Erleichterung und Schadenfreude

„Johnson hat jeglichen Respekt der Bevölkerung verloren“

Nach dem Rücktritt von Boris Johnson zeigen Demonstranten, was sie fühlen.

Nach dem Rücktritt von Boris Johnson zeigen Demonstranten, was sie fühlen.

Boris Johnson hat dem Druck seiner Partei nachgegeben: Am Donnerstag hat der britische Premierminister seinen Rücktritt erklärt, jedoch nur als Tory-Parteichef. „Ich werde so lange bleiben, bis ein neuer Premierminister gewählt ist“, sagte Johnson bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz in London. Zuvor waren mehrere Minister und Dutzende Regierungsmitarbeiter zurückgetreten.

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„Es gibt viel Erleichterung in der Bevölkerung über den Rücktritt“, beobachtet Alexander Clarkson vom Londoner King’s College. „Gerade unter denen, die Johnson schon immer gehasst haben“, fügte der Experte im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) hinzu. „Viele sehen seinen Rücktritt mit Schadenfreude.“ In der Bevölkerung habe Johnson schon vor Monaten „jeglichen Respekt verloren“, sagte Clarkson. Er sei immer als Comicfigur gesehen worden, der aber durch sein Charisma viele Menschen von sich überzeugen konnte.

Innerhalb der englischen Rechten sei jedoch die Sorge groß, ob Johnson wirklich weggeht. Immerhin kündigte Johnson an, Premierminister bleiben zu wollen, bis in drei Monaten ein Nachfolger feststeht. Das sei viel Zeit, um Chaos zu stiften und seinen Nachfolger zu sabotieren, fürchtet Clarkson und warnt: „Wir dürfen nicht unterschätzen, dass er vielleicht unter Wahnvorstellung zurück ins Amt kommen will.“

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Anzeichen dafür sehen Experten in der Rücktrittserklärung von Johnson, in der er die Schuld auf die Partei schiebt. Sie habe Panik bekommen und würde nun dem Herdentrieb folgen. „Ob es das Ende von Johnson als britischer Politiker ist, müssen wir bezweifeln“, so Clarkson, denn Johnson könne die Partei im Hintergrund weiter sabotieren.

Boris Johnson tritt als Parteichef zurück

Großbritanniens Premier Johnson tritt als Chef seiner Konservativen Partei zurück. Er wolle aber als Regierungschef weitermachen, bis ein Nachfolger gewählt sei.

Johnson hat unter seinen Anhängern einen Kultstatus erlangt, gibt Clarkson zu bedenken. „Es gibt Menschen in der englischen Rechten, die enttäuscht sein werden von seinem Nachfolger und den Kompromissen, die er bei der Krisenbekämpfung eingehen wird.“ Johnson hatte jedoch nicht nur mit hausgemachten Skandalen zu kämpfen. Kritikerinnen und Kritiker werfen ihm auch vor, die Krisen nicht entschlossen zu bekämpfen. „Die Inflation ist in Großbritannien schlimmer als in Deutschland angestiegen und Johnson hat kaum Maßnahmen dagegen getroffen“, erläutert Clarkson. Sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin wird mehrere Krisen stemmen müssen. Das Gesundheitssystem ist schon seit Monaten am Rande des Zusammenbruchs und die Wirtschaft steuert durch eine der schwersten Krisen der vergangenen Jahrzehnte.

Politologe Roland Sturm von der Universität Erlangen-Nürnberg bestätigt, dass Johnson laut Umfragen schon lange der Rückhalt in der Bevölkerung fehle. „Er ist nur so lange mit seinen Verfehlungen durchgekommen, weil die Partei darauf gesetzt hat, mit ihm Wahlen zu gewinnen“, sagte er im RND-Interview. Die letzten Nachwahlen hätten aber schon gezeigt, dass Johnson als Zugpferd ausgedient hat. „Die Skandale sind inzwischen für die meisten Briten dermaßen abstoßend, dass selbst konservative Parteimitglieder sich abwenden.“

Wer Johnson nachfolgt, ist völlig offen. Als aussichtsreicher Kandidat wird Verteidigungsminister Ben Wallace gehandelt. Er hat das größte Vertrauen über alle Parteien hinweg. Doch ob er den Job des Premierministers annehmen würde, ist fraglich. „Als ehemaliger Gardeoffizier ist das Amt des Verteidigungsministers sein Traumjob“, erklärt Clarkson. Zudem hatte er sich immer für den Verbleib Großbritanniens in der EU eingesetzt, was ihm seine Partei noch heute anlastet. Mit Rishi Sunak, Liz Truss und Penny Mordaunt gibt es aber noch weitere Favoriten.

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