Corona-Spätfolgen

Kassendaten zeigen: Long-Covid-Erkrankte im Schnitt 105 Tage krankgeschrieben

Eine Passantin trägt eine FFP2-Maske in der Hand.

Eine Passantin trägt eine FFP2-Maske in der Hand.

Berlin. Knapp ein Prozent der an Corona erkrankten Beschäftigten hat im vergangenen Jahr so schwer unter Long-Covid-Symptomen gelitten, dass sie für längere Zeit krankgeschrieben werden mussten. Das hat eine Auswertung der Behandlungsdaten von rund vier Millionen Versicherten der Techniker-Krankenkasse ergeben, die am Dienstag veröffentlich wurde.

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Allerdings sei von einer hohen Dunkelziffer auszugehen, da aufgrund des vielfältigen Krankheitsbildes von den Ärztinnen und Ärzten häufig nicht der erst seit November 2020 zur Verfügung stehende Diagnoseschlüssel für Long Covid zur Dokumentation genutzt werde, sagte Kassenchef Jens Baas bei der Vorstellung des Gesundheitsreports.

Laut den Daten spielen die Fehlzeiten durch Long-Covid zwar im gesamten Krankheitsgeschehen der Beschäftigten bisher nur eine untergeordnete Rolle, sie sind im Mittel mit 105 Tagen jedoch überdurchschnittlich lang.

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Die Zahlen im Detail

Long beziehungsweise Post-Covid zeichnet sich durch eingeschränkte Belastbarkeit, massive Erschöpfung, Kurzatmigkeit sowie Muskel- und Gelenkschmerzen aus. Der TK-Gesundheitsreport basiert auf Daten aus den Jahren 2020 und 2021.

Laut TK ergab die Auswertung, dass rund 2,3 Prozent der versicherten Erwerbstätigen – insgesamt rund 100.000 Menschen – 2020 nachweislich (per PCR-Test) an Corona erkrankt waren. Bei 773 von ihnen – also bei knapp einem Prozent – wurde 2021 eine Krankschreibung aufgrund von Long Covid registriert.

Spätfolgen nach Corona-Infektion: Was wissen wir über Long Covid?

Long Covid betrifft alle Altersgruppen. Selbst Kinder und Jugendliche können langanhaltende Symptome entwickeln – wohl aber seltener als Erwachsene.

Schon leichte Corona-Infektionen können der Erhebung zufolge für viele Fehltage im Folgejahr sorgen. Long-Covid-Betroffene mit leichtem Verlauf einer Corona-Infektion waren 2021 durchschnittlich 90 Tage krankgeschrieben. Long-Covid-Patienten, die wegen ihrer Corona-Infektion mehr als sieben Tage im Krankenhaus lagen, waren im darauffolgenden Jahr im Schnitt 168 Tage krankgeschrieben.

Bei den Betroffenen, die im Krankenhaus beatmet werden mussten, waren es sogar durchschnittlich 190 Tage. Zum Vergleich: Im Schnitt war jede TK-versicherte Erwerbsperson im letzten Jahr knapp 15 Tage arbeitsunfähig gemeldet.

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„Noch nicht abzusehen, was da noch auf uns zukommt“

Laut Report waren die Krankschreibungen wegen Long Covid 2021 für 0,35 Prozent aller Fehltage verantwortlich. Die Autoren haben allerdings mit Modellrechnungen versucht, die Dunkelziffer auszuleuchten. Dabei kommen sie mit 1,6 Prozent auf einen vierfach höheren Anteil. Das sind in absoluten Zahlen zehn Millionen von insgesamt 700 Millionen Fehltagen. Im Report heißt es, auch das sei ein relativ kleiner Anteil.

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Mit Blick auf die weitere Entwicklung der Pandemie könne der Wert allerdings bedenklich erscheinen: So könnten sich die höheren Infektionszahlen 2022 auch hinsichtlich ihrer Spätfolgen erheblich auf die zukünftigen Arbeitsfehlzeiten auswirken, heißt es im Report. „Daher ist noch nicht abzusehen, was da gegebenenfalls noch auf uns zukommt“, sagte Kassen-Chef Baas.

Christian Gogoll, Lungenfacharzt an der Evangelischen Lungenklinik Berlin und Mitverfasser der medizinischen Leitlinien für Long-Covid rät Betroffenen, sich möglichst frühzeitig Hilfe zu holen. „Long-Covid ist eine Krankheit mit vielen Gesichtern. Daher gibt es auch nicht ‚die eine‘ richtige Behandlungsmethode“, sagte Gogoll, der selbst Long-Covid-Patient ist.

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