Katastrophenschutz

Erstmals mit Cell Broadcast: Das passiert am bundesweiten Warntag in MV

Smartphone mit SMS-Benachrichtigung über den Katastrophenwarntag und Sirene auf einem Dach

Smartphone mit SMS-Benachrichtigung über den Katastrophenwarntag und Sirene auf einem Dach

Schwerin. Handys blieben stumm, Radios sendeten keine Warnnachrichten: Die Flutkatastrophe im Sommer 2021 im Ahrtal hat die Lücken im Warnsystem offenbart. Auch der erste bundesweite Warntag vor zwei Jahren hat viele Katastrophenschützer ernüchtert. Warn-Apps wie Nina reagierten wegen überlasteter Server verspätet oder gar nicht. Sirenen heulten nicht.

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Am 8. Dezember soll es besser werden. Deutschland probt dann erneut den Ernstfall. „Die Probewarnmeldung soll in diesem Jahr möglichst viele Menschen in MV erreichen“, sagt der Leiter des Landesamtes für Katastrophenschutz, Andreas Walus.

Warntag am 8. Dezember: Wie werden die Menschen alarmiert?

Am 8. Dezember ab 11 Uhr lösen Katastrophenschutzbehörden sowie Einsatzkräfte den Probealarm aus. Radios und Fernsehen, digitale Anzeigetafeln in Städten und Zügen sowie Warn-Apps erhalten eine Probewarnmeldung, die dann an die Menschen verbreitet wird. Sirenen sollen heulen. Erstmals wird die Probewarnmeldung per Cell Broadcast aufs Handy verschickt.

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Werden alle Menschen erreicht?

Die Behörden hoffen es. Sicher ist es allerdings nicht. Über Cell Broadcast, eine automatisiert verschickte Warnnachricht, werden derzeit nur etwa 50 Prozent aller Handys erreicht. Auch das Sirenennetz ist in MV nicht flächendeckend ausgebaut. Nur sechs von zehn Einwohnern leben laut Innenministerium in Hörbereichen der landesweit 1600 Sirenen. Nur jeder achte Deutsche hat die Nina-Warn-App auf dem Handy.

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„Wir setzen deshalb auf das Zusammenspiel der unterschiedlichen Warnmittel“, sagt Landesamtleiter Andreas Walus. Wenn nur eines der Warnmittel den Bürger erreiche, sei das ausreichend. Wichtig sei auch der Blick auf den Nachbarn. „Die persönliche Warnung von Bürger zu Bürger ist unverzichtbar.“ Im Ernstfall kämen Lautsprecheransagen dazu.

Wie werden die Sirenen heulen?

Die Sirenen werden eine Minute lang einen eindringlichen auf- und abschwellenden Ton versenden. Dieses Signal werde auch bei einem möglichen Ernstfall, etwa einem Chemieunfall, einer Extremwetterlage oder einem Großbrand ertönen, so Walus.

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Bei einem Ernstfall sollte für weitere Informationen umgehend Radio oder TV eingeschaltet werden. Um die Kommunikation auch bei einem Stromausfall zu ermöglichen, sei die Anschaffung eines batteriebetriebenen Radios sinnvoll.

Warntag: Wie funktioniert Cell Broadcast?

Anders als eine SMS wird die Warnmeldung über Cell Broadcast (Zell-Rundfunk) anonymisiert versendet. Alle eingeschalteten Handys in den Mobilfunkzellen des Gefahrengebietes erhalten – soweit das Betriebssystem es zulässt – die Warnung unabhängig von Registrierung oder Rufnummerangabe. Damit soll der Datenschutz gewährleistet sein.

Das Handy wird vibrieren, aufleuchten, klingeln. Eine Warnmeldung (Hinweis auf Probealarm) erscheint auf dem Display. Der „Silvestereffekt“ von SMS, der zeitliche Verzug beim Empfang, sei bei Cell Broadcast ausgeschlossen.

Warum können nur die Hälfte der Handys Cell Broadcast empfangen?

Älteren Handys fehlt die notwendige Software. Zudem müssen Updates aktualisiert sein. Das Handy darf sich nicht im Flugmodus befinden. Über die Einstellungen lässt sich prüfen, ob das Gerät Notfallbenachrichtigungen zulässt. Eine Liste der Cell-Broadcast-fähigen Endgeräte findet sich auf der Webseite des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).

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Warum gibt es in MV Lücken im Sirenennetz?

Mit Ende des Kalten Krieges haben vor allem die Städte Sirenen abgebaut. In Greifswald, Anklam und Stralsund ertönen deshalb am 8. Dezember (noch) keine Sirenen. Mithilfe von Fördergeld rüsten die Kommunen aber wieder auf. Rostock mit aktuell 20 Sirenen erweitert gerade sein Netz um zehn weitere Anlagen.

„Mit Abschluss der letzten Ausbaustufe im Frühjahr 2023 werden die internen Ziele zur Warnung der Bevölkerung erreicht sein“, so Stadtsprecher Ulrich Kunze. Auch Greifswald rüste bis Ende 2023 auf, sagte eine Sprecherin.

Ergänzend zu Radio- und Handymeldung warne die Stadt über soziale Medien. Der Städte- und Gemeindetag fordert eine Fortsetzung der Förderprogramme für Sirenen, um bestehende Lücken zu schließen. Auch problematisch: Ein Teil der Sirenen – wie in Vorpommern-Greifswald – wird nicht per Notstrom versorgt. Sie blieben bei einem Stromausfall stumm.

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