Tunesiens verlorene Söhne

Menschen aus Nordafrika machen sich auf dem Weg nach Europa in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Darunter sind viele Jugendliche. (Symbolbild)

Menschen aus Nordafrika machen sich auf dem Weg nach Europa in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Darunter sind viele Jugendliche. (Symbolbild)

Berlin. Deutschland und Tunesien haben eines gemeinsam. Beide Staaten sind exportorientiert. Die Ausfuhr von Autoteilen, T-Shirts und Bio-Olivenöl ist eine wichtige Einnahmequelle für Tunesien; niedrige Lohnkosten und günstige Anbaubedingungen sprechen für den Standort. Jedoch macht Tunesien derzeit auch in anderer, unrühmlicher Weise als Großexporteur von sich reden: Es verliert seine Söhne an das Ausland.

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5000 Tunesier kämpfen in Syrien und Libyen

Arbeitslosigkeit und Langeweile bestimmen in den Vorstädten von Tunis und in ländlichen Regionen den Alltag vieler. Die einen suchen daher ihr Glück in den Metropolen Europas, die anderen in den Terrorcamps des „Islamischen Staates“. 5000 Tunesier kämpfen auf den Schlachtfeldern Syriens und Libyens. Und wie der Fall des Berliner Attentäters Anis Amri zeigt oder auch jener des Tunesiers, der kürzlich im Zuge einer Salafisten-Razzia in Frankfurt verhaftet wurde, sind unter den Exilanten Wanderer zwischen den Welten.

Der tunesische Premier Youssef Chahed trifft am Dienstag Kanzlerin Angela Merkel in Berlin.

Der tunesische Premier Youssef Chahed trifft am Dienstag Kanzlerin Angela Merkel in Berlin.

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Sie tragen die mörderische Irrsinnsideologie des IS in die Metropolen Europas hinein. Über Tunesiens verlorene Söhne wird zu sprechen sein, wenn am Dienstag der Premier des Landes, Youssef Chahed, Kanzlerin Angela Merkel trifft. Tunesien darf sich nicht länger der Verantwortung für seine Jugend entziehen, darauf sollte die Kanzlerin ihren Amtskollegen hinweisen.

Merkel trifft Chahed

Die zuletzt bekannt gewordenen Fälle zurückgehaltener Ausreisepapiere für terrorverdächtige Tunesier sind ein Beleg für die tunesische Obstruktionspolitik. Die Blockadehaltung Tunesiens wie auch der anderen Maghreb-Staaten bei der Rücknahme eigener Staatsbürger betrifft aber nicht nur kriminelle Landsleute.

Im Maghreb wie auf dem gesamten afrikanischen Kontinent gilt Emigration als probates Mittel, um Druck herauszunehmen aus dem brodelnden Kessel. Ein solcher ist heute auch Tunesien. Auf Demokratie ist bisher kein Wohlstand gefolgt, die Hoffnungen vieler wurden enttäuscht. Und obwohl die 2011 erlassene Generalamnestie vielen Islamisten die Freiheit brachte, dankten sie es der jungen Demokratie nicht mit Loyalität, sondern bekämpfen sie, auch mit den Mitteln des Terrors.

Musterbeispiel des Arabischen Frühlings

So droht Tunesien, das einstige und einzige Musterbeispiel des Arabischen Frühlings, zu kippen. Ein zweites Libyen aber, einen weiteren gescheiterten Staat vor den Toren Europas, will niemand. Deshalb wird Deutschland Tunesien dabei unterstützen müssen, der Jugend Perspektiven zu eröffnen. Im Gegensatz zu anderen Ländern Afrikas sind dafür in Tunesien die Voraussetzungen günstig: Die deutsche Wirtschaft lässt dort schon lange fertigen, die Basis für eine enge Zusammenarbeit ist da. Zurzeit sucht die Deutsch-Tunesische Industrie- und Handelskammer einen Projektleiter, um die duale Berufsausbildung in Tunesien voranzutreiben. Hoffentlich wird sie schnell fündig.

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Von RND/Marina Kormbaki

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