya Goode eine Abstrichprobe für einen Corona-Test. In vielen Bundesstaaten, vor allem in Neuengland und entlang der Großen Seen, sind die Inzidenzen in den letzten Tagen wieder sprunghaft gestiegen.

Liebe Leserinnen und Leser,

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noch vor wenigen Wochen blickten viele Amerikaner kopfschüttelnd nach Deutschland: Wie kann es sein, fragten sie, dass in diesem doch eigentlich recht gut regierten europäischen Land plötzlich wieder die Corona-Inzidenzen so heillos hochschießen?

Heute weiß man: Die Amerikaner sind gut beraten, sich um ihre eigenen Angelegenheiten zu kümmern. In den vergangenen 14 Tagen hat sich die Zahl der Neuinfektionen in manchen US-Bundesstaaten glatt verdoppelt.

Willkommen zur neuen Ausgabe von „What‘s up, America?“.

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Weihnachten hatten sich viele ganz anders vorgestellt, auf beiden Seiten des Atlantiks. Eigentlich sollte Corona schon keine große Rolle mehr spielen. Doch jetzt kehrt das Virus zurück, mit Macht.

Die Nationalgarde hilft den Kliniken

Amerikanische Experten finden vor allem drei Punkte besorgniserregend.

- Die Impfkampagne der USA – mit großem Tempo („warp speed“) gestartet, weltweit bewundert und hoch gelobt – hat unterm Strich zu einem bescheidenen Ergebnis geführt. Nur 60,4 Prozent der Amerikaner (Deutschland: 69,0) haben den sogenannten vollständigen Schutz durch zwei Impfungen.

- Weil viele Impfungen in den USA schon etwas länger zurückliegen, wäre ein Booster jetzt umso wichtiger. Doch auch hier sind die Amerikaner hinter die Deutschen zurückgefallen. In den USA sind 16,2 Prozent geboostert, in Deutschland 23,6 Prozent.

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- Überraschend schnell klettern derzeit die Zahlen von Krankenhauseinweisungen, im Südstaat Missouri zum Beispiel um 43 Prozent in den letzten 14 Tagen. In Indiana, New Hampshire, Maine sowie im Staat New York wurde die Nationalgarde gebeten, in Kliniken und Pflegeheimen Verstärkung zu organisieren. Irritierend hoch sind in einigen dieser Staaten die Impfquoten. In Maine zum Beispiel sind 73 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft.

Und jetzt: die Pandemie der Geimpften

Im Juli hatte Rochelle Walensky, Direktorin des staatlichen Centers for Disease Control, von einer „Pandemie der Ungeimpften“ gesprochen. Präsident Joe Biden hatte den Begriff aufgegriffen und ihn sich immer wieder zunutze gemacht.

Noch im Juli sprach sie von einer „Pandemie der Ungeimpften“ – inzwischen ist das Bild komplizierter geworden: Rochelle Walensky, Chefin des nationalen Centers for Disease Control in Atlanta, Georgia.

Noch im Juli sprach sie von einer „Pandemie der Ungeimpften“ – inzwischen ist das Bild komplizierter geworden: Rochelle Walensky, Chefin des nationalen Centers for Disease Control in Atlanta, Georgia.

In diesen Tagen indessen schreibt die Journalistin Rachel Gutman im Magazin „The Atlantic“, die „Pandemie der Geimpften“ habe soeben begonnen. Ungeimpfte Amerikaner würden zwar in den kommenden Monaten „sicherlich den höchsten Preis zahlen“. Aber die Risiken schienen inzwischen für alle gewachsen zu sein, nicht zuletzt für die rund 150 Millionen zweifach Geimpften ohne Booster.

All diese Verschiebungen seien bereits durch die Delta-Variante bewirkt worden, betont Gutman. Was aber geschieht, wenn demnächst Delta durch Omikron verdrängt wird – und eine stark ansteckende Variante damit einer noch viel stärker ansteckenden Platz macht? Die Virologen wissen: Auch wenn Impfdurchbrüche extrem selten sind, könnten sie durch eine ebenfalls extrem hohe absolute Zahl von Infizierten am Ende doch sehr zahlreich werden.

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„Ein solches Szenario wäre gefährlich“, glaubt Gutman. Schnell könne man in eine Situation geraten, in der Millionen von Menschen ein Krankenhausbett benötigen, „alle zur gleichen Zeit“.

Tränen auf dem Weg in den Feierabend

In Michigan gerieten die Notaufnahmen schon an ihre Kapazitätsgrenzen. Dort sterben derzeit vor allem die Ungeimpften. Wie es dort zugeht im „Emergency Room“ und in den „ICUs“ (intensive care units), schildert der Notarzt Rob Davidson in einem beklemmenden Gastbeitrag in der „New York Times“. Ein junger Corona-Kranker, ungeimpft, den man sedieren und intubieren musste, verabschiedete sich von seinem Kind mit den Worten: „Ich glaube nicht, dass ich dich wiedersehen werde.“ Kurze Zeit später war er tatsächlich tot – was er „mit einem kostenlosen, sicheren und wirksamen Impfstoff hätte vermeiden können“.

Krankenpflegerin Jodie Ford verlegt Stromkabel auf den Flur, um Überwachungsgeräte für eine überfüllte Intensivstation anzuschließen. Das Foto entstand bereits im Sommer am Willis-Knighton Medical Center in Shreveport, Louisiana.

Krankenpflegerin Jodie Ford verlegt Stromkabel auf den Flur, um Überwachungsgeräte für eine überfüllte Intensivstation anzuschließen. Das Foto entstand bereits im Sommer am Willis-Knighton Medical Center in Shreveport, Louisiana.

„Ich bin wütend auf die Fox-News-Prominenten und die republikanischen Politiker, die den Wert von Impfungen infrage stellen.“ Dr. Davidson beschreibt auch die leisen, aber mitunter tödlichen indirekten Folgen der Misere: „Patienten, die eigentlich operiert werden müssten, können nicht verlegt werden, da fast jedes Krankenhaus im Umkreis von zwei Autostunden ebenfalls knapp oder ausgelastet ist.“

Hilflos lässt Davidson seine Leser zurück, nachdem er notiert: „Eine der besten Notfallkrankenschwestern, mit der ich je zusammengearbeitet habe, sagte mir, dass sie nach jeder Schicht auf ihrer Fahrt in den Feierabend weint.“

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<b>POPPING UP: </b>Fox News kämpft an der Seite Putins

Ganz Amerika, so meint man, tadelt den russischen Militäraufmarsch an der Grenze zur Ukraine. Ganz Amerika? Nein. Ein einzelner, aber für das rechte politische Lager bedeutsamer Fernsehsender, Fox News, hält zu den Russen.

Es sei doch alles ganz logisch, meint Fox-Moderator Tucker Carlson: „Präsident Wladimir Putin will einfach nur Sicherheit für sein Land.“ Man dürfe Russland nicht übel nehmen, dass es mit Sorge die Möglichkeit eines Nato-Beitritts der Ukraine betrachte. „Was würden wir wohl sagen, wenn etwa Mexiko einem Bündnis mit China beitreten würde?“

„Exzellente Analyse“: Tucker Carlson, politischer Kommentator des rechten Senders Fox News.

„Exzellente Analyse“: Tucker Carlson, politischer Kommentator des rechten Senders Fox News.

In Putins Staatsfernsehen wurden, wie CNN berichtet, die Passagen dieser Tage ausführlich dem russischen Publikum vorgeführt: Endlich sagt es mal einer. Offenbar hatte auch Putin selbst sich über Fox gefreut: Die Deutungen und Erklärungen des US-Senders fielen gewagter aus als die übliche russische Staatspropaganda.

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Mehrere kremltreue Fachleute rühmten im russischen Fernsehen die Worte Carlsons prompt als „exzellente Analyse“. Zum Schluss des Beitrags durfte eine seufzende Reminiszenz an Donald Trump nicht fehlen. Putins Fernsehleute lassen ihn noch mal mit dem schönen Satz auf den Schirm „Wäre es nicht toll, wenn wir endlich mal mit Russland klar kämen?“.

Möglicherweise haben diese jüngsten prorussischen Anwandlungen den langjährigen Fox-Moderator Chris Wallace dazu gebracht, den Sender zu verlassen. Der 74-Jährige teilte am Ende seiner wöchentlichen Sendung „Fox News Sunday“ mit, er wechsele zu CNN: „Ich möchte etwas Neues ausprobieren.“

 

<b>FACTS AND FIGURES: </b>USA zählen 800.000 Corona-Tote

Mit Blick auf das Ende des zweiten Pandemiejahres haben die amerikanischen Gesundheitsbehörden einige bedrückende Zahlen veröffentlicht.

- Derzeit sterben jeden Tag mehr als 1200 Menschen in den USA an Corona. Zum Vergleich: Der in den Medien weltweit beachtete ungewöhnliche Tornado in Kentucky kostete 74 Menschenleben.

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- In Kürze wird die Gesamtzahl der Corona-Toten in den USA auf 800.000 steigen.

- Drei Viertel der Corona-Toten waren 65 oder älter. Einer von 100 älteren Amerikanern ist seit Ausbruch der Pandemie an Corona gestorben.

- Bei den Älteren ist Corona jetzt die dritthäufigste Todesursache, nach Herzerkrankungen und Krebs. Corona hat damit Diabetes und Unfälle auf hintere Plätze verschoben.

 

<b>DEEP DIVE: </b>„normale“ Tornados plus wegbrechendes Eis

Russland? China? Die wahre Bedrohung der USA, das haben mehrere Wissenschaftler diese Woche wieder betont, kommt von der Wetterfront. Tornados zum Beispiel, die soeben in Kentucky gewütet und 64 Tote hinterlassen haben, müssten im Rahmen des Klimawandels bereits zur „neuen Normalität“ gerechnet werden. Auch wenn die exakten Abläufe noch erforscht würden, sei bereits klar, dass zu warme Luftmassen im Dezember ideale Bedingungen für das Phänomen geschaffen hätten, sagt der US-Meteorologe Viktor Gensini.

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Deanne Criswell, Chefin der FEMA (Federal Emergency Management Agency; deutsch: Bundesagentur für Katastrophenschutz), sagte, dies sei nun mal „die Krise unserer Generation“. Ihre Behörde könne nichts anderes tun, als zu versuchen, die Auswirkungen so gut es geht abzumildern.

Risse im Eis: Unter dem Thwaites-Gletscher in der Antarktis wächst in Rekordzeit ein riesiger Hohlraum.

Risse im Eis: Unter dem Thwaites-Gletscher in der Antarktis wächst in Rekordzeit ein riesiger Hohlraum.

Noch deprimierender sind die jüngsten Nachrichten, die aus der Antarktis kommen. Wissenschaftler haben eine Reihe besorgniserregender Schwachstellen im Schelfeis entdeckt, das derzeit noch den Thwaites-Gletscher zurückhält, eine Eismasse von der Größe Floridas.

Thwaites wurde hier und das schon als „Doomsday-Gletscher“ beschrieben: Sein Zusammenbruch könnte, auch wenn er sich nicht über Nacht ereignet, den Meeresspiegel um mehrere Meter ansteigen lassen – und damit ins Leben von Millionen von Menschen weltweit eingreifen. „Die Dinge entwickeln sich hier sehr schnell“, warnt Ted Scambos, Glaziologe an der University of Colorado, Boulder und Leiter der International Thwaites Glacier Collaboration.

 

<b>WAY OF LIFE:</b> Cookies erlauben? Klar – ist ja Weihnachten!

Kekse selber backen: Das ist ein schöner Brauch, der auch in durchwachsenen Zeiten die Stimmung heben kann. Doch was für ein Keks soll es eigentlich sein? Welcher Stil liegt im Trend?

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Wie in allen Fragen des Lebens gilt auch hier: Das Internet hilft. Nach nur ein, zwei Stündchen Googelei ist man auf sehr viel höherem Niveau verwirrt als vorher.

Google Trends stellte jetzt eine Übersicht zu Suchanfragen aus den USA zusammen, die vom 29. November bis zum 6. Dezember 2021 aufs Thema Kekse zielten. Es entstand eine ziemlich bunte Landschaft.

In den gelb markierten US-Bundesstaaten ging es den Usern darum, bestimmte Inhaltsstoffe wegzulassen: Wie kriegt man einen „low carb cookie“ hin, ohne Mehl (und Gluten), ohne tierisches Fett, vielleicht gar ohne Zucker? Putzigerweise kamen Anfragen dieser Art vor allem aus einem nördlich gelegenen Gebiet zwischen Washington State ganz oben im Nordwesten und Wisconsin.

Glutenfrei? Keto? Oder in Snoopy-Form? Die Landschaft der Suchanfragen zu Weihnachtskeksen in den USA ist bunt.

Glutenfrei? Keto? Oder in Snoopy-Form? Die Landschaft der Suchanfragen zu Weihnachtskeksen in den USA ist bunt.

In den Neuengland-Staaten im Nordosten dominieren indessen die – blau markierten – Anfragen zu Rezepten aus ganz bestimmten Gegenden, Italien vorneweg. In den grauen Staaten wiederum dreht sich alles ums Technische: Wie verbindet man Eiscreme und Kekse? Welche Art Fett nimmt man wohl für „Oooey Gooey Butterplätzchen“? Und wie kriegt man Fudge hin, diese unverschämt unvernünftige halbweiche Süßigkeit aus Unmengen an Zucker, Sirup, Sahne, Trockenobst und Butter?

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Über allem freilich schwebt die bekannte Grundsatzfrage: Wollen Sie Cookies erlauben? Aber hier zumindest ist die Antwort klar: Wann, wenn nicht zu Weihnachten?

Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben frohe Festtage. Der nächste USA-Newsletter erscheint wie immer in 14 Tagen.

Stay cool – and stay sharp!

Ihr Matthias Koch

 

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