Mehr Kritik erlaubt?

„Wir müssen aufhören zu lügen“: Der Kreml ändert seine Propagandastrategie

Ein ukrainischer Soldat inspiziert ein Kindergarten­zimmer mit dem Zeichen Z an der Tür, das von den russischen Streitkräften im der kürzlich zurückeroberten Gebiet Kapitoliwka benutzt wurde (Symbolbild).

Ein ukrainischer Soldat inspiziert ein Kindergarten­zimmer mit dem Zeichen Z an der Tür, das von den russischen Streitkräften im der kürzlich zurückeroberten Gebiet Kapitoliwka benutzt wurde (Symbolbild).

Angesichts schwerwiegender Niederlagen im Angriffskrieg gegen die Ukraine ändert der Kreml offenbar seine Propaganda­strategie. Berichteten Medien noch in den ersten Monaten der Invasion kaum bis gar nicht über militärische Niederlagen Russlands, so lassen sie nun deutliche Kritik an den russischen Streitkräften verlauten. Das berichtet das Nachrichten­portal Bloomberg.

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Normalerweise habe das Verteidigungsministerium in den vergangenen Monaten stets militärische Niederlagen oder Rückschläge in der Ukraine mit positiven Berichten kaschieren können – das sei nun so nicht mehr möglich, zitiert Bloomberg mit der Propaganda­strategie vertraute Personen in Kremlkreisen.

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Andrej Kartapolow, Vorsitzender des Verteidigungs­ausschusses im russischen Parlament, forderte zuletzt im Staats­fernsehen: „Wir müssen aufhören zu lügen. Unsere Leute sind nicht dumm.“ Gerade in Zeiten einer überaus erfolgreichen ukrainischen Gegenoffensive und einer Teilmobilmachung der Streitkräfte in Russland ist der Kreml auf die Unterstützung angewiesen.

„Es wird nach den Verantwortlichen gesucht“

Daher rühre wohl auch der Schwenk in Richtung einer weniger lobhudelnden Propaganda, mutmaßt das US-Nachrichten­portal. Andererseits könne der Schritt aber ebenfalls einen Wechsel in der militärischen Strategie hin zu mehr willkürlichen Angriffen auf die Zivil­bevölkerung bedeuten, zitiert Bloomberg Tatjana Stanowaja, Gründerin der Forschungs­gruppe R.Politik. Denn das forderten bereits mehrfach Hardliner der russischen Elite. In dieser Gruppe sei eine Diskussion darüber entbrannt, wie der Krieg zu gewinnen sei. „Es wird nach den Verantwortlichen gesucht und versucht, Putin dazu zu bringen, nach anderen Lösungen zu suchen.“

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Zuletzt hatte sich der Kremlchef dem Bericht zufolge auch mehrfach mit Kriegsreportern zusammengesetzt, die ihm ein realistisches Bild von der Front und der prekären Situation der russischen Streitkräfte gezeichnet hätten. Nur wenig später habe Putin dann die Teil­mobilmachung angeordnet, mit der er 300.000 Mann aus der Reserve in den Krieg in der Ukraine schicken will.

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Wann kommt es zu Kritik an Putin?

Selbst der TV-Moderator und Propagandist Wladimir Solowjow sagte kürzlich in seiner Show: „Die Dinge laufen nicht gut für uns auf dem Schlachtfeld.“ Solowjow ist bekannt für seine äußerst scharfen Kommentare und Forderungen zum Krieg in der Ukraine. Bereits mehrfach forderte er etwa direkte Angriffe auf Deutschland wegen der Unterstützung für die Ukraine.

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Kritik am russischen Präsidenten Putin kommt hingegen wohl noch nicht auf. „Die Frage ist: Wenn wir über das Chaos, die Teil­mobilisierung sprechen, warum die Dinge so passiert sind, wie sie in Lyman oder Balaklija passiert sind, haben wir alle die gleiche Frage: Ist unser Oberbefehlshaber informiert? Ist sich Wladimir Wladimirowitsch dessen bewusst?“, fragte Margarita Simonjan, eine der wichtigsten Nachrichten­sprecherinnen im staatlichen Fernsehen, am Sonntag. „Ich denke, er ist sich dessen bewusst und versteht es sehr gut.“

RND/sic

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