Die ganz große Chance des Martin Schulz

Hier beklatschen (v.l.) Katarina Barley, Ralf Stegner, Anke Rehlinger, Sigmar Gabriel, Heiko Maas und Olaf Scholz den 100-Prozent-Mann.

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Berlin. Die SPD erweckt den Eindruck, als habe sie zu 100 Prozent den Glauben an sich selbst wiedergefunden. Verantwortlich dafür ist der Martin aus Würselen. Man glaubt es kaum. Vorwärts – zurück in die 70-er Jahre. Die SPD bejubelt den politisch gemeuchelten Kurt Beck, sie rührt Sigmar Gabriel zu Tränen und sie glaubt wieder an die verrücktesten Sachen. Dazu gehören die Hoffnung auf das baldige Ende der Merkel-Raute und die Wiederbelebung des Begriffs der Gerechtigkeit. „Martin Schulz – geiler geht’s nicht“, lautet das schärfste Argument der Jusos. Die SPD glaubt wieder an den Zauber in der eigenen Bude und an Wunder. 100 Prozent sind ein magisches Ergebnis. Und das ganz ohne programmatische Rede. Es sind verrückte Zeiten.

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Schulz ist der Mann seiner Partei von heute. Die SPD hat die Chance, mit dem Aufsteiger aus Würselen an altes SPD-Denken wieder anzuknüpfen und sich als wirkliche Alternative für Deutschland anzubieten. Die AfD klein zu machen, ist ein politisch sinnvoller Versuch und viel effektiver, als sie groß zu reden.

Schulz wirkt neben der seit zwölf Jahren amtierenden deutschen Regierungschefin neu und unverbraucht. Das muss man nicht verstehen, aber es funktioniert. Er spricht die Sprache des Volkes. Er hat sich nicht im Bett der Großen Koalition wund gelegen. Die Genossen genießen es, mit ihm wieder ernst genommen zu werden. Wer gedacht hat, der Schulz-Effekt kommt und geht und Merkel bleibt ganz einfach wie sie ist, der dürfte falsch liegen. Man weiß zwar auch nach seiner Wahl zum selig machenden Hoffnungsträger noch immer nicht so ganz genau, worin Schulz’ Geheimnis liegt. Aber vielleicht genügt es ja, dass die Kanzlerin sich wird neu erfinden müssen. Schulz ist im Grunde wie sie in ihren besten Tagen, nur nicht so vertraut und damit reizlos.

Von Dieter Wonka

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