Erstaunlicher Imagewandel

Queen Consort Camilla: die Frau an Charles’ Seite

Der britische König Charles III. und seine Frau Queen Consort Camilla vor dem Hillsborough Castle in Nordirland.

Der britische König Charles III. und seine Frau Queen Consort Camilla vor dem Hillsborough Castle in Nordirland.

London. Als sich König Charles III. und seine Frau Camilla am vergangenen Freitag in der Öffentlichkeit vor dem Buckingham-Palast zeigten, stieg die 75-Jährige als Erste aus dem schwarzen Rolls-Royce. Einige Meter hinter dem neuen Monarchen schüttelte sie Hände und sprach mit den Menschen. In der Innenstadt von Edinburgh wurde das Paar diese Woche mit Beifall empfangen. Dass Camilla einmal die Frau an der Seite des Königs würde, war jedoch nicht selbstverständlich. Einst als „Rottweiler“ beschimpft, dauerte es Jahrzehnte, bis sie von Britinnen und Briten akzeptiert wurde. Jetzt erhielt sie den Titel Queen Consort, Königsgemahlin. Wie war dieser Wandel möglich?

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Es ist ein ikonisches Foto von Camilla und Charles, geschossen in den 1970er-Jahren. Er trägt ein rot-weißes Poloshirt, sie ein rotes Oberteil. Sie stehen sich gegenüber und scheinen in ein Gespräch vertieft. Das Bemerkenswerte an diesem Bild ist Camillas Haltung. Sie wirkt gelassen, kommuniziert mit Charles auf Augenhöhe. Es sei genau das gewesen, was er immer an ihr geschätzt habe, schreibt Penny Junor in ihrem Buch „The Duchess: The Untold Story“. Sie sei nie eingeschüchtert gewesen, habe ihn nicht angehimmelt. Stattdessen war sie natürlich und freundlich.

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Die zweite Ehefrau von Prinz Charles wird mittlerweile auch von den Briten respektiert. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes YouGov ist sie insbesondere bei der Babyboomer-Generation beliebt. Wie Charles, schätzen sie die Menschen mittlerweile für ihren Charakter und haben sie als die Frau an seiner Seite akzeptiert. In der Öffentlichkeit zeigt sie sich seit Jahrzehnten freundlich, humorvoll und direkt. Es komme gut an, dass man bei ihr weiß, woran man ist, betonen Beobachter.

Negativer Gegenpol zu Diana

In den 90er-Jahren hatten die Menschen in Großbritannien jedoch einen anderen Eindruck von ihr. Camilla sei eine Art „Antiheldin“ gewesen, erklärte Kulturwissenschaftlerin Imke Polland-Schmandt, die an der Universität Gießen zum Bild der Royals in den britischen Medien forscht, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Über Jahrzehnte hinweg wurde sie als der negative Gegenpol zu Diana, der Prinzessin der Herzen, gesehen. Camilla war, die Frau, die ein Märchen zerstört und eine schöne, romantische Liebe torpediert hatte.

Im Sommer 1997 starb Diana im Alter von nur 36 Jahren in der Folge eines Autounfalls in Paris. Während die Welt um die beliebte Prinzessin von Wales trauerte, führten Camilla und Charles ihre Beziehung fort – aller­dings nicht offiziell. Ein Jahr später sah man das Paar dann immer öfter bei Veranstaltungen, im Theater und bei Feierlichkeiten. Im Jahr 2005 wurde ihre Verbindung dann auch vor dem Staat besiegelt. Sie gaben sich im Rathaus von Windsor das Jawort. Die Fotos von der Hochzeit vermitteln ein Bild, das sich bis heute gehalten hat: das eines glücklichen, einander zugewandten Paares. Die Queen, die der Beziehung lange Zeit skeptisch gegenüberstand, akzeptierte sie schließlich.

König Charles III. begleitet die Queen auf ihrer letzten Reise

Der Sarg der verstorbenen Königin Elizabeth II. ist nach einer Prozession durch die Altstadt in Edinburgh an seinem vorübergehenden Aufbahrungsort.

Um das Bild von Camilla auch in der Öffentlichkeit zu verbessern, habe man für sie ein neues Image erschaffen, erklärte Polland-Schmandt. Denn jedes Mitglied der Familie habe eine bestimmte Rolle zu erfüllen. Ihren Ruf maßgeblich verbessert habe unter anderem ihre Wohltätigkeitsarbeit, sagte Pauline MacLaran, die sich in ihrem Buch „Royal Fever“ intensiv mit dem Bild der königlichen Familie befasst hat, gegenüber dieser Zeitung.

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Camilla ist zu einem Vorbild geworden

Geholfen habe laut MacLaran auch, dass sie zurückhaltend ist und Kontroversen vermeidet. Denn: „Frauen, die sich in den Vordergrund drängen, haben es in der königlichen Familie schwer.“ Außerdem habe Camilla an ihrem Stil gearbeitet, betont die Marketingexpertin. Früher habe sie als altmodisch gegolten, heute achte sie sehr auf ihre Frisur und ihre Kleidung. So lobten Medien sie zuletzt beispielsweise für ihr Outfit, welches sie beim Gottesdienst zu Ehren der Queen anlässlich des 70. Thronjubiläums in der St.-Pauls-Kathedrale im Zentrum Londons trug: „Sie sah glänzend aus“, war zu lesen. Camilla ist so zu einem Vorbild geworden – insbesondere für Frauen in ihrem Alter.

Trotz allen Lobes, dass Camilla im Fall von Charles‘ Besteigung des Throns Queen Consort würde, widerstrebte dies vielen Britinnen und Briten. Vergangene Woche war jedoch klar: Sie wird nicht wie einst von Charles als Kompromiss vorgeschlagen Princess Consort, sondern Queen Consort sein. Damit folgte Charles auch den Vorstellungen seiner verstorbenen Mutter Königin Elizabeth II. Denn diese hatte im Rahmen der Feierlich­keiten anlässlich ihres 70. Thronjubiläums betont, dass es ihr „aufrichtiger Wunsch“ sei, dass Camilla diesen Titel tragen werde.

Charles sagte in seiner emotionalen Rede an die Nation am Freitag im Buckingham-Palast, dass er auf die liebevolle Hilfe seiner „geliebten Frau“ zähle. „Ich weiß, dass sie die Anforderungen ihrer neuen Rolle mit unerschütterlicher Pflichterfüllung erfüllen wird.“ König zu sein ist eine einsame Aufgabe. Camilla ist die Richtige, um ihn dabei zu unterstützen, finden viele Britinnen und Briten.

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