Lindner und Kubicki feiern ihren Schwur

Verschworene Gemeinschaft: Lindner und Kubicki im Savoy.

Verschworene Gemeinschaft: Lindner und Kubicki im Savoy.

Berlin. Sie haben Wort gehalten. Sie haben sich wieder in die dicken Ledersessel gefläzt, Zigarren geraucht und Wein getrunken. Christian Lindner und Wolfgang Kubicki haben denselben Ort und die gleiche Zeit wie vor vier Jahren gewählt: Mitternacht, alter Berliner Westen, Fasanenstraße. Das hatten sie sich 2013 in die Hand versprochen, in jener Nacht, als feststand, dass die Liberalen nicht mehr im Bundestag vertreten sein würden. Ihr Schwur: Egal was passiert, wir führen die Liberalen zurück ins Parlament. Wir halten uns den Rücken frei. Und dann sehen wir uns wieder: in der Times Bar, Hotel Savoy.

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Lindner kommt als Erster. Lässig legt er die Ärmel seines Jacketts auf die polierte Teakholzplatte des Tresens. Die Manschettenknöpfe seines weißen Hemdes erzeugen ein kurzes Klacken. „Heute muss es etwas Besonders sein“, sagt der FDP-Chef. Seine Wahl fällt auf eine Flasche Rioja, Castillo Clavijo, Reserva 2010. Der Barkeeper reicht ihm zwei Gläser und eine Cohiba. Lindner zieht sich an einen Tisch am Fenster zurück, zündet die Zigarre an und inhaliert genüsslich den dicken Qualm. „Spannende Zeit“, sagt er und fügt sichtlich entspannt hinzu: „Wir sind auf dem Weg, Verantwortung zu übernehmen.“ Stoffbezogene Lampenschirme tauchen die dunkle Holzvertäfelung in ein diffuses Licht.

Keine 20 Minuten später stößt Kubicki dazu. Das Taxi aus Adlershof hat etwas Verspätung. Eben noch in der Talk-Show bei Anne Will, rauscht Kubicki wie ein Cowboy durch die gläserne Schwingtür, Gattin Annette nur wenige Schritte dahinter. „Meine Frau lässt sich entschuldigen. Sie ist heiser, hat heute ihre Stimme abgegeben“, flachst Lindner. Beide fallen sich in die Arme und brechen in lautes Gelächter aus. Es ist der Abend der Herrenwitze.

Gab es eben in der Elefantenrunde noch ein zaghaftes Abwarten, ein Abtasten in Richtung Jamaika-Koalition und das Verweisen auf das eigene Parteiprogramm, sind sich beide nach einigen Gläsern Rotwein schnell einig: Jamaika wird kommen. Sicherlich, die Grünen, sie würden noch einige Sträuße ausfechten müssen. Und ja, auch in der Union und speziell bei der CSU werde es noch Verwerfungen und einigen Widerstand geben. Nichts sei jedoch unüberbrückbar. Und so flüstert Lindner Kubicki immer wieder Namen ins Ohr. „Könnte der nicht Erster Parlamentarischer Geschäftsführer werden? Finanzministerium? Entwicklungsressort?“ Kubicki nickt. Lindner hat alles längst im Kopf - die Fraktion, die er selbst anführen will, ebenso wie die mögliche Regierungsmannschaft.

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Um kurz nach eins ist alles gesagt, die Messe gelesen. Noch einmal umarmen sich die beiden. Lindner will ins Bett. Für Kubicki ist die Nacht dagegen längst noch nicht zu Ende. „Ich könnte hier auch einfach vier Jahre lang sitzen bleiben“, scherzt er. Doch die Bar im Savoy schließt. Kubicki zieht es weiter: ins Borchardt. „Man muss die Feste feiern, wie sie fallen“, sagt er. Dann braust das Taxi davon in die Berliner Nacht.

Von Jörg Köpke

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