Novavax-Chaos in Deutschland: Wann kommt der Impfstoff und wie läuft die Verteilung?

In wenigen Tagen soll der Impfstoff von Novavax auch in Deutschland verimpft werden.

In wenigen Tagen soll der Impfstoff von Novavax auch in Deutschland verimpft werden.

Die Bundesregierung hat Millionen Impfdosen des US-Pharmariesen Novavax bestellt. Nun sollen die ersten Impfdosen nach Deutschland geliefert werden. „Wir erwarten am 21. Februar 1,4 Millionen Dosen des Novavax-Impfstoffes, in der Woche darauf noch einmal eine Million“, erklärte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) noch am Freitag in Berlin.

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Inzwischen ist klar, dass sich die Impfstofflieferung weiter verzögert. Novavax sei in der Vergangenheit immer wieder dadurch aufgefallen, den Impfstoff nicht fristgerecht geliefert zu haben, so Lauterbach. Nach RND-Informationen wird mit einer Lieferung zwischen Mittwoch und Freitag gerechnet. Laut Bundesgesundheitsministerium sei ein Beginn der Impfungen dann in der kommenden Woche möglich. Derweil laufen die Planungen über die Verteilung der 1,4 Millionen Impfdosen. Viele Fragen sind noch offen.

Novavax: Wer bekommt wie viel Impfstoff?

Klar ist: Das Bundesgesundheitsministerium beschafft den Impfstoff und stellt ihn den Ländern zur Verfügung. Doch wie die genaue Verteilung des Impfstoffs aussieht, darüber herrscht selbst heute, wo eigentlich der Impfstoff verteilt werden sollte, noch Unklarheit. Das Bundesgesundheitsministerium erklärte gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland zunächst: „Der Impfstoff wird gemäß Königsteiner Schlüssel in die Bundesländer verteilt.“ Bei diesem Schlüssel spielt neben der Bevölkerungsgröße auch das Steueraufkommen eine wichtige Rolle.

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Doch mehrere Bundesländer widersprechen der Darstellung des Bundesgesundheitsministeriums. Aus Bremen heißt es zum Beispiel auf RND-Nachfrage, nicht der Königsteiner Schlüssel werde für die Verteilung des Novavax-Impfstoffs herangezogen, sondern die Bevölkerungsgröße. Dies bestätigte später auch das Bundesgesundheitsministerium. Nordrhein-Westfalen hält es auch für möglich, dass Länder mit einer niedrigen Impfquote mehr Novavax erhalten könnten. „Wir warten auf verbindliche Zusagen und Liefermengen“, so ein Sprecher des NRW-Gesundheitsministeriums am Montag zum RND.

Hessen hat die Zahl der erwarteten Impfstoffmengen am Montag auf insgesamt 108.000 korrigiert. Die zuvor genannte Menge von 130.000 bis 140.000 sei nicht mehr aktuell, so ein Sprecher. Sachsen-Anhalt erwartet rund 36.000 Novavax-Dosen, in Bayern sind es 225.000 Dosen, in Berlin 63.000, in Niedersachsen 140.000 Dosen und in Bremen 12.000. Diese Angaben entsprechen auch der Menge, die die Länder gemäß Bevölkerungsanteil erhalten könnten. Allerdings müssen die Länder die Hälfte der Impfdosen für die zweite Impfung zurückstellen.

Wie läuft die Verteilung des Impfstoffs?

Wie das RedaktionsNetzwerk Deutschland erfahren hat, können die Bundesländer den Impfstoff im Bundeswehr-Zentrallager im niedersächsischen Quakenbrück abholen. Es gibt streng getaktete Zeitslots über den ganzen Tag: 15 Minuten bleiben, um den Novavax-Impfstoff entgegenzunehmen. Alternativ können die Länder sich auch dafür entscheiden, den Impfstoff geliefert zu bekommen.

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Doch auch hier gibt es unterschiedliche Kenntnisstände in den Bundesländern: Gegenüber dem RND haben erste Länder bereits eine Uhrzeit zugewiesen bekommen, kennen nur den Tag noch nicht. Andere Bundesländer haben erklärt, sie wissen bisher noch gar nichts über den genauen Lieferzeitpunkt.

Der Impfstoff wird kartonweise abgegeben, so das Bundesgesundheitsministerium. Das bedeutet, einige Bundesländer könnten etwas mehr, andere etwas weniger Impfstoff erhalten. In späteren Lieferungen soll dies ausgeglichen werden.

Wer erhält den Novavax-Impfstoff?

Die Impfdosen von Novavax sollen vorrangig an die Beschäftigten im Gesundheitswesen gehen. Denn für sie gilt ab dem 15. März die einrichtungsbezogene Impfpflicht. In Nordrhein-Westfalen sind 75 Prozent des Impfstoffs daher für das Personal im Gesundheitswesen reserviert, 20 Prozent für Personen mit einer Unverträglichkeit auf mRNA-Impfstoffe und 5 Prozent sind frei verfügbar. Hessen will Novavax nur den Gesundheitsämtern für Sonderimpfaktionen im Pflege- und Gesundheitsbereich zur Verfügung stellen.

In Sachsen-Anhalt können sich zunächst nur Beschäftigte im Gesundheitswesen mit Novavax impfen lassen und müssen eine Bescheinigung des Arbeitgebers vornehmen. In Bremen werden Menschen aus den medizinischen sowie pflegerischen Berufen bevorzugt.

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In Nordrhein-Westfalen gehen die Impfdosen an die Städte und Kreise. Sie organisieren dann die Impfungen selbst. In den meisten anderen Bundesländern erfolgt die Organisation ausschließlich über die Impfzentren. Sie erhalten den Novavax-Impfstoff, vergeben Termine (meist über die landesweiten Portale) und führen die Impfungen durch. Wo Kliniken und Betriebsärzte mit Impfzentren zusammenarbeiten, könnten auch dort Impfungen stattfinden, heißt es aus Bayern. Im Saarland überlegt man derzeit, den Impfstoff an Hausärzte und Krankenhäuser abzugeben.

Wie groß ist die Nachfrage?

Doch die Terminvergabe hat noch gar nicht überall begonnen. Berlin will zum Beispiel darauf warten, bis der genaue Liefertermin feststeht. In Bremen läuft die Anmeldung bereits seit mehr als einer Woche. Doch die Nachfrage ist offenbar gering: Bisher gab es in Bremen 670 Anmeldungen, so ein Sprecher gegenüber dem RND. 12.000 Impfdosen stehen dort voraussichtlich zur Verfügung. Keine Angaben wollte man bisher in Sachsen-Anhalt machen. Dort war das Portal für Voranmeldungen erst vor wenigen Tagen gestartet.

Vorsichtig ist auch Hamburg: Die Hansestadt rechnet damit, dass voraussichtlich erst Anfang März Impfungen stattfinden könnten. Auch die genaue Menge stehe für Hamburg noch nicht fest.

30 Millionen weitere Impfdosen

Das Gesundheitsministerium rechnet nach dieser Woche mit weiteren Novavax-Chargen. „In den Monaten April bis Juni 2022 sind nach derzeitigem Stand weitere Lieferungen nach Deutschland von bis zu 30 Millionen Dosen mit dem Unternehmen Novavax vereinbart“, heißt es auf RND-Nachfrage. Lieferpläne seien hierzu noch nicht bekannt.

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Die Politik hofft, dass Novavax für einige Menschen eine Alternative zu den bisherigen mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna darstellt und sie sich doch noch impfen lassen. Zurückhaltend äußerte sich der Vorsitzende des Weltärztebunds, Frank Ulrich Montgomery: „Ich bin nicht sicher, dass Novavax der ‚Gamechanger‘ der Impfkampagne wird“, sagte er gegenüber der „Rheinischen Post“. Er gehe davon aus, dass man die „Hardcore-Impfverweigerer“ auch mit Novavax nicht erreichen werde.

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