Jubiläumsfeierlichkeiten in London

Gottesdienst ohne die Queen: ein Tag voller gemischter Gefühle

Harry und Meghan nach dem Gottesdienst in St. Paul’s.

Harry und Meghan nach dem Gottesdienst in St. Paul’s.

London. In London hat man angesichts von Partys, Straßenfesten und Veranstaltungen anlässlich des 70. Thronjubiläums der Queen vor allem ein Problem: Man weiß nicht, wo man zuerst hingehen soll. Wer bereit war, 65 Pfund (rund 76 Euro) zu bezahlen, konnte sich am Freitag aus 135 Metern Höhe erst einmal einen Überblick über die Stadt verschaffen, in einem kleinen Pub im Stil der 50er-Jahre. Es ist der Queen gewidmet und befindet sich in einer der Gondeln des London Eye, dem größten Riesenrad Europas. Umgeben von Fotos der Monarchin, bietet es nicht nur einen Blick auf den Buckingham-Palast, auch die Kuppel der St.-Pauls-Kathedrale ist sichtbar. Ein Ort, auf den in London alle Augen gerichtet waren. Schließlich fand dort der Dankesgottesdienst für die Königin statt.

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Bei einem kühlen Cocktail auf der Basis von Dubonnet und Gin, zwei alkoholischen Getränken, die die 96-jährige Monarchin angeblich besonders gerne trinkt, hatten Gäste des London-Eye-Pubs, ähnlich wie Königin Elizabeth, damit einen Blick aus der Ferne auf das Geschehen in St. Pauls. Denn diese verfolgte den Gottesdienst zu ihren Ehren von Schloss Windsor aus, obwohl sie ursprünglich vor Ort sein wollte. Die Veranstaltungen am Donnerstag hätten die 96-Jährige angestrengt, und sie fühle sich deshalb „nicht so wohl“, hieß es.

Pub wird der Queen gewidmet

Anlässlich des 70. Thronjubiläums der Queen, wurde ein Pub im 50er-Jahre-Stil in einer Gondel des London Eye errichtet.

Der Andrang um die Kathedrale war dennoch groß. Schließlich waren sowohl berühmte als auch umstrittene Persönlichkeiten vor Ort. Allen voran Meghan und Harry, die vor über zwei Jahren dem britischen Königshaus den Rücken gekehrt haben, um in den USA ein neues Leben anzufangen; sowie Premierminister Boris Johnson, der wegen der Affäre um Partys während des Lockdowns zunehmend den Rückhalt in der Bevölkerung und der eigenen Partei verliert.

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Jubel und Buhrufe

Dass Britinnen und Briten sowohl über das Paar als auch ihren Staatschef gespalten sind, zeigte sich an den Reaktionen der Menschenmenge. So waren sowohl Jubel als auch Buhrufe zu hören. Besonders emotional reagierte einer der Wächter, der vor der Kathedrale postiert war. Er fiel beim Anblick der Sussexes, wie Meghan und Harry mittlerweile genannt werden, in Ohnmacht. Omid Scobie, Autor von „Finding Freedom“ („Auf der Suche nach Freiheit“), sagte, dass das Paar hoffe, so „unauffällig wie möglich“ zu sein. Das ist ihnen am Freitag nicht gelungen.

Zwei, die bei dem Event vor Ort waren, sind Jen und Susan, beide 65. Die Frauen, die ganz britisch mit schicken Hüten erschienen, wurden für ihre Wohltätigkeitsarbeit in Hampshire im Süden Englands durch den Staat ausgezeichnet und durften deshalb an dem Gottesdienst zu Ehren der Queen teilnehmen. „Wir sind stolz, britisch zu sein, und empfinden es als große Ehre, dabei sein zu können“, sagten sie. Wie viele Britinnen und Briten haben sie Verständnis dafür, dass die Queen, die sie als „Großmutter der Nation“ bezeichneten, nicht persönlich da sein kann.

„Ein düsterer Aspekt“

Doch nicht alle Menschen im Königreich äußern sich dieser Tage so patriotisch. Nicht wenige machten sich angesichts der Feierlichkeiten auch Gedanken über die politische Gegenwart und Zukunft des Landes. Zu ihnen gehörten Sheila aus dem Süden Londons und Liz, die aus Cambridge angereist ist. Sie waren am Donnerstagabend nahe dem Buckingham-Palast zwar mit einem Union Jack unterwegs, betonten jedoch, dass es einer der wenigen Momente sei, in denen sie sich stolz fühlten, angesichts der politischen Lage und der Geschichte des Landes.

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Sholto Pridgeon, der im Norden Londons lebt, teilte diese Meinung. Er habe nichts gegen die Queen und auch nichts gegen Feiertage. „Ich bin jedoch besorgt über den Aufstieg des Nationalismus im Vereinigten Königreich“, der durch die Regierung aktiv geschürt werde. Dadurch erhielten die Feierlichkeiten „einen düsteren Aspekt“, sagte er. Um auf andere Gedanken zu kommen, könne ein Besuch des London-Eye-Pubs hilfreich sein, wenn man es sich leisten könne.

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