Russlands Flirt mit Afrika

Lawrows letzte Freunde: Wo Putins Außenminister immer noch willkommen ist

Der russische Außenminister Sergej Lawrow, hier mit dem Präsidenten der Republik Kongo, Denis Sassou-Nguesso.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow, hier mit dem Präsidenten der Republik Kongo, Denis Sassou-Nguesso.

Am Sonntag landete Sergej Lawrow in Kairo. Auf Gespräche mit dem ägyptischen Präsidenten und dem Außenminister folgte eine Rede des russischen Außenministers vor der Arabischen Liga. Mit im Reisegepäck hatte Lawrow Propaganda und Schuldzuweisungen gegen den Westen. So erklärte er nach dem Treffen mit der ägyptischen Staatsspitze: „Heute sprachen wir über die Schritte, die unsere jeweiligen Außenministerien treffen müssen, um Schaden von unseren Wirtschaftsbeziehungen durch westliche Sanktionen abzuwenden.“ Vehement stritt der russische Topdiplomat Russlands Verantwortung für die derzeit herrschenden globalen Lebensmittelengpässe ab.

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Die Begegnung auf Lawrows nächster Station glich eher dem Wiedersehen zwischen alten Freunden als dem zwischen einem Invasor und einem neutralen Land: Bilder des russischen Außenministeriums zeigten, wie Lawrow am Flughafen von Brazzaville von seinem kongolesischen Amtskollegen mit Umarmung und händeschüttelnd willkommen geheißen wird. Danach folgten Gespräche mit Präsident Denis Sassou-Nguesso, ehe Lawrow nach Uganda weiterflog.

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Viele afrikanische Staaten gaben sich bislang neutral

Afrika gab sich im Ukraine-Krieg bisher neutral. Bei UN-Resolutionen gegen Russland enthielten sich etliche afrikanische Länder ihrer Stimmen. Sie fürchten, in einen neuen Kalten Krieg hineingezogen zu werden, dabei scheint dieser spätestens mit Lawrows Tour längst ausgebrochen zu sein. Vor der Abreise erinnerte Lawrow an die „Unterstützung“, die Russland erst im Kampf gegen Kolonialregime und später beim Aufbau unabhängiger afrikanischer Staaten geleistet habe.

Während der Unabhängigkeitsbestrebungen hatte die Sowjetunion etlichen Befreiungsbewegungen mit Waffen und Guerillatraining ausgeholfen, darunter auch Südafrikas heutiger Regierungspartei, dem Afrikanischen Nationalkongress (ANC). Als logische Konsequenz wertet Lawrow Afrikas „ausgeglichene Position“, wenn es zur Ukraine-Invasion kommt.

Kriegsziele in der Ukraine: Lawrow bestätigt Moskaus Pläne für „Regimewechsel“ in Kiew

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat im Gegensatz zu früheren Äußerungen erklärt, dass Russland den Sturz der ukrainischen Regierung anstrebt.

Von strategischer Bedeutung ist Lawrows letztes Etappenziel in Afrika: Äthiopien. Die Hauptstadt Addis Abeba ist nicht nur Verwaltungssitz von Afrikas zweitbevölkerungsreichstem Land, sondern auch jener der Afrikanischen Union (AU). „Nach Angaben der russischen Botschaft wird Außenminister Sergei Lawrow hochrangige Regierungsvertreter, Diplomaten aus etlichen Ländern und Funktionäre der AU-Kommission treffen“, berichtet die äthiopische Agentur Fana BC. Daneben gilt der Besuch als Vorbereitung auf den zweiten Russland-Afrika-Gipfel; dieser soll im Oktober in Addis Abeba über die Bühne gehen.

Waffenlieferungen, Söldner, Energiedeals: Russland hat einiges anzubieten

Waffenlieferungen, russische Söldner in Konfliktgebieten, Energiedeals, Handelsverträge, eine Expansion seiner Auslandsmedien – das Arsenal, mit dem Russland in den neuen Kalten Krieg zieht, ist vielfältig. Afrikas Regierungen scheinen nicht abgeneigt. Das verwundert manchen Beobachter und manche Beobachterin im Westen wie auch auf dem afrikanischen Kontinent. „Es ist außergewöhnlich, dass Afrikaner zwiegespalten sind über Putins Versuch, Russlands Imperium wiederaufzubauen, obwohl der Kolonialismus dem afrikanischen Kontinent selbst so viel Schmerz und Schaden zufügte und staatliche Dysfunktion säte“, meint der südafrikanische Autor und Politologe Greg Mills. Er wirft einigen afrikanischen Regierungschefs „Opportunismus“ vor.

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Es bröckelt hinter Putins Kulissen

Die westlichen Sanktionen wirken nur allmählich, aber sie treffen Russland inzwischen hier und da bereits schmerzhaft – und mit langfristigen Folgen. Noch allerdings simuliert Staatschef Wladimir Putin so gut es geht Normalität: Mit Geld aus dem Gas- und Ölverkauf verschleiert er die wachsenden Probleme.

Allerdings hat die Realität des Krieges längst auch die Länder Afrikas eingeholt – an den Zapfsäulen wie in den Bäckereien. Letzteres ist nicht verwunderlich, bezieht der Kontinent 40 Prozent seines Weizens aus den Kriegsstaaten. Erst im Juni reiste der AU-Vorsitzende, Senegals Präsident Macky Sall, nach Russland, um Putin an die „ernste Hungerkatastrophe“ zu erinnern, die Afrika aufgrund des Exportstopps drohe. Entsprechend wurde das jüngste Abkommen über die erneute Getreideausfuhr begrüßt.

Sollte dieses jedoch nicht halten, könnte der Schulterschluss mit Russland die afrikanischen Staaten teuer zu stehen kommen. So analysiert der langjährige Afrika-Korrespondent der BBC, Will Ross: „Einige afrikanische Machthaber dürften wissen, dass ihre eigene Position wackelt, wenn das Volk sich kein Essen mehr leisten kann.“

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