Kommentar zum Linken-Parteitag

Letzte Chance vor dem drohenden Untergang

Bilden seit Samstag die neue Doppelspitze der Linken: Martin Schirdewan und Janine Wissler nach ihrer Wahl auf dem Erfurter Parteitag.

Bilden seit Samstag die neue Doppelspitze der Linken: Martin Schirdewan und Janine Wissler nach ihrer Wahl auf dem Erfurter Parteitag.

Erfurt. Die Linke hat seit Samstagnachmittag mit Janine Wissler und Martin Schirdewan eine neue Doppelspitze, von der es parteiintern heißt, es sei aus Sicht der Chefin sogar ihre Wunschkonstellation geworden.

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Ein kompletter Neustart ist es freilich nicht, denn Wissler ist schon seit Februar 2021 im Amt, wurde „nur“ wiedergewählt. Auch holte die alte und neue Co-Vorsitzende mit 57,4 Prozent zwar kein schlechtes, aber auch kein überragendes Ergebnis. Wissler erhielt vom Parteitag sozusagen eine zweite Chance, nachdem in ihre kurze Amtszeit eine Bundestagswahl und drei Landtagswahlen mit Ergebnissen unter der Fünfprozenthürde gefallen waren.

Stehen Wissler und Schirdewan für ein „Weiter-so“?

Schirdewan hat mit 61,3 Prozent nicht nur das bessere Ergebnis eingefahren, er hat als Europapolitiker auch den unverstellten Blick von „draußen“ und ist noch nicht Bestandteil der Berliner Politikblase. Insofern ist er möglicherweise sogar die stärkere treibende Kraft bei den anstehenden Veränderungen.

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Zwar sagen parteiinterne Kritiker, das neue Duo stehe für ein „Weiter-so“, aber selbst wenn es so ist, wird es nicht gehen. Denn der Erfurter Parteitag wurde von allen Prominenten der Partei als letzte Chance in einer existenziellen Krise bewertet.

Vor Wissler und Schirdewan liegen riesige Aufgaben. Sie müssen nach innen die Grabenkämpfe in den eigenen Reihen beenden und starke Individualisten einhegen, damit klar wird, wofür die Linke eigentlich steht.

Janine Wissler und Martin Schirdewan als Linken-Doppelspitze gewählt

Der Parteitag soll für die Linke ein Neuanfang werden. Bei der letzten Bundestagswahl erhielt die Partei nur 4,9 Prozent der Stimmen.

Und nach außen müssen sie Themen setzen, von denen die Wählerinnen und Wähler sich angesprochen fühlen. Gelingt ihnen das nicht, droht trotz der kompletten Neuwahl des nunmehr 26-köpfigen Parteivorstands der Untergang.

Ein personeller Neuanfang ist nicht automatisch auch eine inhaltliche Neubestimmung. Daran müssen Wissler und Schirdewan jetzt arbeiten. Ob sie dafür die Richtigen sind, wird sich bald zeigen.

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