Starten Sie jetzt ihre Schlagerkarriere?

Mehr als das “Superweib“ mit blonder Mähne und Schmollmund: Veronica Ferres im Interview über Vorurteile, Stunt-Verletzungen und ihre Träume für die Zukunft.

Mehr als das “Superweib“ mit blonder Mähne und Schmollmund: Veronica Ferres im Interview über Vorurteile, Stunt-Verletzungen und ihre Träume für die Zukunft.

Hannover. Frau Ferres, in Ihrem neuen Film “Unter deutschen Betten“ stehen Sie als Putzfrau wider Willen vor manch unappetitlicher Aufgabe. Putzen Sie privat eigentlich noch selbst?

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Na klar, schließlich bin ich so erzogen worden. Als einziges Mädchen unter drei Geschwistern musste ich zu Hause all diese Dinge erledigen, und ich finde es ehrlich gesagt zutiefst befriedigend. Neulich habe ich mir das Zimmer meiner Tochter vorgeknöpft, bin sogar unter das Bett gerobbt, habe alles aus den Schränken und Regalen geräumt, gründlich mit Lauge durchgewischt und danach alles wieder schön eingeräumt. Das war herrlich – diese Energie, die da auf einmal im Raum war!

Aber Sie haben doch sicher auch Putzhilfen?

Ja, doch. In München, wo wir als Familie wohnen, haben wir eine Hilfe und auch in Frankreich in einem Haus, das wir nutzen. Trotzdem käme ich nie auf die Idee, eine verwüstete Küche einfach stehen zu lassen, bis die Putzfrau das nächste Mal kommt. Auch wenn das Töpfeabwaschen dann komplett an mir hängen bleibt – irgendwie fühlt sich bei uns sonst keiner dafür zuständig.

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Das heißt, Sie kochen auch?

Wenn ich Zeit dafür finde, ja. Ein idealer Sonnabend ist für mich einer, an dem ich morgens mit meiner Familie über den Markt bummele, etwas Leckeres einkaufe, abends kochen wir uns daraus etwas Gutes und setzen uns hinterher zu einer Runde Monopoly zusammen. Danach einfach ins Bett sinken – herrlich …

Bei Ihrem Pensum klappt das vermutlich nicht allzu oft. Sie haben mehr als 90 Filme gedreht, sind international tätig, haben Ihre eigene Produktionsfirma, Ihre Familie – von vielen anderen Aufgaben ganz zu schweigen. Gibt es Momente, in denen es Ihnen zu viel wird und Sie am liebsten mal alles hinschmeißen würden?

Normalerweise nicht, ich liebe meine Familie, meine Arbeit und bin auch ziemlich stark und ausdauernd. Kritisch wird es nur, wenn ich permanent zu wenig Schlaf bekomme. Vor Kurzem hatte meine Tochter Grippe, das hieß für mich eine Nacht mit einer und eine zweite mit drei Stunden Schlaf. Wenn anstrengende Tage folgen, ist das schon manchmal schwer durchzuhalten.

Wenn es Ihnen erginge wie Ihrer Filmfigur Linda, die auf einen Schlag alles verliert, was würden Sie tun?

Ich würde kämpfen, und ich würde vor allem nicht verzweifeln, sondern daran glauben, dass ich es schon schaffen werde. Wenn ich morgen plötzlich mit dem Fahrrad zum Dreh fahren müsste, würde ich in den Himmel gucken und sagen: Na und? Was soll’s, schließlich habe ich auch mal ganz klein angefangen. Meine Eltern hatten nie viel Geld, sie haben vom Verkauf von Kohlen und Kartoffeln gelebt. Ich kenne also harte Arbeit durchaus, und ich selbst habe auch wirklich hart für das gearbeitet, was ich heute habe. Aber ich habe es hinbekommen, und ich weiß, ich würde es wieder hinbekommen.

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Paare wie Sie und Carsten Maschmeyer wecken automatisch immer wieder das Interesse der Boulevardmedien, und nicht immer geht es da ganz akkurat zu. Sind Sie schon mal gerichtlich gegen eine Veröffentlichung vorgegangen?

Ja, mehrmals sogar, vor allem dann, wenn es um meine Tochter ging. Aber inzwischen habe ich das aufgegeben. Es kostet unendlich viel Zeit, Nerven und auch Geld, und am Ende kommt dann ein verschämter Dreizeiler als Richtigstellung unten auf der vorletzten Seite dabei heraus – da kann ich den Dingen ebenso gut ihren Lauf lassen und versuchen, unfaire oder gar unwahre Berichte einfach zu ignorieren.

Ihre Tochter Lilly ist 16 Jahre alt – macht sie sich schon Gedanken über ihre Berufswahl? Tendiert sie wie Sie auch in Richtung Schauspielerei?

Überhaupt nicht. Sie will Anwältin werden.

Diese Narbe da an Ihrem Ellenbogen sieht noch ziemlich frisch aus – was ist denn da passiert?

Das ist eine der vielen Blessuren, die ich mir bei den Dreharbeiten zu meinem neuen Film geholt habe. Das ist in der Kanonenszene passiert, die wir vorher x-mal geübt und ganz langsam aufgebaut haben. Ich musste ja lernen, von dem an Seilen baumelnden Ding gefahrlos runterzustürzen, wenn es in der Mitte zerbricht. Bei einem dieser kalkulierten Stürze schwang dann plötzlich eine Hälfte der zerbrochenen Kanone auf mich zu, ich reiße meinen Arm hoch, um meinen Kopf zu schützen – und zack, schrammt mir so eine scharfe Kante den Ellenbogen auf. Heftig war auch die Einbruchssequenz, da muss ich ja über eine Mauer klettern und mich auf der anderen Seite zu Boden fallen lassen. Zwar lag da eine Matte, aber trotzdem war ich hinterher übersät von Prellungen und blauen Flecken …

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Wieso machen Sie das denn alles selbst? Es gibt doch durchaus Stuntfrauen, die das für Sie erledigen könnten.

Ich teste eben gern meine Grenzen aus. Und selbstverständlich bereite ich mich auf solche Szenen sehr sorgfältig vor. Wir haben Stuntleute am Set, die mir vormachen, wie es aussehen soll, und mich dann Schritt für Schritt heranführen. Außerdem trainiere ich vor solchen Dreharbeiten wie ein Boxer vor dem Wettkampf – seit einiger Zeit mache ich zum Beispiel direkt nach dem Aufstehen und direkt vor dem Zubettgehen Liegestütze und Kniebeugen. Die sind zwar total simpel, aber sehr wirksam – probieren Sie’s mal aus, Sie werden staunen! Wenn ich dann durch und durch fit bin und mich an den geprobten Ablauf bei solchen körperbetonten Szenen halte, passiert eigentlich auch nichts.

Eigentlich, aber wie die Kanonensache zeigt, kann man ja nie wissen. Waren Sie persönlich schon mal ernsthaft krank?

Ich war sogar beinahe tot, das hatte aber nichts mit meiner Arbeit zu tun. Vor 17 Jahren hat mich im Urlaub in Marokko etwas gestochen und mit einem Virus infiziert, das sowohl Gehirn- als auch Gehirnhautentzündung auslöst. Als ich wieder zu Hause war, ging es mir immer schlechter, aber wie immer bin ich erst mal nicht zum Arzt gegangen. Das Ende vom Lied war, dass ich fast drei Wochen im Koma lag und anschließend Monate brauchte, bis ich wieder gehen, stehen und sprechen konnte. Ich habe enormes Glück gehabt, sehr viele Patienten überleben diese Krankheit nicht.

In “Unter deutschen Betten“ spielen Sie einen gestrauchelten Schlagerstar, am Schluss singen Sie auch.

Das sind doch Sie, die man da hört, oder?

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O ja, und ich gestehe, ich habe monatelang mit einem Gesangscoach dafür geübt. Ich will nicht sagen, dass ich völlig unmusikalisch bin, ich hatte jahrelang Klavierunterricht, kann ein paar Griffe auf der Gitarre und spiele Blockflöte auf Grundschulniveau. Aber Singen ist für mich wirklich schwierig, und ich bewundere Leute, die das richtig gut können.

Kommt dann zusätzlich zu Ihrer Schauspielkarriere jetzt auch noch eine Schlagerkarriere?

Verlassen Sie sich darauf: Dazu wird es niemals kommen. Das überlasse ich wirklich lieber denjenigen, die es beherrschen. Ich stehe jetzt seit mehr als 30 Jahren auf der Bühne und vor der Kamera, und das möchte ich noch eine ganze Weile weitermachen. Wenn mein Gesicht aber eines Tages so alt und hässlich ist, dass ich es nicht mehr so gern vorzeigen möchte, eröffne ich ein Kinderheim. Ich sehe es schon richtig vor mir: eine große Villa in einem schönen Garten mit ganz viel Platz zum Spielen und Toben. In diesem Heim könnten Kinder vom Baby- bis zum Teenageralter unterkommen, und ich würde versuchen, ihnen beizubringen, wie es so zugeht im Leben.

In “Unter deutschen Betten“ bricht Veronica Ferres in ihr eigenes Haus ein.

In “Unter deutschen Betten“ bricht Veronica Ferres in ihr eigenes Haus ein.

Von Stefanie Gollasch

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