Elizabeth Line startet

Eine U-Bahn für die Queen

Neue Farbe für ein altes Logo: Die Elizabeth Line nimmt ihren Betrieb auf.

Neue Farbe für ein altes Logo: Die Elizabeth Line nimmt ihren Betrieb auf.

London. Die Farbe im Liniennetzplan stand schon früh fest: Londons neue U-Bahn-Linie, die Elizabeth Line, soll die Farbe Purpur bekommen – eine der Lieblingsfarben der Königin. Die Strecke trägt schließlich ihr zu Ehren ihren Namen. Queen Elizabeth II. hat sich in der vergangenen Woche bei einem Überraschungsbesuch zumindest schon einmal für zehn Minuten die neue Station Paddington im Zentrum Londons angesehen. Von diesem Dienstag an nimmt die Elizabeth Line für alle ihren Betrieb auf. Endlich, wie viele Briten finden.

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Denn eigentlich sollten die ersten Züge bereits Ende 2018 rollen. Doch Probleme beim aufwendigen Bau weit unterhalb der 8,5-Millionen-Einwohner-Metropole führten immer wieder zu Verzögerungen. Am Ende schlug die Elizabeth Line mit 18,9 Milliarden Pfund zu Buche, umgerechnet 22,35 Milliarden Euro. Gut 4 Milliarden Pfund mehr als veranschlagt. Das ursprünglich wegen seines Verlaufs quer durch London „Crossrail“ genannte Vorhaben gilt als eines der größten Bauprojekte in Europa.

Die Queen am Fahrkartenautomaten: Wenige Tage vor der Inbetriebnahme stattete Elizabeth der nach ihr benannten neuen U-Bahn-Linie einen Besuch ab.

Die Queen am Fahrkartenautomaten: Wenige Tage vor der Inbetriebnahme stattete Elizabeth der nach ihr benannten neuen U-Bahn-Linie einen Besuch ab.

Der Eröffnungstag wird ein wahrhaft historischer Moment für die Hauptstadt und das Vereinigte Königreich.

Andy Byford,

Bevollmächtigter von Transport for London

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„Der Eröffnungstag wird ein wahrhaft historischer Moment für die Hauptstadt und das Vereinigte Königreich“, sagt der Chef des Betreibers Transport for London (TfL), Andy Byford. „Wir freuen uns darauf, eine einfach atemberaubende Ergänzung unseres Netzwerks zu präsentieren.“ Für Byford selbst ist es ein weiterer Meilenstein in einer langen Karriere im Management von Nahverkehrsunternehmen. Er arbeitete zuvor bereits in New York, Sydney und Toronto. Nachdem 2018 insgesamt 75.000 Fehler beim Bau der Elizabeth Line festgestellt worden waren, setzten die Verantwortlichen an der Themse auf professionelle Hilfe und holten den gebürtigen Briten Byford.

Erholung von der Pandemie

TfL hegt große Erwartungen in dem Projekt: „Die neue Linie wird für die Erholung Londons von der Pandemie von entscheidender Bedeutung sein“, heißt es in einer Mitteilung. Sie werde der britischen Wirtschaft geschätzte 42 Milliarden Pfund zusätzlich einbringen. London verspricht sich davon vor allem neue Jobs und einen Schub für den Wohnungsbau in zuvor schlechter mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichbaren Gegenden.

Eine der neuen Stationen der Elizabeth Line: Canary Wharf im Bankenviertel.

Eine der neuen Stationen der Elizabeth Line: Canary Wharf im Bankenviertel.

Zumindest baulich setzt die Elizabeth Line Maßstäbe. Sie soll mit dem angestaubten Image des Londoner U-Bahn-Netzes – dem ältesten der Welt – aufräumen. Dafür wurden zehn Bahnhöfe neu gebaut, unter anderem in den stark frequentierten Stationen Paddington, Farringdon, Liverpool Street und Canary Wharf. Wobei Paddington nach Aussagen der Planer von Crossrail den größten Umbau seit seiner Eröffnung 1854 erlebt hat. Der US-Künstler Spencer Finch schuf eigens für das 120 Meter lange Vordach ein Kunstwerk, „Cloud Index“. Es ist ein Bild des Himmels, das sich je nach Lichteinfall, Sonnenstand und Tageszeit zu verändern scheint. Der Fokus auf Paddington ist nicht ganz zufällig: Am 10. Januar 1863 startete hier die erste U-Bahn der Welt, die Metropolitan Line.

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Mammutknochen und Ruinen

Die Bauarbeiten in einer so alten Stadt wie London waren immer wieder von Überraschungen geprägt. So entdeckten die Bauarbeiter 68.000 Jahre alte Mammutknochen, römische Ruinen und Skelette mittelalterlicher Pestopfer. Ein Team von 100 Archäologen exhumierte die Überreste von insgesamt 3300 Menschen. Allein acht riesige Tunnelbohrmaschinen aus Deutschland fraßen sich für die neue Strecke 21,6 Kilometer durch den Londoner Untergrund.

Mammutbau unter Tage: 2015 erreichte der Tunnelbohrer die Station Liverpool Street.

Mammutbau unter Tage: 2015 erreichte der Tunnelbohrer die Station Liverpool Street.

Insgesamt besteht die neue Elizabeth Line aus 41 Stationen, die meisten jedoch gab es bereits zuvor für andere Bahnstrecken. Sie wurden lediglich renoviert. Ein prominenter Bahnhof im Zentrum Londons wird den Start verpassen: Bond Street ist noch nicht fertiggestellt und soll erst im Laufe des Jahres zum Streckennetz hinzukommen. Die Elizabeth Line ist mehr als 100 Kilometer lang. Von Reading und Heathrow im Westen führt sie durch zentrale Tunnel bis nach Shenfield und Abbey Wood im Osten. Prognosen gehen von 200 Millionen Passagieren pro Jahr aus. Ursprünglich waren 250 Millionen kalkuliert worden, doch der fortschreitende Trend zum Homeoffice hat die Verantwortlichen ihre Berechnungen überdenken lassen.

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Deutlich kürzere Fahrtzeiten

Vor allem im Zentrum wird die Elizabeth Line Fahrtzeiten erheblich verkürzen. Künftig ist es etwa möglich, vom Flughafen Heathrow im Westen bis ins Finanzviertel Canary Wharf in nur 40 Minuten zu gelangen. Bislang dauerte diese Fahrt deutlich mehr als eine Stunde, und sie war nur mit Umsteigen möglich. Zudem hat TfL für den Betrieb neue Züge gekauft, die jeweils bis zu 1500 Passagiere fassen und bis zu 145 Kilometer pro Stunde fahren können.

Die neue Linie sei eine beachtliche Leistung, erklärt Tony Travers von der London School of Economics. „Aber sie wurde – nach großen Anstrengungen und über eine lange Zeitspanne hinweg – für eine andere Wirtschaft gebaut.“ Vorausgesetzt worden sei damals das dauerhafte wirtschaftliche Wachstum des Londoner Zentrums. Seit dem Brexit und der Pandemie sind Wirtschaftsforscher diesbezüglich skeptisch.

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Nach der Jubilee Line die Elizabeth Line

Für den britischen Premierminister Boris Johnson schließt sich mit der Eröffnung der Elizabeth Line ein Kreis. Er war 2008 Bürgermeister von London, als das Projekt vom Parlament in Westminster beschlossen wurde, und ließ sich für das Projekt damals zu jeder Gelegenheit feiern. Die Planungen indes sind sehr viel älter: Bereits seit 1948 gab es immer wieder Überlegungen für eine zentrale Untertunnelung der britischen Hauptstadt.

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Für die Queen kommt die Eröffnung gerade rechtzeitig zu den Feierlichkeiten ihres 70-jährigen Thronjubiläums, das am langen Pfingstwochenende überall in Großbritannien gefeiert wird. Die Elizabeth Line ist aber genau genommen bereits die zweite Londoner U-Bahn-Linie zu ihren Ehren. Die 1979 eröffnete Jubilee Linie erhielt ihren Namen anlässlich des silbernen Thronjubiläums der Queen. Eigentlich hätte sie Fleet Line heißen sollen.

Mit der Eröffnung an diesem Dienstag ist das Projekt übrigens noch nicht vollständig beendet. Crossrail 2 nennt sich ein ähnliches Vorhaben, eine Verbindung vom Norden Londons bis in den Süden. Der Baubeginn ist für nächstes Jahr geplant.

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