So reagiert die Welt auf die Bundestagswahl

Kanzlerin Merkel: Die Union hat bei der Bundestagswahl deutlich an Stimmen verloren.

Kanzlerin Merkel: Die Union hat bei der Bundestagswahl deutlich an Stimmen verloren.

Washington. Noch am Freitag hatte Donald Trump Deutschland eine erfolgreiche Bundestagswahl gewünscht. In einem Telefongespräch mit Angela Merkel hob der US-Präsident den besonderen Stellenwert der amerikanisch-deutschen Beziehungen hervor. Eine Bemerkung zu den Wahlergebnissen lässt aus dem Weißen Haus jedoch noch auf sich warten.

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Mit ungewöhnlich ausführlichen Analysen und Bewertungen warten allerdings die großen US-Medien auf. Die "New York Times", die Anfang des Jahres Merkel zur "letzten mächtigen Verteidigerin Europas" erhoben hatte, beschreibt sehr kenntnisreich das Dilemma, das die Kanzlerin bei den Koalitionsverhandlungen erwartet. Die renommierte Zeitung vergisst auch nicht den Hinweis, dass es wohl die Wahl vom Trump im November vergangenen Jahres war, die bei der CDU-Chefin den Ausschlag gegeben haben soll, eine vierte Amtszeit anzustreben.

„Die AfD ist doch nichts anderes als eine schändliche Bewegung“

Klare Worte zum Einzug der AfD in den Bundestag findet Ronald S. Lauder, Vorsitzender des Jüdischen Weltkongresses: „Die AfD ist doch nichts anderes als eine schändliche Bewegung, die an das Schlimmste an Deutschlands Vergangenheit erinnert. Sie sollte sofort verboten werden.“ Es sei abscheulich, dass diese Partei ihre „niederträchtige Agenda“ im deutschen Parlament verbreiten könne. Gleichwohl gratuliert der New Yorker Unternehmer der Wahlsiegerin: Merkel sei eine wahre Freundin Israels und des jüdischen Volkes. In ihrer bisherigen Amtszeit habe sie unnachgiebig den Antisemitismus bekämpft.

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Ähnlich äußert sich Israels Ministerpräsident. Benjamin Netanjahu nimmt auf Twitter sogar schon die Wahl zur Kanzlerin vorweg, obwohl die Abstimmung im Bundestag wahrscheinlich noch einige Wochen auf sich warten lässt: „Glückwünsche für Angela Merkel, eine wahre Freundin Israels, zu ihrer Wiederwahl als Kanzlerin von Deutschland.“

„Wir werden unsere Zusammenarbeit entschlossen fortführen“

Ebenfalls per Twitter meldete sich Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron zu Wort: „Wir werden unsere Zusammenarbeit, die unentbehrlich für Europa und unsere Länder ist, entschlossen fortführen.“ Geradezu überschwänglich gratulieren zudem die Regierungschefs aus dem Norden Europas. Lars Løkke Rasmussen schickt die Grüße gar auf deutsch: Der Erfolg Merkels sei auch gut für Dänemark. Und Merkels norwegische Kollegin Erna Solberg twittert: „Freue mich auf vier weitere Jahre ausgezeichneter Zusammenarbeit!“

Eine ganz andere Tonlage schlagen erwartungsgemäß die Rechtspopulisten an. So ist sich Marine Le Pen (Frankreich) sicher: „Das ist ein neues Symbol des Erwachens der europäischen Völker.“ Und Herbert Kickl von der FPÖ in Österreich meint: Kanzlerin Merkel habe durch die „Refugees-Welcome-Politik“ großen Schaden angerichtet.

Dagegen betont EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani: „Deutschland bleibt der europäischen Idee verbunden. Jetzt müssen wir Europa gemeinsam reformieren.“

Asselborn richtet eindringlichen Appell an demokratische Parteien

Der französische EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici bezeichnet den Einzug der AfD in den Bundestag gar als „Schock“. Er lege „Zweifel in der Gesellschaft“ in Deutschland offen. Zugleich betont Moscovici, die deutsche Demokratie sei heute stark - kein Vergleich mit 1933.

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Einen eindringlichen Appell an alle demokratischen Parteien richtet Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn. Wenn 70 Jahre nach Kriegsende wieder Neonazis im Bundestag sitzen, müssten alle demokratischen Parteien zusammenstehen - egal ob sie in der Regierung oder der Opposition sind.

Von Stefan Koch/RND

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