Rostock

Fachkräftemangel: Roboter sollen Kellner in MV ersetzen

Überfüllter Ostseestrand in Kühlungsborn: Beim Tourismus soll Mecklenburg-Vorpommern künftig zunehmend auf Klasse statt Masse setzen, schlagen Gutachter vor.

Überfüllter Ostseestrand in Kühlungsborn: Beim Tourismus soll Mecklenburg-Vorpommern künftig zunehmend auf Klasse statt Masse setzen, schlagen Gutachter vor.

Rostock. Es klingt wie aus einem Science-Fiction-Film: Urlauber in Restaurants entlang der Ostseeküste sollen bald von Robotern Essen serviert bekommen. Grund: Das Gastgewerbe in MV findet kein Personal mehr, fast jede dritte Azubi-Stelle ist unbesetzt. Der Vorschlag stammt von der DWIF Consulting GmbH aus Berlin, die für das Land ein neues Tourismuskonzept erarbeitet.

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Berater fordern mehr Qualität statt Übernachtungsrekorde

Das Papier offenbart eklatante Schwächen der Tourismusbranche von MV, die über kurz oder lang von der Konkurrenz abgehängt zu werden drohe. DWIF schlägt gravierende Änderungen in der Strategie vor, etwa eine Abkehr von der „Jagd“ nach Übernachtungs-Rekorden. Vielmehr müsse mehr Qualität im Tourismus Einzug halten, der auch Beschäftigten mehr Attraktivität und Sicherheit biete.

Nach vielen guten Jahren müsse das Land beim Tourismus jetzt umdenken. Die Branche befinde sich in einer „Reifephase“, urteilen die Gutachter. An anderen Stellen sind sie weniger rücksichtsvoll. In Kürze: Die Konkurrenz im Ostseeraum ziehe vorbei – bei Angeboten, Gästezufriedenheit oder Innovation. Natur pur –das reiche in MV allein nicht mehr als Urlaubermagnet aus. Stattdessen müssten Angebote besser vernetzt und kommuniziert, Förderung durch das Land erhöht werden.

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Konzept nach Monaten nicht öffentlich

Experten lesen ein Negativurteil auch für die Landesregierung heraus. Womöglich ein Grund, warum das Konzept auch nach Monaten nicht öffentlich ist. Tourismusminister Harry Glawe (CDU) hat es nun fürs Frühjahr angekündigt. Aber aus anderen Ministerien – etwa dem für Umwelt und Verkehr – gebe es derzeit viele Nachbesserungsvorschläge. Das hat Ursachen: Dem Verkehrsnetz stellt DWIF ein schlechtes Zeugnis aus. Zu viel sei im Land aufs Auto ausgelegt, viele Straßen seien verstopft. Es fehlten Trassen in Tourismusregionen und sinnvolle Bus- und Bahnverbindungen. Kritik gibt es zudem am Radwegenetz. Auch beim Thema Geld hebt sich der Zeigefinger. Das Land müsse mehr an die Kommunen für touristische Infrastruktur ausreichen. Eine Idee: Die Kur- und Fremdenverkehrsabgaben sollten in allen Orten möglich sein, die jetzige Praxis sei für viele ein „Wettbewerbsnachteil“.

Diskussion um Konsequenzen

Die Branche ist aufgeschreckt. Das Land brauche „neue Impulse und eine klare qualitative Ausrichtung“, sagt Tobias Woitendorf, Landestourismusverband. Lars Schwarz, Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes MV, fordert eine Öffnung des Arbeitszeitgesetzes, um die Branche zu retten. Und die Politik fordert gleich mit: Bernhard Wildt (BMV) will ein Ende des Luxus-Tourismus, Jochen Schulte (SPD) „anspruchsvollere touristische Angebote“, Henning Foerster (Linke) mehr Investitionen, die die Saison verlängern.

Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) erklärt: Das Land sei erfolgreich im Tourismus, müsse nun aber umsteuern. Roboter als Kellner-Ersatz findet niemand witzig: „Nonsens“, so Thomas de Jesus Fernandes (AfD). Stattdessen sollten Fachkräfte „fair bezahlt“ werden.

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      Frank Pubantz

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