Putin setzt Untersuchungskommission ein

Explosion auf der Krim-Brücke: Russische Behörden melden drei Tote

Nach mehreren schweren Explosionen auf der von Russland besetzten Schwarzmeer-Halbinsel Krim ist nach russischen Behördenangaben ein großer Brand auf der Bahnbrücke ausgebrochen.

Nach mehreren schweren Explosionen auf der von Russland besetzten Schwarzmeer-Halbinsel Krim ist nach russischen Behördenangaben ein großer Brand auf der Bahnbrücke ausgebrochen.

Kertsch. Einen Tag nach dem 70. Geburtstag des russischen Präsidenten Wladimir Putin sind Teile der strategisch wichtigen Kertsch-Brücke, die Russland mit der annektierten Krim verbindet, durch eine Explosion eingestürzt. Nach Angaben von russischen Behörden sollen mindestens drei Menschen getötet worden sein. Das nationale Ermittlungskomitee teilte am Samstagnachmittag mit, dass die Leichen aus dem Wasser gezogen worden seien. Es handele sich um vorläufige Angaben, hieß es. Die Menschen sollen in Fahrzeugen gesessen haben, als am Morgen auf der Autostrecke der Krim-Brücke ein vom Festland kommender Lastwagen explodiert sei.

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Die Autobombe habe sieben mit Treibstoff beladene Eisenbahnwaggons in Brand gesetzt, was zum „teilweisen Einsturz von zwei Brückenabschnitten“ geführt habe, erklärte das Nationale Antiterrorkomitee Russlands am Samstagvormittag. Das Fahrzeug fuhr den Angaben zufolge in Richtung des Küstenorts Kertsch auf der Krim.

Ein Satellitenbild zeigt die beschädigte Krim-Brücke.

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Am Nachmittag berichtete das Ermittlungskomitee über drei Leichen. Nach Angaben der Ermittler starben zwei Menschen, die in einem Auto neben dem explodierten Lastwagen fuhren. Die Identitäten des Mannes und der Frau müssten noch geklärt werden. Ermittelt worden sei bereits der Halter des Lastwagens. Es handele sich um einen Einwohner des Gebiets Krasnodar im Süden Russlands. Am Wohnort des Mannes liefen bereits die Untersuchungen.

Die Internetzeitung Ukrajinska Prawda berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise in Kiew, dass der Geheimdienst SBU hinter der Spezialoperation stecke. Der SBU bestätigte das nicht, veröffentlichte aber wie viele offizielle Stellen in der Ukraine in den sozialen Netzwerken Aufnahmen von der brennenden Brücke – und stellte ein Gedicht dazu.

Unfall oder Vorsatz? Krim-Brücke steht in Flammen

Am frühen Morgen soll sich ein Vorfall ereignet haben, der die Tanks eines Güterzuges in Brand gesteckt habe.

Bilder in den sozialen Medien zeigen Zug in Flammen

Auf in russischen und ukrainischen Medien am Samstagmorgen verbreiteten Bildern war zu sehen, wie Flammen aus einem Zug stießen und das gesamte Gleisbett brannte. Durch die Explosion ist es zu massiven Schäden an den Gleisanlagen und auf der Fahrbahn gekommen.

Die Behörden auf der Krim kündigten an, den Verkehr über Fähren und über den zuletzt in der Ukraine besetzten Landkorridor sicherzustellen. Es drohten keine Versorgungsengpässe, hieß es in der Krim-Hauptstadt Simferopol. Die für Russland auch strategisch überaus wichtige Brücke dient dem Straßen- und Eisenbahnverkehr.

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Putin setzt Kommission ein

Russlands Präsident Wladimir Putin ist nach Kremlangaben über den schweren Brand auf der Brücke zur Schwarzmeer-Halbinsel Krim informiert worden. Er habe angewiesen, eine Kommission zur Untersuchung der Ursachen des Feuers einzusetzen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Samstag der Agentur Interfax zufolge.

Der Präsident des vom Kreml unterstützten Regionalparlaments der Krim beschuldigte die Ukraine der Tat. Allerdings sei nur „die Oberfläche der russischen Brücke“ beschädigt worden, schrieb Wladimir Konstantinow auf Telegram. Das russische Energieministerium erklärte, der auf der Krim vorhandene Treibstoff reiche für 15 Tage. Es werde daran gearbeitet, die Vorräte aufzufüllen.

Die russische Außenamtssprecherin Maria Sacharowa erklärte, „die Reaktion des Kiewer Regimes auf die Zerstörung ziviler Infrastruktur“ zeige seine „terroristische Natur“.

Putin sagt vorerst nichts zur Explosion auf der Krim-Brücke

Nach offiziellen Angaben wird Putin wegen der Explosion nicht zu den Russen sprechen. Ein solcher Auftritt sei nicht geplant, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Samstag der staatlichen Nachrichtenagentur Ria Nowosti zufolge. Politische Beobachter hatten eine Ansprache des Präsidenten angesichts der schweren Schäden an der Brücke für wahrscheinlich gehalten.

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Dafür wies Putin per Dekret den Geheimdienst FSB an, die Kontrolle über die beschädigte Krim-Brücke zu verschärfen. „Dem FSB werden die Vollmachten übertragen zur Organisation und Koordination von Schutzmaßnahmen für den Transportweg über die Meerenge von Kertsch, für die Strombrücke der Russischen Föderation auf die Halbinsel Krim und die Gaspipeline vom Gebiet Krasnodar Krim“, hieß es in dem am Samstag veröffentlichten Dekret.

Bislang war die Verantwortung für die Sicherheit der Brücke laut dem Duma-Abgeordneten Alexander Chinstein dreigeteilt. Für die Überwachung des Luftraums war das Verteidigungsministerium verantwortlich, für die Seeüberwachung die Nationalgarde „Rosgwardija“. Die Auto- und Eisenbahnstrecke selbst wurde jedoch vom Verkehrsministerium kontrolliert.

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Bilder in Ukraine mit Jubel aufgenommen

In der Ukraine wurden die Bilder der zerstörten Brücke mit Jubel aufgenommen. „Krim. Die Brücke. Der Anfang“, schrieb der Berater des ukrainischen Präsidentenbüros, Mychajlo Podoljak, am Samstag bei Twitter. „Alles Illegale muss zerstört werden, alles Gestohlene muss an die Ukraine zurück.“

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Podoljak sagte nicht explizit, dass die Ukraine verantwortlich sei für die Explosionen und den Brand - und ruderte ein paar Stunden später mit kryptischen Äußerungen zurück. Er stellte den Anschlag als Konkurrenzkampf zwischen russischer Armee und Geheimdienst FSB dar. Der FSB versuche die Armeespitze auszuwechseln und sei nun plötzlich selbst angeschlagen, weil er den Angriff auf die Brücke verschlafen habe. „Ist es nicht offensichtlich, wer die Explosion verursacht hat?“, übte er sich in Verschwörungstheorien.

Auch der Vorsitzende der Partei Diener des Volks des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj äußerte sich nicht direkt zur Urheberschaft der Tat. Die „illegale russische Konstruktion“ falle auseinander und fange Feuer, schrieb David Arachamia auf Telegram. Der Grund sei einfach: „Wenn man etwas Explosives baut, wird es früher oder später explodieren. Und das ist erst der Anfang.“ Russland sei nicht besonders bekannt für zuverlässige Konstruktion.

Ukrainischer Sicherheitschef Danilow auf Twitter: „Happy Birthday Mr. President“

Der Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats der Ukraine, Oleksij Danilow, postete auf Twitter ein Video mit der brennenden Brücke auf der linken Seite und auf der rechten ein Video von Marilyn Monroe mit ihrem berühmten Song „Happy Birthday Mr. President“. Putin feierte am Freitag seinen 70. Geburtstag.

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Die Sprecherin des inhaftierten Kremlgegners Alexej Nawalny teilte ein Video in den sozialen Netzwerken von dem Feuer und den Schäden - und kommentierte, dass es sich wohl um ein Geschenk zum 70. Geburtstag Putins handele.

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Zwischenfälle mit Drohnen in der Region Kertsch

In der Hauptstadt Kiew gab es immer wieder Drohungen, die von Kremlchef Wladimir Putin eingeweihte Brücke zwischen der Halbinsel und dem russischen Festland unter Beschuss zu nehmen. Zuletzt kam es in der Region Kertsch, die auf der Krim direkt an die Brücke grenzt, immer wieder zu Zwischenfällen mit Drohnen, die explodierten. Die Explosionen verursachten auf der Krim schwere Schäden, unter anderen auf Militärstützpunkten.

Russland hatte eindringlich davor gewarnt, die Brücke – ein zentrales strategisches Bauwerk – unter Beschuss zu nehmen und für den Fall auch damit gedroht, Kommandozentralen in der ukrainischen Hauptstadt Kiew ins Visier zu nehmen. Die ukrainische Führung hatte mehrfach schwere Waffen für große Reichweiten aus dem Westen gefordert. Damit sollte dann auch die Brücke zerstört werden, wie es in Kiew hieß.

Selenskyj meldet weitere Geländegewinne in der Region Cherson

Am Mittwoch hatte das Verteidigungsministerium in Moskau behauptet, die russischen Truppen könnten ihre Stellungen in der Region Cherson halten.

Mit 19 Kilometern Länge gilt die Krim-Brückenanlage, die eine Autobahn und daneben eine Bahnstrecke hat, als längstes Bauwerk Europas. Kremlchef Putin hatte sie selbst 2018 eröffnet und war auch in einem Zug gefahren. Passagierzüge rollen seit Ende 2019, Güterzüge seit Sommer 2020.

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Der Verkehr wurde nach der Explosion eingestellt. Mehrere Stunden später wurde die Brücke für Autos und Züge wieder freigegeben. Für Lastwagen bleibe sie vorerst weiter gesperrt, schrieb Krim-Verwaltungschef Sergej Aksjonow am Nachmittag auf Telegram.

RND/dpa/ar

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