Haben Sie auch Schwächen?

Aus der Schule zum Fernsehen: Nina Ruge lebt das Motto “Alles wird gut“

Aus der Schule zum Fernsehen: Nina Ruge lebt das Motto “Alles wird gut“

Hannover. Frau Ruge, wird Ihnen manchmal angst und bange, wenn Sie in diesen Tagen die Nachrichten sehen?

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Besonders, wenn ich mal eine längere Zeit intensiv News und Hintergrundberichte gelesen habe, im Flugzeug oder Zug zum Beispiel, dann habe ich das starke Verlangen nach einem Antidepressivum. Das weltpolitische Klima trübt sich stark ein …

Unterscheiden sich die Nachrichten heute von denen, die Sie in Ihrer Zeit als Moderatorin beim “heute-journal“ und bei “heute nacht“ verkündet haben?

Meine acht Jahre im Nachrichtengeschäft waren geprägt vom Fall der Mauer und dem Zusammenbruch des Ostblocks, vom ersten Irak-Krieg – und zugleich von großer Hoffnung auf eine neue, friedlichere Weltordnung. Das waren extreme Umbrüche mit extremen Chancen auf internationale Balance. Das sieht heute anders aus.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Wie gehen Sie damit um?

Was den meisten unter die Haut geht angesichts der Negativschlagzeilen aus allen Bereichen – Kriege vor der Haustür, Terror im eigenen Land, Trump und Putin zündeln, Umweltverpestung, multiresistente Keime, die Liste ist unendlich –, ist das Gefühl der Ohnmacht. Da regiert allenthalben die Unvernunft, und wir können nichts tun. Deshalb trainiere ich mich darauf, immer und immer wieder in Lösungen zu denken – und mit Freunden, Bekannten oder auch über Petitionen im Kleinen und wenn möglich im Größeren etwas zu bewegen.

Wenn man mit Ihnen spricht, kann man schnell den Eindruck erhalten, dass Sie in sich ruhen und mit sich selbst im Reinen sind. Das ist ein Zustand, dem viele Menschen ein Leben lang hinterherjagen – ohne ihn je zu erreichen. Wie haben Sie das geschafft?

Danke, mich freut Ihr Eindruck zutiefst. Meine Haltung zum Leben ist das Ergebnis einer lebenslangen Suche – und eines lebenslangen “Selbsttrainings“. Ich habe schon immer neben meiner Leidenschaft für Journalismus, Wissenschaft und Technologie mein Leben zu vertiefen gesucht. Das heißt, ich habe versucht, ein neues Bewusstsein zu entwickeln für die spirituelle Dimension in uns. Ganz unjournalistisch kann ich auch sagen: Ich übe mich täglich darin, das “Heilige“, das “Ewige“ in mir und in allem, was ist, wertzuschätzen und als unendliche Kraftquelle zu nutzen.

Sie haben als Moderatorin lange selbst ein vermutlich sehr stressiges Leben geführt. Heute dagegen geben Sie als Autorin und Coach Menschen Rat, die unter Stress leiden und sich in ihrem Leben nicht mehr wohlfühlen. War das damals auch bei Ihnen der Fall?

Stressfaktoren umtanzen mich jeden Tag, bis heute. Ich moderiere viele anspruchsvolle Veranstaltungen und Kongresse, halte Vorträge und schreibe Bücher, Aufsätze, Artikel. Da bin ich oft unter Zeitdruck, allerdings nicht mehr so stark wie in den 25 Jahren täglicher Sendungen. Gerade weil ich Leidenschaft für den Beruf lebe – die immer mit gewissem Druck verbunden ist –, ist es mir so wichtig, in den Alltag viele Momente der Achtsamkeit, der Entschleunigung und der Vertiefung einzufügen. Dafür bin ich selbst verantwortlich. Das bedeutet “innere Führung“ für mich.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Gab es einen Moment, in dem Sie dachten, alles muss anders werden?

Das war eine Entwicklung über Jahrzehnte. Schon mit 15 Jahren habe ich Bücher von Horst-Eberhard Richter, Habermas und Erich Fromm verschlungen, mit 17 dann war ich tumber Bhagwan-Fan, später lernte ich von Ken Wilber, Eckhart Tolle und vielen anderen. Ich habe früh begonnen, ein Leben in innerer Balance, jenseits des Getriebenseins, zu führen. Und als ich vor zehn Jahren die tägliche Sendung “Leute heute“ beendet habe, da war ich reif, meine Erkenntnisse in einem Buch niederzulegen. Und letztes Jahr kam das Online-Coaching dazu, das wir in 21 Filmlektionen gedreht haben, jede etwa 20 Minuten lang.

Vielen Menschen geht es vermutlich ähnlich – nur fehlt ihnen das entscheidende Moment, um auszusteigen. Einen Alltag krempelt man ja nicht so leicht um. Wie haben Sie das geschafft?

Ich bin nie ausgestiegen. Ich bin eingestiegen – ins Leben, in das Jasagen, zu allem, was geschieht. Negatives als Herausforderung sehen – und Positives wertschätzen, entwickeln. Mich selbst entwickeln, meine Liebesfähigkeit zu allem, was ist: Mensch, Tier, Natur – und meinem Leben einen Sinn geben, indem ich die Welt ein bisschen besser mache. Um mit Martin Buber zu sprechen: “Bei sich beginnen, aber nicht bei sich enden, bei sich anfangen, aber sich nicht selbst zum Ziel haben.“

Ihre Texte vermitteln den Eindruck, dass Sie sehr diszipliniert sind. Sie verzichten weitgehend auf Alkohol und Zucker, bewegen sich viel, schlafen genug und schminken sich jeden Abend gründlich ab. Mal im Ernst – halten Sie das wirklich durch?

Disziplin? So empfinde ich das gar nicht. Ich lebe so, wie es mir guttut. Und dazu gehören einfach ein paar Dinge, die vielleicht als diszipliniert bezeichnet werden, aber das erfahre ich halt anders. Keinen Zucker zu essen tut mir gut. Regelmäßig Sport zu treiben tut mir gut. Nicht zu rauchen und mit meinen Hunden in der Natur zu sein tut mir gut. Und Rotwein liebe ich auch!

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Was ist denn Ihre größte Schwäche?

Ich bin manchmal etwas ungeduldig. Es gibt so viele Dinge, die ich tun und erleben möchte, dass ich nicht immer eine umfassende Gelassenheit an den Tag lege ...

Den Lesern Ihres Buches “Der unbesiegbare Sommer in uns“ raten Sie, Kraft im Inneren zu finden. Wie kann das funktionieren?

Ihre Frage erstaunt mich ein bisschen. Sehnt sich nicht jeder nach innerer Gelassenheit, nach Angstfreiheit, nach mentaler Stärke und dem Lebensgefühl tiefen Friedens? Wo soll ich das denn finden, außer in mir selbst? Soll etwa der perfekte Mann mich glücklich machen? Das perfekte Kind? Der geniale Job? Nichts ist sicher. Nur meine Haltung zum Leben und meine Entschiedenheit, meine innere Gestimmtheit selbst zu steuern – nur das ist sicher.

Sie halten nicht viel von Methoden, sondern sprechen eher von einem Gefühl für ein Ziel. Was meinen Sie damit?

Ich halte sehr viel von bewusstem Selbsttraining. Dazu braucht es auch Methoden. Ich halte allerdings nichts davon, sich in Abhängigkeit zu begeben – sei es von Coaches, Gurus, spirituellen Lehrern oder von wem auch immer. Meines Erachtens findet jeder am besten dann seinen Weg nach innen und über sich hinaus, wenn er oder sie seine eigenen Übungen entwickelt und sie selbstbestimmt nutzt. Wie man seine persönlichen kleinen Übungseinheiten entwickeln und zusammenstellen kann, das erläutere ich in meinem Buch “Der unbesiegbare Sommer in uns“ und in meinem jüngsten Online-Coaching “Alles wird gut“. Das Entscheidende ist – wenn ich denn mein Bewusstsein entwickeln möchte hin zu mentaler Tiefe und persönlicher Kraft –, dass ich diesen Weg nicht verlasse und dauerhaft liebevoll mit mir selber daran arbeite. Klingt merkwürdig und ein bisschen verschult, bedeutet aber das Gegenteil – nämlich zunehmende Befreiung.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Was sagen Sie eigentlich Menschen, die Ihren Glauben an die Kraft aus dem Inneren der Persönlichkeit als Shanti- oder Esoterik-Kram abtun?

Jeder, wie er mag!

Von Dany Schrader

Mehr aus Promis

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken