Tagesrückblick zum Krieg gegen die Ukraine

Lage auf Krim bleibt angespannt - Estland und USA schicken mehr Waffen

Ein Zug fährt über die neue 19 Kilometer lange Brücke, die die Krim mit dem russischen Festland verbindet (Symbolfoto). Über der Insel sollen Drohnen fliegen.

Ein Zug fährt über die neue 19 Kilometer lange Brücke, die die Krim mit dem russischen Festland verbindet (Symbolfoto). Über der Insel sollen Drohnen fliegen.

Kiew/Moskau/Berlin. Die 2014 von Russland annektierte Krim wird als Aufmarschgebiet für die in der Südukraine angreifenden russischen Truppen immer unsicherer. Nach den verheerenden Explosionen der vergangenen Tage auf der Halbinsel schossen die Russen angeblich an zwei strategisch wichtigen Orten Drohnen ab. Beobachter schlossen nicht aus, dass die Ukrainer vor neuen Angriffen damit die russische Luftabwehr testen wollten.

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Im russischen Gebiet Belgorod nördlich der Ukraine brannte ein Munitionsdepot aus. Die Ukraine machte auch am Freitag keine Angaben zu den Angriffen und ließ die russische Seite damit im Unklaren.

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Die russische Luftabwehr sei beim größten Militärflugplatz der Krim, Belbek bei Sewastopol, aktiv geworden, teilte der örtliche Gouverneur Michail Raswoschajew am Donnerstag mit. Ebenso waren Flugabwehrfeuer und Explosionen über der Stadt Kertsch zu hören. Auch dort sei eine Drohne abgeschossen worden. Bei Kertsch verbindet eine erst 2019 eröffnete Straßen- und Eisenbahnbrücke die Krim mit dem russischen Festland.

Gaslieferung durch Nord Stream 1 wird erneut unterbrochen

Russland kündigte am Freitag an, Gaslieferungen über die Ostseepipeline Nord Stream 1 Ende August für drei Tage zu unterbrechen. Vom 31. August bis zum 2. September werde wegen Wartungsarbeiten kein Gas nach Deutschland fließen, teilte der Staatskonzern Gazprom mit.

In den drei Tagen müsse die einzige funktionierende Turbine der Kompressorstation Portowaja überprüft und überholt werden. Dies solle in Zusammenarbeit mit Spezialisten von Siemens Energy geschehen. Wegen angeblich nötiger Reparaturen hat Gazprom schon seit längerem den Gasfluss auf 33 Millionen Kubikmeter gedrosselt.

Explosive Lage bei ukrainischem Atomkraftwerk Saporischschja

Trotz der Vermittlungsbemühungen unter anderem durch UN-Generalsekretär António Guterres und den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan spitzte sich die Lage in und um das von russischen Truppen besetzte Atomkraftwerk Saporischschja im Süden der Ukraine weiter zu.

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Russland und die Ukraine beschuldigten sich gegenseitig, dort für Freitag einen Anschlag zu planen. Guterres sprach sich erneut für eine Entmilitarisierung des Kraftwerks und seiner Umgebung aus. Die Ukraine forderte erneut den Abzug der Russen. Moskau lehnt beides ab.

Russland warnte am Freitag erneut vor einer Katastrophe um das Atomkraftwerk. Das ukrainische Militär beschieße das AKW mit von den USA gelieferten Waffen, sagte der Sekretär des russischen nationalen Sicherheitsrates, Nikolai Patruschew, der Agentur Interfax zufolge in der usbekischen Hauptstadt Taschkent.

„Wenn es zu einer Katastrophe kommt, dann werden die Folgen in allen Ecken der Welt zu spüren sein“, sagte er. Dass es ohne den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine gar keine Gefahr für das größte AKW Europas geben würde, sagte Patruschew nicht.

Putin telefoniert mit Macron

Russlands Präsident Wladimir Putin und sein französischer Kollege Emmanuel Macron haben sich während eines Telefonats für eine Inspektion des AKW Saporischschja durch internationale Experten ausgesprochen. Demnach sollten In Vertreter der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) die Lage vor Ort bewerten.

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Russland sichere die „erforderliche Mithilfe“ zu, hieß es vom Kreml. Nach französischen Angaben soll die Anreise über die Ukraine unter Kontrolle der dortigen Regierung erfolgen. Für die Sicherheit der Experten sei eine Feuerpause erforderlich, auch wenn diese nicht einfach zu verhandeln sei.

Türkei und Ukraine unterzeichneten Vereinbarung über Wiederaufbau

Das Treffen war das erste persönliche Gespräch Erdogans mit Selenskyj seit der russischen Invasion.

UN-Generalsekretär in Odessa

Guterres kam im Rahmen einer Ukraine-Reise am Freitag in die Hafenstadt Odessa, um sich dort ein Bild vom kürzlich wieder aufgenommenen Getreideexport zu machen. „Es ist sehr bedauerlich, dass die erheblichen Kapazitäten dieses großen Hafens nicht voll genutzt werden“, sagte der 73-Jährige nach einer Meldung des ukrainischen öffentlich-rechtlichen Fernsehens.

Zugleich betonte er, dass nicht nur ukrainische, sondern auch russische Nahrungsmittelexporte möglich sein müssten. „Mehr Nahrung und Düngemittel von der Ukraine und Russland zu erhalten, ist wichtig für die Warenmärkte und die Preise“, betonte der UN-Chef.

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Kubicki trifft mit Vorstoß zu Nord Stream 2 auf Widerstand - auch Kiew erzürnt

In Deutschland flammte unterdessen eine schon für beendet gehaltene Debatte über die Ostseepipeline Nord Stream 2 wieder auf. FDP-Vize Wolfgang Kubicki forderte die Öffnung der Röhre zur Verbesserung der Gasversorgung in Deutschland, stieß damit aber auf scharfen Widerspruch. Von führenden Liberalen und auch den Koalitionspartnern SPD und Grüne wurde der Vorstoß zurückgewiesen.

Auch FDP-Chef und Finanzminister Christian Lindner ging auf Distanz. Er halte den Vorschlag für „falsch und abwegig“, sagte eine Sprecherin seines Ministeriums in Berlin. Die Bundesregierung hatte nach dem russischen Angriff auf die Ukraine die Inbetriebnahme der fertiggebauten Nord-Stream-2-Leitung ausgeschlossen.

Wolfgang Kubicki: „Wir sollten Nord Stream 2 jetzt schleunigst öffnen“

FDP-Vize Wolfgang Kubicki fordert im Interview mit RND-Korrespondent Tobias Peter die Öffnung von Nord Stream 2, um mehr russisches Gas ins Land zu bekommen.

Auch Kiew reagierte mit harscher Kritik. „Die Forderungen einiger deutscher Politiker, Nord Stream 2 für eine kurze Zeit zu starten und später zu schließen, sind völlig irrational“, schrieb der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba am Freitag auf Twitter. „Das ähnelt einer Drogensucht, wenn jemand sagt: „Nur noch ein letztes Mal!““, kritisierte Kuleba. „Die Sucht nach russischem Gas tötet!“

Schwere Angriffe auf Charkiw in Ukraine: Zahl der Toten steigt auf 21

Rund einen Tag nach schweren russischen Raketenangriffen auf die ostukrainische Metropole Charkiw ist die Zahl der Toten Angaben aus Kiew zufolge auf 21 gestiegen. In der Nacht zum Donnerstag war die Stadt von massiven Angriffen erschüttert worden.

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Zwei Wohnheime und das Kulturhaus der Eisenbahn wurden dabei zerstört. Auch mehrere Dutzend Menschen seien verletzt worden. Russland bestätigte am Freitag lediglich Angriffe auf Ortschaften außerhalb Charkiws, die nur militärischen Zielen gegolten hätten.

Estland und USA schicken mehr Waffen in die Ukraine

Estland will der Ukraine weitere Waffen liefern, darunter Mörser und Panzerabwehrwaffen. Das beschloss die Regierung in Tallinn. Auch will das baltische EU- und Nato-Land die Initiative Großbritanniens zur Ausbildung ukrainischer Soldaten unterstützen. Estland wolle zudem mit Deutschland ein weiteres Feldlazarett in die Ukraine schicken.

Das kleine Land hat nach eigenen Angaben seit dem russischen Angriff Militärhilfe im Wert von 250 Millionen Euro an die Ukraine geleistet. Von großen europäischen Ländern wie Deutschland, Frankreich oder Italien wurden im Juli keine nennenswerten Militär- oder Finanzhilfen mehr angekündigt.

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Die USA schnüren ein weiteres Paket mit Militärhilfe für die Ukraine. Es soll einen Umfang von 800 Millionen Dollar haben und die ukrainischen Streitkräfte beispielsweise mit mindestens einem Dutzend Überwachungsdrohnen bei der Verteidigung gegen den russischen Angriffskrieg unterstützen, verlautete am Freitag aus Regierungskreisen in Washington vor der offiziellen Bekanntgabe.

ARCHIV - 23.05.2011, USA, Yakima Training Center: Ein Mehrfachraketenwerfer von Typ HIMARS (High Mobility Artillery Rocket System) fährt während eines Kampftrainings in der Hochwüste des Yakima Training Center in Washington. Die US-Regierung liefert der Ukraine im Rahmen eines neuen Sicherheitspakets moderne Mehrfachraketenwerfer zur Verteidigung gegen den russischen Einmarsch. Aus dem Weißen Haus hieß es, die Ukraine habe zugesichert, mit dem in den USA hergestellten Artilleriesystem HIMARS keine Ziele auf russischem Territorium anzugreifen. Foto: Tony Overman/The Olympian/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Was haben westliche Waffen der Ukraine bisher gebracht?

Um sich gegen Russlands Vernichtungskrieg zur Wehr zu setzen, haben westliche Staaten die Ukraine massiv mit Waffen ausgerüstet. Was hat das bisher gebracht? Eine erste Zwischenbilanz.

Das Gros der Militärgüter würden zusätzliche Haubitzen und Munition sein, sowie tragbare Javelin-Panzerabwehrraketen, die von den ukrainischen Streitkräften erfolgreich im Abwehrkampf eingesetzt worden seien, erklärten mehrere Gewährsleute. Die USA haben seit der russischen Invasion in die Ukraine am 24. Februar Waffensysteme, Munition und andere Militärausrüstung im Umfang von neun Milliarden Dollar an die Ukraine geliefert.

RND/dpa/AP

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