„Digitales Kaffeesatzlesen“ bei Corona-Zahlen: Ärztepräsident kritisiert schlechte Datenerhebung – Vorbild Großbritannien?

Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer und Facharzt für Allgemeinmedizin, kritisiert die Datenlage zu Corona-Infektionen.

Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer und Facharzt für Allgemeinmedizin, kritisiert die Datenlage zu Corona-Infektionen.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, hat die Datenlage zu Corona-Infektionen in Deutschland kritisiert. „Gerade mit Blick auf die Verbreitung von Omikron brauchen wir mehr aussagekräftige wissenschaftliche Daten“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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Reinhardt zufolge könne Großbritannien bei der Datenerhebung als Vorbild gelten. Der Ärztepräsident erklärte: „Andere Länder wie zum Beispiel Großbritannien sind hier schon viel weiter und erheben in regelmäßigen Abständen repräsentative Stichproben, die Rückschlüsse auf die Verbreitung bestimmter Virusmutanten in der Bevölkerung oder in bestimmten Bevölkerungsgruppen beziehungsweise Regionen ermöglichen“.

Der Präsident der Bundesärztekammer forderte die neue Bundesregierung auf, sich „dieser unerledigter Hausaufgaben“ anzunehmen. „Es ist Zeit, das digitale Kaffeesatzlesen zu beenden“, sagte er dem RND.

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Bremen hat mehr Personal eingesetzt

Positiv hob der Reinhardt die Datenerhebung in Bremen hervor. „Das Land Bremen hat vorgemacht, wie es geht und die Zahl der Mitarbeitenden in den Gesundheitsämtern zwischen den Jahren deutlich erhöht“. Bremen habe zum Beispiel durch personelle Unterstützung aus anderen Ressorts und eigens angeforderten Bundeswehrsoldaten auch zwischen den Jahren mehr Personal einsetzen können.

Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Dienstag für Bremen eine Sieben-Tage-Inzidenz von 516,4 – der höchste Wert aller Bundesländer. Dabei hat das Bundesland mit 83,2 Prozent die höchste Impfquote deutschlandweit. Bremens Gesundheitssenatorin, Claudia Bernhard, erklärte die hohe Inzidenz damit, dass die zum Jahreswechsel gemeldeten Daten aus Bremen vollständiger seien als aus anderen Ländern.

„Wir haben hier in Bremen keine Bugwelle noch ausstehender Corona-Meldungen“, sagte sie. Hinzu komme, dass sich die Omikron-Variante auch in Bremen schnell ausbreite, so Bernhard. „Wir gehen davon aus, dass die Omikron-Variante in Bremen bereits in dieser Woche vorherrschend ist“.

Omikron in ersten Bundesländern dominierende Variante

Omikron breitet sich inzwischen in ganz Deutschland weiter aus. In ersten Bundesländern ist sie bereits die dominierende Variante. Der Epidemiologe Hajo Zeeb vom Bremer Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie sagte im Gespräch mit dem RND: „Es wird für viele Leute Standard werden, dass sie sich noch mit Omikron infizieren, ganz überwiegend bei geringen gesundheitlichen Problemen.“

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„Es wird noch mal eine ganz deutliche Welle geben“

Zeeb geht davon aus, dass es bald in Deutschland eine ähnliche Situation wie in Südafrika gibt. „Auch in Deutschland wird es bald sehr viele Menschen geben, die Kontakt mit Corona hatten.“ Es werde dabei auch immer mehr Menschen geben, die sowohl geimpft, als auch genesen seien. Bislang scheine es so, dass diese Situation die Immunität noch einmal besonders anheben könnte.

Einen schnellen Übergang von einer Epidemie in eine Endemie erwartet der Experte nicht. „Die endemische Situation ist eine mittelfristige Aussicht. Im Moment sind wir noch in einer epidemischen Situation, es wird noch mal eine ganz deutliche Welle geben“, sagte er dem RND. Erst dann komme man hoffentlich in die endemische Lage.

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