Kurilenstreit: Japan will Friedensvertrag mit Russland

Shinzo Abe und Wladimir Putin näherten sich am Donnerstag in einem alten Streit an.

Shinzo Abe und Wladimir Putin näherten sich am Donnerstag in einem alten Streit an.

Wladiwostok. Gerade einmal etwas mehr als 18.000 Einwohner umfasst die über eintausend Kilometer lange Inselkette. Wie an einer Perlenschnur aufgereiht zieht sie sich zwischen der japanischen Insel Hokkaido und dem russischen Kamtschatka im Pazifik entlang. Die vermeintlich periphere Lage täuscht. Denn um die Kurilen ist jahrzehntelang ein geopolitischer Streit zwischen Japan und Russland entbrannt.

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Nun hat der japanische Regierungschef Shinzo Abe den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu einem Friedensvertrag aufgerufen. „Wir müssen einen Strich unter die unnormale Situation ziehen, dass wir noch immer keinen Friedensvertrag haben. Wladimir, diese Pflicht müssen wir zu zweit erfüllen“, erklärte Abe beim Östlichen Wirtschaftsforum in Wladiwostok am Donnerstag. Nach dem Gespräch mit Putin sagte Abe der Agentur Interfax zufolge, die beiden seien zu dem Schluss gekommen, dass sie mit ihren eigenen Händen einen Friedensvertrag unterzeichnen wollten.

Russland hält die Kurilen seit dem Zweiten Weltkrieg besetzt

Putin hielt sich zunächst bedeckt. Er bestätigte, dass er mit Abe über die Kurilen und eine mögliche Zusammenarbeit gesprochen habe. Zudem kündigte er an, dass in Kürze Russlands Generalstabschef sowie der Chef des Landstreitkräfte nach Japan reisen sollten.

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Russland hatte zum Ende des Zweiten Weltkrieges die gesamte Inselkette besetzt. Japan fordert die Rückgabe der südlichen Kurileninseln. Der Streit ist der Grund dafür, dass beide Länder seit dem Zweiten Weltkrieg noch keinen Friedensvertrag haben.

Putin bietet Japan buchstäblichen Brückenschlag an

Nur wenige Minuten vor der Diskussion um die Kurilen-Inseln überraschte Wladimir Putin beim Wirtschaftstreffen im äußersten Osten Russland mit einer ökonomischen Annäherung an die Japaner. Moskau will in einem Milliardenprojekt das Festland über seine Pazifikinsel Sachalin mit Japan verbinden. „Wir wollen eine Brücke nach Sachalin bauen und dann Sachalin mit Hokkaido verbinden“, sagte der Kreml-Chef in Wladiwostok. „Das ist eine Sache von planetarem Charakter“ und werde die Zusammenarbeit fördern, sagte Putin der Agentur Tass zufolge. Von der Südspitze Sachalins bis zur Nordspitze Hokkaidos sind es etwa 43 Kilometer Luftlinie.

Berichten zufolge ist von einer Eisenbahnbrücke die Rede. Verkehrsminister Maxim Sokolow sagte bei der Konferenz, er schätze die nötigen Investitionen für die Trasse nach Sachalin auf 500 Milliarden Rubel (etwa 7,3 Milliarden Euro). Das Projekt solle in der ersten Hälfte des kommenden Jahrzehnts in Gang gesetzt werden. Ein Handelskorridor von Russland über Sachalin nach Japan könnte Schätzungen zufolge für den Transport von 40 Millionen Tonnen Waren im Jahr genutzt werden.

Im Nordkorea-Streit kooperieren Abe und Putin

Das Forum in der Pazifikmetropole Wladiwostok soll Russlands Fernen Osten als Wirtschaftsstandort attraktiver machen. Es gilt als sibirisches Pendant zum renommierten Wirtschaftsforum in St. Petersburg.

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Im Atomstreit mit Nordkorea übten Abe und Putin Berichten zufolge den Schulterschluss. Abe sagte, er wolle in dieser Frage eng mit Russland bei den Vereinten Nationen zusammenarbeiten.

Von RND/dpa

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