Dann floh der russische Außenminister

Wie sich der G20-Gipfel um Sergej Lawrow herumwindet

Russlands Außenminister Sergej Lawrow beim G20-Treffen in Bali.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow beim G20-Treffen in Bali.

Berlin. Ein freundliches Foto gibt es mit dem schwierigen Gast: Die indonesische Außenministerin Retno Marsudi ist Gastgeberin des G20-Treffens auf Bali. Ein Amtskollege nach dem anderen kommt auf dem roten Teppich an. Auch Sergej Lawrow aus Russland ist angereist. Ein Händeschütteln, ein Lächeln.

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Auch wenn es kein Gruppenfoto gab: Ein Foto mit der Gastgeberin des G20-Gipfels, Indonesiens Außenministerin, durfte Lawrow machen.

Auch wenn es kein Gruppenfoto gab: Ein Foto mit der Gastgeberin des G20-Gipfels, Indonesiens Außenministerin, durfte Lawrow machen.

„Wann beenden Sie den Krieg?“, ruft ein deutscher Journalist. „Warum beenden Sie nicht den Krieg?“, fragt ein weiterer. Genug gelächelt. Marsudi weist Lawrow den Weg nach rechts. Der Gipfel soll beginnen.

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Die Außenminister von 20 Industrie- und Schwellenländern sind zusammengekommen. Um Gesundheit, Digitalisierung und nachhaltige Energieversorgung soll es eigentlich gehen. Aber Russland hat die Ukraine angegriffen, der Krieg hat sich auf die Tagesordnung gedrängt. Schon im Vorfeld hieß es im deutschen und im US-Außenministerium, Russland solle auf Bali keine Bühne bekommen. Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock wie auch ihr US-Kollege Antony Blinken lassen wissen, dass es für sie keine bilateralen Treffen mit Lawrow geben werde, das übliche wichtige Beiwerk der Gipfel.

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Um leere Plätze bei Tisch zu vermeiden, ersetzt die indonesische Regierung das übliche Abendessen vor dem Gipfel durch einen Stehempfang. Es gibt keines der üblichen „Familienfotos“ mit allen Ministern – möglicherweise hätten sich einige geweigert, mit Lawrow Normalität zu demonstrieren. Auch auf eine Abschlusserklärung wird verzichtet.

Aber zu politischen Gesprächen kommt man am Freitag dennoch an einem Tisch zusammen. Lawrow wird zwischen seinen Kollegen aus Mexiko und Saudi-Arabien platziert. Gastgeberin Marsudi mahnt zu Beginn: „Unsere Verantwortung ist es, den Krieg so schnell wie möglich zu beenden.“ Sie spricht von der Notwendigkeit, Brücken zu bauen.

Viele Brücken allerdings sind erst mal nicht zu sehen.

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Lawrow hält seine Rede, dann steht er auf und geht. Drinnen antwortet ihm Baerbock als Vorsitzende der G7-Außenminister. Deutliche Worte, „dass wir den Bruch des internationalen Völkerrechts nicht akzeptieren“, hat sie angekündigt. Lawrow hört sie nicht mehr.

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Im Mittelpunkt des Treffens sollen der Krieg in der Ukraine und die weltweite Nahrungsmittelkrise stehen. Russlands Außenminister Sergej Lawrow reist jedoch ab.

Vor der Tür erzählt er seine Variante der Geschichte: Der Westen dränge der Ukraine seine Waffen auf und wolle offenbar deren Sieg. Es gebe also wohl nichts zu besprechen. Aber eines scheint doch bei ihm angekommen zu sein: „Alle haben uns aufgerufen, diese Operation zu beenden“, sagt Lawrow auch.

Alle fordern Kriegsende

Und diese Einigkeit schildert auch Baerbock nach der Sitzung: „Der Appell aller 19 Staaten war sehr deutlich: Dieser Krieg muss ein Ende haben“, sagt sie. Das klingt wuchtig, aber es gibt eine Einschränkung: Die Mehrheit der Staaten sehe Russland in der Verantwortung für die Beendigung des Kriegs. Auch China, Indien und Südafrika, die sich bei der UN-Abstimmung über die Verurteilung des russischen Angriffs enthalten haben, gehören zu den G20.

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Das stellte die deutsche Außenministerin während ihrer Teilnahme am G20-Gipfel auf Bali fest.

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Zur zweiten Gipfelrunde, in dem über Ernährungssicherheit gesprochen wird, kommt Lawrow nicht mehr. Alle Staaten außer Russland hätten deutlich gemacht, dass man gemeinsam verhindern wolle, dass die Welt durch Krieg, Klimawandel und Hunger „in ein globales Chaos rutscht“, sagt Baerbock. Sie spricht von den G19 – es ist eine neue Erzählung, von einer Gruppe, die zusammensteht, ganz ohne Russland.

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