Walter Kohl darf nicht ins Haus seines Vaters

Vor verschlossenen Türen: Ein Polizist wies Walter Kohl auf ein bestehendes Hausverbot hin.

Vor verschlossenen Türen: Ein Polizist wies Walter Kohl auf ein bestehendes Hausverbot hin.

Ludwigshafen. Walter Kohl fand sich vor verschlossenen Türen wieder. Der älteste Sohn des verstorbenen Altkanzlers wollte am Mittwoch das Haus seines Vaters in Ludwigshafen-Oggersheim betreten, doch erhielt keinen Zugang. Kohl sagte, er sei von der Polizei auf ein bestehendes Hausverbot hingewiesen worden. Er hatte zur Mittagszeit mehrfach vergeblich an der Tür geklingelt und etwa eine halbe Stunde gewartet.

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Bereits am Freitag musste der 53-Jährige länger mit der Polizei diskutieren, um ans Sterbebett seines Vaters zu dürfen. Von dessen Tod hatte er eigenen Angaben zufolge aus dem Radio erfahren. Jahrelang hatte er keinen Kontakt zu dem Mann, der international als „großer Staatsmann“ und „großer Europäer“ gewürdigt wird.

Das Verhältnis zwischen Walter Kohl und seinem Vater galt als entsprechend angeschlagen. In seinem Buch „Leben oder gelebt werden“ seziert der Sohn des ehemaligen Kanzlers das Leben im Hause Kohl, erzählt von Kälte und Distanz. Er beschreibt den Vater als einen, der alles für die Politik gab und für den die Familie nicht mehr war als ein Teil des politischen Bühnenbildes. „Die Partei war seine Familie, nicht wir“.

„Die gewollte und bewusste Inszenierung eines Eklats“

Derweil beteuerte Stephan Holthoff-Pförtner, der Anwalt der Witwe Maike Kohl-Richter, er habe aktiv das Gespräch mit Walter Kohl gesucht, um zu klären, wie sich die Söhne und Enkel von Helmut Kohl verabschieden könnten. Kohl habe eingewilligt, am Dienstagnachmittag ein Telefonat dazu zu führen, sagte Holthoff-Pförtner. Zum verabredeten Zeitpunkt sei Walter Kohl dann aber nicht erreichbar gewesen – trotz mehrfacher Kontaktversuche.

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Dass Walter Kohl stattdessen am Mittwoch mit Kohls Enkeln unangemeldet vor dem Haus auftauche und um Einlass bitte, sei „die gewollte und bewusste Inszenierung eines Eklats“, beklagte der Anwalt. „Das sprengt den Rahmen dessen, was man tolerieren kann.“ Die Darstellung von Walter Kohl, dass er durch Witwe Maike Kohl-Richter abgeschirmt werde, sei falsch.

In den Geschichtsbücher wird Helmut Kohl als Vater der deutschen Einheit und großer Förderer der europäischen Idee beschrieben werden. Nicht ohne Grund soll er als erster verstorbener Politiker mit einem europäischen Staatsakt in Straßburg geehrt werden. Wie sich seine Familie seiner erinnern wird, steht jedoch auf einem anderen Blatt geschrieben.

Von RND/dpa

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