Livestream: Kardinal Marx nimmt Stellung zum Münchner Missbrauchsgutachten

Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, predigt während eines Weihnachtsgottesdienstes im Münchner Dom zu Unserer Lieben Frau (Archivbild).

Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, predigt während eines Weihnachtsgottesdienstes im Münchner Dom zu Unserer Lieben Frau (Archivbild).

München. Eine Woche nach dem erschütternden Missbrauchsgutachten richten sich die Augen auf den Münchner Erzbischof Reinhard Marx. Der Kardinal nimmt am Donnerstag Stellung zu den Ergebnissen der Studie, die sein Bistum bei der Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) in Auftrag gegeben hat.

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Die Studie wirft unter anderen Marx und seinen Vorgängern im Amt des Erzbischofs, Kardinal Friedrich Wetter und Joseph Ratzinger, Fehlverhalten im Umgang mit Missbrauchsfällen vor und geht von mindestens 497 Opfern und 235 mutmaßlichen Tätern aus – und von einem weit größeren Dunkelfeld.

Marx war bei der Vorstellung des Gutachtens am Donnerstag vergangener Woche nicht dabei und hatte danach nur eine kurze Stellungnahme abgegeben. „Ich bin erschüttert und beschämt“, sagte er.

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Livestream: Sehen Sie hier die Stellungnahme von Kardinal Marx

Seit Jahren sei bekannt, „dass sexueller Missbrauch in der Kirche nicht ernst genommen wurde, dass die Täter oft nicht in rechter Weise zur Rechenschaft gezogen wurden, dass es ein Wegsehen von Verantwortlichen gegeben hat“.

Er fühle sich „als Erzbischof von München und Freising mitverantwortlich für die Institution Kirche in den letzten Jahrzehnten“, betonte er. „Als der amtierende Erzbischof bitte ich deshalb im Namen der Erzdiözese um Entschuldigung für das Leid, das Menschen im Raum der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten zugefügt wurde.“

Spekuliert wird, ob Marx dem Papst erneut – und damit zum zweiten Mal innerhalb weniger als eines Jahres – seinen Rücktritt erklären wird.

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Kirchenrechtler erwartet kein erneutes Rücktrittsangebot

Der katholische Theologe Daniel Bogner sagte schon direkt nach der Vorstellung des Gutachtens, dass er nach all den Enthüllungen einen erneuten Rücktrittsversuch von Marx für angemessen hält. „Und ich hoffe, er wird eine erneute Ablehnung durch Papst Franziskus diesmal nicht akzeptieren. Dies wäre ein zwar zunächst nur symbolisches, aber sehr starkes Zeichen dafür, dass die bisherigen Strukturen der Kirche so nicht weiter funktionieren“, sagte der Professor für Moraltheologie und Ethik an der schweizerischen Universität Freiburg.

Ein zweites Rücktrittsangebot erwartet der Kirchenrechtler Thomas Schüller dagegen nicht. „Im Lichte seiner erstaunlich leidenschaftslosen und uninspirierten Erklärung am 20. Januar 2022 auf die Veröffentlichung des Gutachtens, die viele Betroffene verletzt und befremdet hat, rechne ich nicht mit einem erneuten Rückantrittsangebot von Marx an den Papst“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Ob es überhaupt noch eine Geste geben kann, die den Frust und die Wut unter den Gläubigen auffangen kann, ist fraglich. In Bayern müssen Städte inzwischen in ihren Standesämter aufrüsten – um die Flut der Kirchenaustritte zu bewältigen.

RND/dpa

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