Kaum Strom und Wasser in Haushalten

Winter unter widrigsten Umständen: Wie der Ukraine jetzt geholfen wird

Nach der Zerstörung seines Wohnhauses in Irpin muss der Ukrainer Oleksandr Wyschyhowskyj in einer Garage leben. Da er dort nicht mit Wasser versorgt wird, muss er es sich aus öffentlichen Brunnen beschaffen.

Nach der Zerstörung seines Wohnhauses in Irpin muss der Ukrainer Oleksandr Wyschyhowskyj in einer Garage leben. Da er dort nicht mit Wasser versorgt wird, muss er es sich aus öffentlichen Brunnen beschaffen.

Kiew/Hannover. Die Ukraine steckt mitten in einem harten Winter. Die russischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur haben in weiten Teilen des Landes die Versorgung der Zivilbevölkerung mit Strom, Wasser und Gas zusammenbrechen lassen. Reparaturen sowie stundenweise Stromabschaltungen in manchen Regionen können die Probleme nur teilweise lösen. Angesichts dessen ist mehr und mehr die Arbeit von Hilfsorganisationen vor Ort gefragt.

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„Viele große Städte und einige Regionen der Ukraine sind ohne Strom, im ganzen Land wurden Notstromabschaltungen eingeführt“, berichtet ein Sprecher des Roten Kreuzes Ukraine (URK) dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Die Situation sei von Region zu Region, manchmal aber auch zwischen Nachbarstädten, unterschiedlich. „Stromausfälle über mehrere Stunden treffen vor allem die Stadtbewohner, da Wasserversorgung und Kanalisation in dieser Zeit nicht funktionieren.“ Viele würden jedoch auch Elektroherde zum Kochen verwenden, die dann ebenfalls nicht nutzbar sind.

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„Hunderttausende Menschen leben in der Konfliktzone“

Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) habe sich zuletzt darauf konzentriert, Einrichtungen kritischer Infrastruktur zu unterstützen. Insbesondere in den Regionen Charkiw und Poltawa verbesserten sich so laut Angaben des URK die Lebensbedingungen der Menschen, indem Möglichkeiten zum Heizen wiederhergestellt wurden. In den Regionen Kiew, Charkiw, Mykolajiw sowie Tschernihiw hätten bis zu rund 1,3 Millionen Menschen davon profitiert, gibt das Rote Kreuz an. Hinzu kämen Spenden von Werkzeugen und Baumaterial für Reparaturen von Gebäudeschäden durch Beschuss in rund 3600 Haushalten in mehreren Regionen.

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„Hunderttausende Menschen leben in der Konfliktzone, was sie weiterhin stark beeinträchtigt – ob es gerade Beschuss gibt oder nicht“, sagt der URK-Sprecher dem RND. Schwierigkeiten gebe es dann vielmehr durch den Mangel an zentraler Wasser- sowie medizinischer Versorgung. Diese Probleme seien jedoch langfristiger Natur.

THW beschafft Hunderte Stromgeneratoren

Auch deutsche Hilfsorganisationen beteiligen sich an der Winterhilfe für die Ukraine. Nach eigenen Angaben hat etwa das Technische Hilfswerk (THW) bereits 147 Stromgeneratoren an das angegriffene Land geschickt, der Transport von 329 weiteren Geräten sei in Vorbereitung. Die Beschaffung habe einen Gesamtwert von rund 19,5 Millionen Euro. Dabei handele es sich durchweg um neue Geräte, die zum Teil direkt dem staatlichen ukrainischen Energieversorger Ukrenergo bereitgestellt worden seien. Sie sollen dabei helfen, die provisorische Stromversorgung wichtiger Einrichtungen sicherzustellen.

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„Die Geräte sind teilweise dafür geeignet, auf PKW-Anhängern montiert zu werden, sodass sie sehr flexibel genutzt werden können“, erklärt das Hilfswerk auf Anfrage des RND. Andere wiederum seien nicht mobil, könnten aber die Grundversorgung mit Strom eines Krankenhauses sicherstellen. „Das Leistungsspektrum der Generatoren reicht von 5 bis 1250 Kilovoltampere.“ Man sondiere den Markt zudem stetig, „um weitere Beschaffungen zu initiieren“, so die Bundesanstalt. Die Verteilung der Geräte übernehmen ukrainische Organisationen wie etwa der Zivil- und Katastrophenschutz des Landes.

Hilfen beim Zivil- und Katastrophenschutz

Mit Blick auf mögliche Blackouts in Deutschland in diesem Winter sieht das Hilfswerk die Lage hierzulande durch die Beschaffungen für die Ukraine nicht beeinträchtigt. „Nach unseren Einschätzungen beeinflussen unsere Beschaffungen die Situation in Deutschland nicht“, teilt das THW mit.

„Neben der Unterstützung der verschiedenen ukrainischen Partner mit Stromerzeugern“ setze man zudem Hilfslieferungen insbesondere für den Zivil- und Katastrophenschutz fort. „Hier werden neben Spezialfahrzeugen, Baumaschinen und etwa Feuerwehrfahrzeuge auch Rettungsgeräte, Werkzeuge oder Güter zur Schuttbeseitigung ausgeliefert“, erklärt das THW. Dazu unterstütze man nationale und regionale Wasserversorger sowie weitere staatliche Institutionen.

DRK-Winterhilfe für die Ukraine ist angelaufen

Auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat bereits geliefert: „Die massive und anhaltende Zerstörung ziviler Infrastruktur beeinträchtigt die Wasser-, Energie- und Wärmeversorgung in der Ukraine insgesamt und gefährdet immer mehr Menschen akut“, sagt DRK-Generalsekretär Christian Reuter laut einer Mitteilung der Organisation.

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Im brandenburgischen Schönefeld bereitet ein Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Hilfslieferungen an die Ukraine vor.

Im brandenburgischen Schönefeld bereitet ein Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Hilfslieferungen an die Ukraine vor.

Mit 7000 Heizöfen zum Wärmen und Kochen sowie mehr als 20 mobilen Tankanlagen werde die Bevölkerung laut Angaben der Organisation unterstützt. Zudem lieferte das DRK bereits 82 Stromgeneratoren an die Ukraine, 215 weitere sollen folgen. „Von unseren Kollegen des Ukrainischen Roten Kreuzes und dem IKRK werden Generatoren verschiedener Leistungsstärken angefragt, um diese in unterschiedlichen Kontexten und Programmen einsetzen zu können“, teilt das DRK auf Anfrage des RND mit. Im Einsatz seien die Geräte etwa in Sammelunterkünften, Büros, Krankenhäusern, Wärmestuben und auch privaten Haushalten. Bedarf wie auch die Nachfrage nach den Generatoren seien sehr hoch, berichtet das DRK.

DRK: Winter bringt „enorme Herausforderungen“ für Ukrainerinnen und Ukrainer

Die Hilfsgesellschaft unterstützt laut eigenen Angaben in Vorbereitung auf den Winter besonders ihre lokalen Partner in Rivne, Volyn, Odessa und Dnipro. Dabei werde Hilfe für die Versorgung von sowie Reparaturen an Sammelunterkünften geleistet. Hinzu komme Unterstützung bei leichten Reparaturen privater Haushalte in Form von Bargeld und zur Versorgung gastgebender Haushalte.

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Nicht zuletzt bereite man sich auf mögliche neue Fluchtbewegungen in den Wintermonaten vor. Dazu habe man in Kooperation mit dem Polnischen Roten Kreuz die Bestände im Logistikdrehkreuz in Lublin aufgestockt und Nothilfegüter für die Überwinterung von mehr als 2000 Menschen beschafft. Daneben seien Bargeldhilfen im Wert von 1,3 Millionen Euro für 2800 Geflüchtete, die bereits in Polen sind, ausgegeben worden. „Die bevorstehenden Wintermonate bringen für die betroffenen Menschen sowohl im Land als auch auf der Flucht enorme Herausforderungen mit sich“, so Generalsekretär Reuter.

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