Starb er für Kopfgeld?

Kolumbianischer FARC-Guerillero „Márquez“ offenbar tot

Luciano Marin, alias „Ivan Marquez“, langjähriger Chef der Farc-Guerilla, ist vermutlich tot.

Frankfurt a.M., Bogotá. Der Guerillero und Verhandler des kolumbianischen Friedensabkommens von 2016, „Iván Márquez“, ist vermutlich tot. Die Behörden versuchten, den Tod des Rebellen, der mit bürgerlichem Namen Luciano Marín Arango heißt, im Nachbarland Venezuela zu bestätigen, berichteten lokale Medien am Sonntag (Ortszeit).

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Ging es um Kopfgeld?

Laut Geheimdienstinformationen wurde der 67-Jährige womöglich wegen des hohen Kopfgeldes oder aufgrund von Auseinandersetzungen innerhalb seiner Rebellengruppe „Segunda Marquetalia“ oder mit anderen bewaffneten Gruppen getötet, wie der Radiosender „Caracol“ berichtete.

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Márquez war jahrelang einer der Anführer der Farc-Guerilla, die nach dem Friedensabschluss mit der Regierung 2016 die Waffen abgab und zu einer Partei wurde. Er war maßgeblich an den Verhandlungen beteiligt, kehrte aber 2019 wie weitere Weggenossen aus Enttäuschung über den schleppenden Friedensprozess wieder zu den Waffen zurück.

Santrich, der eigentlich Seuxis Hernandez-Solarte heißt, wurde 2021 getötet.

Santrich, der eigentlich Seuxis Hernandez-Solarte heißt, wurde 2021 getötet.

Die USA setzten daraufhin jeweils zehn Millionen US-Dollar Kopfgeld auf ihn und den ebenfalls am Friedensvertrag beteiligten und erneut untergetauchten „Jesus Santrich“ aus. Santrich, der eigentlich Seuxis Hernandez-Solarte heißt, wurde im vergangenen Jahr getötet.

Sollte sich Márquez‘ Tod bestätigen, wäre er bereits der vierte frühere Farc-Anführer, der nach dem Friedensvertrag in die Illegalität zurückkehrte und in den vergangenen Monaten getötet wurde.

Der letzte Kommandant der Farc-Guerrilla, Rodrigo Londoño, alias „Timochenko“, sagte der spanischen Zeitung „El País“, er gehe davon aus, dass Márquez tot sei.

Es handle sich um das gleich Muster wie bei den anderen dreien. Timochenko hatte Márquez Anfang der 80er Jahre für die Guerilla gewonnen, blieb jedoch dem Friedensvertrag treu und entschuldigte sich mehrfach öffentlich für die Verbrechen der Farc.

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Bürgerkrieg seit 1960

In Kolumbien tobt seit den 1960er Jahren ein blutiger Bürgerkrieg zwischen Rebellen, paramilitärischen Gruppen und der Regierung, der aufgrund von Ungleichheit und Landkonflikten begann. Auch nach der Entwaffnung der größten Guerilla, der Farc, und der stärksten paramilitärischen Organisation (AUC) kommt das Land nicht zur Ruhe.

Vor allem indigene Anführer und Anführerinnen, Aktivisten für Menschen- und Minderheitenrechte und Vertreter von Bauernorganisationen werden getötet. Laut dem Friedensforschungsinstitut Indepaz waren es in diesem Jahr bereits 89. Zudem wurden seit Januar 21 frühere Farc-Kämpfer getötet.

Insgesamt starben seit Beginn des Bürgerkrieges mehr als 300.000 Menschen. Etwa sieben Millionen Kolumbianerinnen und Kolumbianer wurden vertrieben.

RND/epd

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