Wer folgt in der Downing Street?

Vier mögliche Nachfolger für Boris Johnson

Der 52 Jahre alte bisherige Verteidigungsminister wäre der ideale Johnson-Nachfolger aus der Sicht Berlins und Brüssels.

Der 52 Jahre alte bisherige Verteidigungsminister wäre der ideale Johnson-Nachfolger aus der Sicht Berlins und Brüssels.

Rishi Sunak

Der 42 Jahre alte, frisch zurückgetretene Finanzminister war der erste Hindu auf diesem Posten. In vielerlei Hinsicht wäre er wohl der für Großbritannien ideale neue Premier.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Kandidat eins: Rishi Sunak.

Kandidat eins: Rishi Sunak.

Vorteile: Sunak gilt als ein Mann der Zahlen und Fakten. Er will den Leuten nach eigenen Worten keine Versprechungen machen, abgesehen davon, dass er ihnen stets die Wahrheit sagen werde. Ethisch und stilistisch wäre dies exakt die Wende, die Großbritannien nach den chaotischen und verlogenen Johnson-Jahren gebrauchen könnte. Sunak gilt als pragmatisch. Er würde die komplizierten Beziehungen zur EU ohne immer neue emotionale Aufwallungen ordnen können.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Nachteile: Die Wahrheit zu sagen, speziell über die Haushaltslage, kommt oft nicht gut an in der Politik. Die Gewerkschaften, genervt von hoher Inflation und niedrigen Sozialleistungen, würden in Sunak eine Wiederkehr Margaret Thatchers sehen. Die Konservativen wiederum würden es ihm verübeln, dass er vor der nächsten Steuersenkung erst mal den Staatshaushalt in Ordnung bringen will. Jüngst sammelte Sunak Minuspunkte, als herauskam, dass seine Frau dank eines speziellen ausländerrechtlichen Status Steuern spart.

Eignung: sehr gut

Chancen: mittel

ARCHIV - 27.11.2021, Großbritannien, London: Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, fasst sich mit einer Hand durch die Haare, als er an einer Pressekonferenz zu der neuen Variante des Coronavirus' teilnimmt.     (zu dpa "BBC: Boris Johnson will als Tory-Parteichef zurücktreten") Foto: Hollie Adams/Getty Images Pool/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Skandalakte Johnson

Der britische Premier Boris Johnson steht wieder mal mächtig in der Kritik. Doch dieses Mal hatte es Konsequenzen. Die Liste der Johnson-Affären war ohnehin schon sehr lang – ein Überblick.

Liz Truss

Die 46-Jährige blickt auf eine stetige Karriere bei Großbritanniens Konservativen. Unter Theresa May war sie Justiz-, unter Johnson sogar Außenministerin. Als Premierministerin dürfte sie jedoch überfordert sein.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Kandidatin zwei: Liz Truss.

Kandidatin zwei: Liz Truss.

Vorteile: Truss ist mit den Führungskreisen ihrer Partei gut vernetzt und genießt auch bei den einfachen Mitgliedern hohe Sympathiewerte. Mit einem harten Anti-EU-Kurs sammelte sie jahrelang Punkte bei den Brexiteiferern. Zuletzt gewann sie Profil durch ebenfalls betont harten Kurs gegenüber Russland in der Ukraine-Krise. Dass sie sich in einem Panzer ablichten ließ, weckte Assoziationen an Thatcher: Manche sehen in ihr die kommende „eiserne Lady“ Großbritanniens.

Nachteile: Truss hielt lange zu Johnson. Und wie bei ihm ist auch bei ihr manches mehr Schein als Sein. In der Begegnung mit internationalen Schwergewichten wie dem russischen Außenminister Sergej Lawrow stößt sie an Grenzen: Der lockte sie bei einer Begegnung in Moskau aufs Glatteis mit der Frage, ob sie niemals die russische Souveränität über Rostow und Woronesch anerkenne – was Truss tatsächlich entschieden verneinte. Beide Regionen gehören aber seit hundert Jahren zu Russland.

Eignung: schlecht

Chancen: gut

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Penny Mordaunt

Die 51-Jährige war schon mal Verteidigungsministerin – wurde aber von Johnson prompt entlassen, als er Premierminister wurde. Johnson sortierte seine Umgebung nach Loyalität statt nach Kompetenz.

Kandidatin drei: Penny Mordaunt.

Kandidatin drei: Penny Mordaunt.

Vorteile: Mordaunt punktet in ihrer Partei damit, dass sie für einen klaren Pro-Brexit-Kurs steht – ohne allzu nationalistisch zu klingen und ohne etwas mit Boris Johnson zu tun zu haben. Ihr größtes Plus ist ihr Talent, Arbeitnehmerstimmen für die Konservativen einzusammeln. Dies gelang ihr im Wahlkreis Portsmouth, wo sie einen traditionell von Labour verteidigten Parlamentssitz gewonnen hat. Mordaunt macht sich ganz eigene Gedanken über die Zukunft, 2021 erschien ihr nachdenkliches Buch „Greater: Britain after the storm“.

Nachteile: Mordaunt war stets im Lager der Johnson-Gegner. Schon vor dessen Kandidatur unterstützte sie Johnsons Intimfeind Jeremy Hunt. Als jetzt die Lockdownpartys und andere Skandale rund um Johnson bekannt wurden, sprach Mordaunt von einer Schande für das ganze Land. Manche meinen, sie sei in ihrer Kritik an Johnson mitunter zu weit gegangen. Das könnte es langjährigen Anhängern des Premierministers erschweren, sie als neue Integrationsfigur anzuerkennen.

Eignung: gut

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Chancen: mittel

Ben Wallace

Der 52 Jahre alte bisherige Verteidigungsminister wäre der ideale Johnson-Nachfolger aus der Sicht Berlins und Brüssels. Doch auch für die Briten selbst wäre er eine gute Wahl.

Kandidat vier: Ben Wallace.

Kandidat vier: Ben Wallace.

Vorteile: Der Ex-Soldat, der einst auch in Deutschland gedient hat, mag kein großer Redner sein, ist aber nachweislich ein Mann der Tat. Kein Verteidigungsminister in Europa verschob so schnell und so effektiv auch moderne Systeme an die Front in der Ukraine wie er. Zuletzt grüßte Wallace in Umfragen vom Siegertreppchen als beliebtester Londoner Minister. Sein politischer Vorlauf im schottischen Parlament könnte helfen, die dortigen Unabhängigkeitsbestrebungen zu dämpfen.

Nachteile: Gegen Wallace spricht so gut wie gar nichts. Manchen Parteimitgliedern erscheint er allerdings als allzu farblos und altmodisch, um einen Neuanfang nach Johnson zu verkörpern; mit ihm werde die Partei es schwer haben, einfache Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Immigrantinnen und Immigranten und aufstrebende Frauen an sich zu binden. Auch wird ihm zur Last gelegt, bislang zu wenig eigene Ambitionen gezeigt zu haben.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Eignung: gut

Chancen: gut

Laden Sie sich jetzt hier kostenfrei unsere neue RND-App für Android und iOS herunter

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen