Minister rücken von Plan ab

Regierung schärft nach: Gasheizungen ab 2024 nun doch nicht verboten

Bauministerin Klara Geywitz (l., SPD) und Umweltminister Robert Habeck (Grüne).

Bauministerin Klara Geywitz (l., SPD) und Umweltminister Robert Habeck (Grüne).

Hannover. Die Bundesregierung ist von ihren Plänen abgerückt, Gasheizungen ab 2024 komplett zu verbieten – offenbar als Reaktion auf Kritik von Bauexperten. Das geht aus einem Konzeptpapier hervor, das das Wirtschaftsministerium von Robert Habeck (Grüne) mit dem Bauministerium von Klara Geywitz (SPD) veröffentlicht hat und über das mehrere Medien berichten. Der Vorschlag muss allerdings noch in Gesetzesform gebracht werden.

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Der Grund für das Umlenken: In schlecht gedämmten Häusern könne es dem Bericht zufolge passieren, dass eine für die Umsetzung der ursprünglichen Pläne notwendige Wärmpumpe bei kalten Außentemperaturen sehr viel Strom verbrauche. Darüber hinaus stehen offenbar nicht genügend Fachkräfte zur Verfügung, um die Ziele zu erreichen.

Vergangene Woche hatten Geywitz und Habeck ein Sofortprogramm für den Gebäudesektor vorgelegt. Es soll dafür sorgen, dass dort nicht mehr so viele Treibhausgase ausgestoßen werden. Allein im Gebäudebereich müssen bis 2030 noch 152 Millionen Tonnen CO₂ mehr eingespart werden als bisher. Das Sofortprogramm werde diese Lücke mehr als schließen, hieß es aus Regierungskreisen. Vor allem gehe es darum, mehr Häuser zu sanieren und eine Wärmeversorgung ohne fossile Brennstoffe zu etablieren – und das, ohne die Bürger finanziell zu überlasten.

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Reine Gasheizungen wären nicht mehr erlaubt gewesen

Konkret sollte etwa das Gebäudeenergiegesetz so geändert werden, dass ab 2024 nur noch Heizungen neu eingebaut werden dürfen, die zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien arbeiten. Reine Gasheizungen wären dann nicht mehr erlaubt gewesen. An dieser Stelle schärften Geywitz und Habeck nun nach.

Hauseigentümer sollen dem „Spiegel“ zufolge sechs Möglichkeiten erhalten, um die 65-Prozent-Quote erreichen zu können: Wärmepumpen und Hybridgeräte (Kombination von Wärmepumpe mit Gas- oder Ölkessel), Biomasseheizung, Gasheizungen, die mit nachhaltigem Biomethan, grünem Wasserstoff oder anderen grünen Gasen betrieben werden, Stromdirektheizungen oder der Anschluss an ein Fernwärmenetz.

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Des Weiteren soll die staatliche Förderung für effiziente Gebäude neu ausgerichtet werden und das Sanieren in den Mittelpunkt stellen. Stärker fördern wollen die Ministerien auch die Umstellung von Fernwärmenetzen auf erneuerbare Energien und Abwärme. Für Handwerksbetriebe soll es Schulungen zum Einbau von Wärmepumpen geben.

Deutschlands Ausstoß an klimaschädlichen Treibhausgasen stieg im vergangenen Jahr um 4,5 Prozent. Damit wurde das eigentlich schon für 2020 gesetzte Ziel von 40 Prozent weniger Treibhausgasausstoß im Vergleich zu 1990 auch ein Jahr danach noch verfehlt. Die Emissionen sanken im langfristigen Vergleich lediglich um 38,7 Prozent.

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RND/tdi/dpa

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