Kommentar nach erstem Schröder-Interview

Gerhard Schröders Welt: Ach, der arme Putin

Eine scharf kritisierte Verbindung: Gerhard Schröder (SPD, l), umarmt Wladimir Putin nach dem WM-Eröffnungsspiel im Jahr 2018.

Eine scharf kritisierte Verbindung: Gerhard Schröder (SPD, links) umarmt Wladimir Putin nach dem WM-Eröffnungs­spiel im Jahr 2018.

Berlin. Man kann nicht behaupten, dass Gerhard Schröder keine klaren Prioritäten setzt. Ein Krieg, den sein Arbeit­geber auslöst, reicht jedenfalls nicht aus dafür, dass der Altkanzler seinen Job kündigt.

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Tausende Tote, Berichte über Massaker, Hundert­tausende Geflüchtete, zerstörte Städte – was soll’s. Sein Chef, in diesem Fall der russische Präsident und oberste Kriegs­herr Wladimir Putin, würde den Krieg ja gerne beenden, sagt Schröder. Aber das sei halt nicht so leicht. Es seien da noch „einige Punkte, die geklärt werden müssen“. Ach, der arme Putin – kann einfach nicht aufhören, auf andere einzudreschen.

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Club der Unverstandenen

Eigentlich, so hört sich Schröder an, ist der Mann im Kreml das wahre Opfer. Ein Mann aus dem Club der Unverstandenen – dem fühlt sich Schröder ja ebenfalls zugehörig, seit Angela Merkel es gewagt hat, gegen ihn eine Bundestags­wahl zu gewinnen und er die Welt­rettung als Lobbyist russischer Gasunternehmen fort­setzen musste.

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Die Position zu Russland war zu ahnen nach den Wochen und Monaten, in denen Schröder sich geweigert hat, sich von Putin zu distanzieren. Jetzt hat er seine Weltsicht in einem New-York-Times-Interview in Worte gepackt. Der Zusatz, er halte den Krieg für falsch, wirkt seltsam lau, insbesondere bei einem der einst so stolz war auf das Attribut als Basta­kanzler.

Schröder hat auch das ausgesprochen, auf das viele schon so lange von ihm warten. Er werde zurücktreten, kündigte er an – dass er damit seine Lobbyjobs meint, lässt sich nur vermuten. Allerdings sei dieser Punkt erst erreicht, wenn Russland den Gasexport an Deutschland und die EU stoppt. Das ist für den Altkanzler also der Maßstab für äußerste Empörung.

Vermutlich sieht er sich als Hüter der deutschen Energie­versorgung und findet, dass das Land ihm eigentlich auf Knien danken müsste für seinen Einsatz. Wie sehr man sich doch täuschen kann.

SPD-Chefin Saskia Esken hat Schröder statt dessen den Parteiaustritt nahe gelegt. Recht hat sie. Schröder hat die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatstadt Hannover niedergelegt und die Mitgliedschaft beim Fußballverein Hannover 96 – und ist damit Entzug und Rauschmiss zuvorgekommen. Bei der SPD sollte er es genauso halten. Putin wird schon nichts dagegen haben.

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