Experten ordnen Berichte ein

Sorgen vor Nuklearschlag: Hat Putin einen Atomzug an die ukrainische Frontlinie geschickt?

Der russische Präsident Wladimir Putin soll laut Medienberichten einen Zug mit Spezialausrüstung, die zu atomaren Einheiten gehört, in die Ukraine geschickt haben.

Der russische Präsident Wladimir Putin soll laut Medienberichten einen Zug mit Spezialausrüstung, die zu atomaren Einheiten gehört, in die Ukraine geschickt haben.

Moskau. Nach seinen zahlreichen Atomdrohungen hat der russische Präsident Wladimir Putin offenbar einen Güterzug mit atomarer Spezialausrüstung an die Grenze der Ukraine geschickt. Das berichteten zunächst die britischen Zeitungen „The Times“ und „Daily Mail“. Demnach zeigen Videos, die in den sozialen Netzwerken kursieren, wie der mit Waffen und Militärfahrzeugen beladene Zug durch Zentralrussland in Richtung ukrainische Grenze fährt.

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Gegenüber der „Times“ bringen Experten den Zug in Verbindung mit einer Abteilung des russischen Verteidigungsministeriums, die für die Lagerung, den Transport und die Bereitstellung von strategischen Raketentruppen zuständig ist. Dazu gehören demnach auch Nuklearwaffen. Bereitet Russland nun eine nukleare Eskalation vor?

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Experte Mangott: „Teil einer nuklearen Botschaft“

Nach Einschätzung des Russland-Experten Gerhard Mangott von der Universität Innsbruck könnte der Transport Teil einer „nuklearen Botschaft“ an die Ukraine und den Westen sein. „Die schon seit Monaten andauernden Ansagen über den Einsatz aller möglichen Mittel – auch nuklearer Mittel – zur Verteidigung Russlands haben ihren Abschreckungseffekt nicht erfüllt“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Das wäre nun ein noch deutlicherer Schritt.“ Ein tatsächlicher Einsatz von Nuklearwaffen sei dadurch aber erst mal nicht näher gerückt.

Dasselbe gelte auch für die Tatsache, dass das russische Atom-U-Boot „Belgorod“ seinen Stützpunkt im Weißen Meer verlassen habe, oder für die Gerüchte über einen möglichen Test mit der atomfähigen Unterwasserdrohne Poseidon. „All das sehe ich, wenn die Berichte stimmen, eher als eine nukleare Botschaft und nicht als konkrete Vorbereitung für einen nuklearen Test oder gar einen nuklearen Angriff“, so der Experte.

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Der Transport mit dem Güterzug könnte zudem Teil einer häufig im Herbst stattfindenden Übung der strategischen Raketenstreitkräfte sein, erklärt Mangott. Trotz des anhaltenden Krieges hält der Experte es für wahrscheinlich, dass eine solche Übung auch in diesem Jahr stattfinden könnte.

Falls es sich bei dem Transport tatsächlich um einen weiteren Abschreckungsversuch handele, sieht Mangott den Effekt als sehr begrenzt. „Es bleibt aber die grundsätzliche Situation, dass die russische Führung im Falle einer Kriegsniederlage zu diesem äußersten Mittel greifen könnte – aber da sind wir noch längst nicht.“

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Militärexperte Berni: „Er blufft weiterhin“

Auch Militärexperte Marcel Berni von der Militärakademie an der ETH Zürich sieht den Transport als Botschaft, dass Putin seine Drohkulisse weiter ausbauen will. „Putin droht immer dann mit einer atomaren Eskalation, wenn er in der Defensive ist“, sagte er gegenüber dem RND. Die militärische Lage habe sich für Russland in den letzten Wochen immer weiter zugespitzt. „Putin entgleitet die militärische Kontrolle in weiten Teilen der Ukraine, damit hat er nicht gerechnet.“

Dennoch glaubt der Militärexperte nicht, dass der russische Präsident tatsächlich zu diesem Mittel greifen würde: „Das nukleare Säbelrasseln begleitet uns schon den ganzen Krieg hinweg. Er blufft weiterhin.“ Zudem könne man nicht mit Sicherheit sagen, was sich tatsächlich auf dem Güterzug befinde. „Es scheint mir aber ein nonverbales Zeichen zu sein mit der Botschaft: ‚Ich bin bereit zur Eskalation‘“.

Den Einsatz von Nuklearwaffen in der Ostukraine hält Berni für sehr unwahrscheinlich, da dort Gebiete aus Sicht von Russland nach den Scheinreferenden nun zum eigenen Land gehören. „Das macht aus meiner Sicht keinen Sinn“ erklärt er. Generell denke er nicht, dass der Einsatz von taktischen Nuklearwaffen den Krieg entscheiden würde. „Im Gegenteil, es würde Putins Gegnerschaft noch mehr vergrößern.“

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