Drohnen über Erdgasquellen

Spioniert Russland in Norwegen? Angst vor Bedrohung für Norwegens Infrastruktur

Eine Drohne macht Bilder von Bothfelder und Walsroder Straße für den geplanten Breitbandausbau.

Eine Drohne.

Stavanger. Norwegische Öl- und Gasarbeiter sehen normalerweise selten Bedrohlicheres als die Wellen der Nordsee, die gegen die stählernen Beine ihrer Offshore-Plattformen branden. Doch neuerdings gibt es andere beunruhigende Sichtungen: Drohnen unbekannter Herkunft, die über ihnen am Himmel fliegen.

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Angesichts dessen, dass Norwegen Russland als wichtigste Quelle für Erdgas ersetzt hat, vermuten Militärexperten, dass Moskau hinter den unbemannten Fluggeräten steckt. Als mögliche Motive nennen sie Spionage, Sabotage und Einschüchterung.

Steckt Russland hinter den Drohnen?

Die norwegische Regierung lässt Kriegsschiffe, Boote der Küstenwache und Kampfjets rund um die Offshore-Anlagen patrouillieren. Die Nationalgarde hat Soldaten um Raffinerien an Land stationiert, die ebenfalls von Drohnen umschwirrt wurden.

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Scholz: Russland bei Gaslieferung kein verlässlicher Partner mehr

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Ministerpräsident Jonas Gahr Støre hat die Marine bei den Nato-Verbündeten Großbritannien, Frankreich und Deutschland dazu eingeladen, sich mit um das zu kümmern, was sich als mehr als ein rein norwegisches Problem erweisen könnte.

Die 5,4 Millionen Einwohner verbrauchen nur einen kleinen Teil des wertvollen Offshore-Öls, das dem skandinavischen Land ein so erkleckliches Einkommen beschert. Dafür ist ein großer Teil Europas darauf angewiesen. Das Erdgas ist ein weiterer Rohstoff von kontinentaler Bedeutung.

„Der Wert von norwegischem Gas für Europa war niemals höher“, sagte Ståle Ulriksen, Forscher an der Königlichen Norwegischen Marineakademie. Als strategisches Sabotageziel seien norwegische Gas-Pipelines wahrscheinlich „das wertvollste Ziel in Europa.“

Flughafenschließungen, Evakuierungen bei einer Ölraffinerie und an einem Gas-Terminal aufgrund von Drohnensichtungen verursachten zuletzt massive Störungen. Angesichts des nahenden Winters in Europa besteht die Sorge, dass die Drohnen eine größere Bedrohung für die 9000 Kilometer an Gaspipelines darstellen könnten, die von den norwegischen Meeresplattformen zu Terminals in Großbritannien und auf dem europäischen Festland verlaufen.

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Norwegen ersetzt Russland als Gasexporteur

Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine Ende Februar bemühen sich EU-Staaten darum, ihre russischen Gasimporte durch Lieferungen vor allem aus Norwegen zu ersetzen. Die mutmaßliche Sabotage an den Ostsee-Pipelines Nord Stream 1 und 2 im September, die durch Explosionen schwer beschädigt wurden, ereignete sich unmittelbar vor der Eröffnung einer neuen Ostsee-Pipeline von Norwegen nach Polen.

Kretschmer gegen langfristigen Verzicht auf russisches Gas

Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat sich für eine Wiederaufnahme russischer Gaslieferungen nach dem Krieg ausgesprochen.

Amund Revheim von der norwegischen Polizei sagte, sein Team habe mehr als 70 Offshore-Arbeiter befragt, die Drohnen in der Nähe ihrer Arbeitsplätze gesehen hätten. „Die Arbeitsthese ist, dass sie von Schiffen oder U-Booten in der Nähe gesteuert werden“, sagte Revheim.

Die norwegische Polizei arbeitet eng mit Militärermittlern zusammen, die den Schiffsverkehr auf dem Meer analysieren. Einige Plattformbetreiber haben Sichtungen von russisch beflaggten Forschungsschiffen in großer Nähe gemeldet. Ein Muster im Bereich des legalen Schiffsverkehrs sei nicht festgestellt worden, sagte Revheim. Er möchte den Arbeitern zudem keine unnötigen Sorgen bereiten.

Spionageschiffe steuern Drohnen

Ulriksen von der Marineakademie sagte dagegen, die Unterscheidung zwischen russischen Zivil- und Militärschiffen sei nicht ganz einfach - und die gemeldeten Forschungsschiffe könnten durchaus als „Spionageschiffe“ beschrieben werden.

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Auch die Festnahmen von mindestens sieben russischen Staatsangehörigen, die entweder Drohnen auf norwegischem Hoheitsgebiet mitführten oder betrieben, haben Fragen aufgeworfen. Am Mittwoch, als nach der Sichtung mindestens einer Drohne der Flughafen der zweitgrößten Stadt Bergen vorübergehend geschlossen wurde, übernahm der Inlandsnachrichtendienst PST die Ermittlungen von der Polizei.

Dies sei passiert, weil es „unser Job“ sei, bei Spionage zu ermitteln und Sanktionsregeln gegen Russland durchzusetzen, sagte Martin Bernsen vom PST. Die „Sabotage oder mögliche Kartografierung“ von Energie-Infrastruktur sei eine anhaltende Sorge.

Hybrider Krieg gegen den Westen

Regierungschef Støre warnte, Norwegen könnte Maßnahmen gegen ausländische Geheimdienste ergreifen. Es sei nicht akzeptabel, dass ausländische Geheimdienste mit Drohnen norwegische Flughäfen überflögen. „Russen dürfen in Norwegen keine Drohnen fliegen“, sagte er. Die russische Botschaft in Oslo feuerte am Donnerstag verbal zurück und erklärte, Norwegen durchlebe eine Form der „Psychose“, die „Paranoia“ verursache.

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Forscher Ulriksen hält das für einen Teil des Plans. Mehrere der Drohnen seien mit eingeschaltetem Licht geflogen. „Sie sollen beobachtet werden. Ich denke, es ist ein Versuch, Norwegen und den Westen einzuschüchtern.“

Die allgemeine Sorge ist, dass die Drohnen Teil einer hybriden Strategie sind, sowohl einzuschüchtern als auch Informationen über wichtige Infrastruktur zu gewinnen, die später zum Ziel von Sabotageakten werden könnte. „Ich glaube nicht, dass wir auf dem Weg in einen konventionellen Krieg mit Russland sind“, sagte Ulriksen. „Aber ein hybrider Krieg... Ich denke, dass wir uns darin bereits befinden.“

RND/AP

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