Echtheit der Beweise bestritten

Massaker in Butscha: Kreml weist Vorwürfe zurück – Ukraine droht mit Vergeltung

Ein zerstörtes Auto auf einer Landstraße in Butscha, 20 km vor der ukrainischen Hauptstadt Kiew.

Ein zerstörtes Auto auf einer Landstraße in Butscha, 20 km vor der ukrainischen Hauptstadt Kiew.

Moskau/Kiew. Nach dem Fund Dutzender Leichen in dem ukrainischen Ort Butscha hat der Kreml Vorwürfe gegen russische Truppen vehement zurückgewiesen. „Wir weisen alle Anschuldigungen kategorisch zurück“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag der Agentur Interfax zufolge. Zugleich warnte er internationale Politiker vor voreiligen Schuldzuweisungen. Es müssten alle Seiten gehört werden.

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Bilder von Einwohnern der kleinen Stadt bei Kiew, deren Leichen nach dem Abzug russischer Truppen auf den Straßen lagen, lösen seit dem Wochenende weltweit Entsetzen aus. Die ukrainische Seite macht russische Soldaten für die Verbrechen verantwortlich.

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Peskow sagte, der Fall müsse auf höchster Ebene im UN-Sicherheitsrat besprochen werden. Er kritisierte, dass eine entsprechende Initiative blockiert worden sei. Zugleich stellte Peskow weiterhin die Echtheit der zahlreichen Aufnahmen der toten Zivilisten infrage.

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Kremlsprecher Peskow stellt Beweise infrage

Die Bilder stammen teils von internationalen Pressefotografen, die anders als der Kremlsprecher direkt vor Ort waren. Dennoch meinte Peskow: „Nach dem, was wir gesehen haben, ist dem Videomaterial in vielerlei Hinsicht nicht zu trauen, weil unsere Spezialisten aus dem Verteidigungsministerium dort Hinweise auf Videofälschungen und andere Fakes festgestellt haben.“

Baerbock zu „Massaker“ in Butscha: „Die Bilder sind unerträglich“

Nach dem Abzug russischer Truppen lägen Tote auf den Straßen, berichtet der ukrainische Außenminister und forderte „vernichtende“ Sanktionen gegen Russland.

Das Verteidigungsministerium in Moskau hatte am Sonntag in einem Beitrag auf Telegram angedeutet, dass die Aufnahmen gefälscht sein könnten – etwa weil einer der Menschen, die am Straßenrand liegen, in einer Videoaufnahme angeblich seine Hand bewegen soll. In dem entsprechenden Video ist jedoch keine Handbewegung zu sehen.

In einer späteren offiziellen Mitteilung schrieb die Behörde in Moskau, die in den Videos gezeigten Toten würden angeblich keine Leichenflecken aufweisen, wie sie vier Tage nach dem Tod typisch seien. Russlands Armee sei bereits am 30. März aus Butscha abgezogen, teilte das Ministerium mit. Dagegen hatte der russische Armeesender Swesda TV am 1. April weiter berichtet, dass die eigenen Truppen noch die „volle Kontrolle“ über Butscha hätten.

Ukrainischer Verteidigungsminister droht mit Vergeltung

Der ukrainische Verteidigungsminister Olexij Resnikow hat der russischen Armee wegen des Massakers in Butscha mit Vergeltung gedroht. „So etwas Böses darf nicht ungestraft bleiben“, sagte er am Montag in Kiew. „Unsere Aufklärung identifiziert systematisch alle Eindringlinge und Mörder. Alle! Jeder wird zu seiner Zeit bekommen, was er ‚verdient‘ hat“, hieß es in der auf Facebook veröffentlichten Mitteilung.

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Resnikow machte die russischen Einheiten verantwortlich, die den Ort wochenlang besetzt gehalten hatten. Er verglich ihr Vorgehen mit dem der nationalsozialistischen Schutzstaffel (SS) in der Ukraine im Zweiten Weltkrieg. Er zog auch eine Parallele zum Bürgerkrieg in Jugoslawien: In Butscha seien mehr Menschen getötet worden als in Vukovar. 1991 waren in der kroatischen Stadt Vukovar mehr als 250 Zivilisten und Kriegsgefangene von serbischen Kräften und der jugoslawischen Armee ermordet worden.

In Butscha seien bislang etwa 340 Leichen gefunden worden, berichtete die „Ukrajinska Prawda“ unter Berufung auf örtliche Bestattungsunternehmen. Der Verteidigungsminister lobte Generalstabschef Walerij Saluschnyj und alle Offiziere und Soldaten, die dazu beigetragen hätten, den Gegner aus dem Umland von Kiew zu vertreiben. In den östlichen Gebieten Charkiw, Luhansk und Donezk werde weiter heftig gekämpft.

RND/dpa

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