Unternehmen haben keine Zukunftsperspektiven

Russische Invasion: Ukrainische Wirtschaft Verlierer des Krieges

Hafenkräne stehen Hafen von Mariupol. Die Wirtschaft leidet unter der russischen Invasion (Archivbild).

Hafenkräne stehen Hafen von Mariupol. Die Wirtschaft leidet unter der russischen Invasion (Archivbild).

Kiew. Botschaften und andere internationale Vertretungen in der ukrainischen Hauptstadt Kiew schlossen schon reihenweise, bevor am Donnerstag die russische Invasion begann. Und ein Flug nach dem anderen wurde gestrichen, als Versicherungsgesellschaften es ablehnten, in der Ukraine ankommende Flugzeuge finanziell abzudecken. Investitionen im Umfang von Hunderten Millionen Dollar trockneten binnen Wochen ein. Jetzt, da das russische Militär die Ukraine von drei Seiten aus angreift, planen große und kleine Unternehmen nicht mehr für die Zukunft: Sie können kaum voraussehen, was in den nächsten Tagen und Wochen geschehen wird.

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Schon bevor der russische Präsident Wladimir Putin die Unabhängigkeit der Separatisten-Regionen im Osten des Landes anerkannte und damit praktisch die Invasion einläutete, war die ukrainische Wirtschaft ein großer Verlierer des Krieges. Russische Drohgebärden schwächten sie, während Russland selbst erst nach dem Angriff mit extrem harten westlichen Sanktionen fertig werden muss.

„Wie kommt es, dass wir bereits unter den Folgen leiden? Und Russland, das doch wirklich die ganze Welt bedroht, leidet nicht?“ fragte Andrej Stawnizer, Chef des Hafenbetreibers TIS Group, kurz vor der russischen Invasion und drückte damit aus, was wohl viele andere seiner Landsleute denken.

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Ukrainische Währung verlor stetig an Wert

Seit Januar, als die Krise zu eskalieren begann, die Konzentration von russischen Truppen und Waffen entlang der Grenzen immer bedrohlicher wurde, hat die nationale Währung, die Hrywnja, stetig an Wert verloren. Allein am Dienstag, nachdem Putin sein Dekret zur Anerkennung der Unabhängigkeit der ukrainischen Separatisten-Gebiete unterzeichnet hatte, war es ein Prozent. Die USA haben der Ukraine in der vergangenen Woche eine Milliarde Dollar (knapp 900 Millionen Euro) an Kreditgarantien angeboten, und das Europaparlament hat 1,3 Milliarden Dollar an Darlehen zum Abdecken finanzieller Bedürfnisse im laufenden Jahr gebilligt.

Aber bereits gegen Ende Januar hatten Anleger gehandelt, waren 12,5 Milliarden Dollar von Bankkonten abgehoben worden, wie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj seinerzeit mitteilte. Vor wenigen Tagen rief er Parlamentsmitglieder und Geschäftsleute, die geflüchtet waren, zur Rückkehr auf. Mehr als 20 Charter-und Privatflugzeuge haben Kiew in der vergangenen Woche verlassen, an Bord waren einige der prominentesten Firmen-Topmanager des Landes. Obwohl die ukrainische Regierung im Vorfeld der Invasion immer wieder dazu aufgerufen habe, nicht in Panik zu verfallen, seien Geschäftsleute umso nervöser geworden, sagt Wolodymyr Sidenko, ein Analyst am Rasumokow-Zentrum, einer Denkfabrik in Kiew.

„Kiews Wirtschaft ist in Scherben“, kommentierte denn auch kürzlich die Leiterin des staatseigenen russischen Nachrichtensenders RT, Margarite Simonjan, freudig und nannte die Entwicklung eine „kleine aber angenehme Sache“.

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Stellvertretende Regierungschefin sieht systematisches Vorgehen Russlands

Die stellvertretende ukrainische Regierungschefin Olga Stefanischyna sah in den frühzeitigen russischen Versuchen, die Wirtschaft zu destabilisieren, alles andere als einen Nebeneffekt. Sie sprach von einem systematischen Vorgehen - darauf angelegt, das Vertrauen in die Regierung zu schwächen. Nach jüngsten Schätzungen der US-Forschungseinrichtung Centre for Economics and Business Research hat der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine dem Land bereits zwischen 2014 und 2020 etwa 280 Milliarden Dollar an Verlusten beim Bruttoinlandsprodukt beschert.

Gastronom Jewgen Klopotenko in Kiew hat schon im Vorfeld des Angriffes nur noch Vorräte für jeweils ein paar Tage in seinen Küchen angelegt, damit sein Geld im Fall einer Eskalation nicht im wahrsten Sinne des Wortes verrottet. Sollte etwas passieren, werde er nicht schließen, sagte er ein paar Tage vor Beginn der Invasion, und wenn es so weit komme, dass er für die ukrainischen Streitkräfte kochen müsse, werde er das tun.

Aber diese Ankündigung kam zu einem Zeitpunkt, als viele in der Ukraine nocht glaubten, dass Putin nicht so weit gehen werde - bevor Explosionen nach Raketeneinschlägen die ukrainische Hauptstadt am Donnerstagmorgen zu erschüttern begannen.

RND/AP

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